Deutscher?
4. February 2007 - 16:13

Eigentlich das Übliche: Öffnungszeiten von 9 bis 11 von sonntags bis donnerstags. Zwei Passfotos sind mitzubringen, ein Antrag auszufüllen und die Gebühren von rund 40 Euro können bar am Schalter bezahlt werden.
Der Andrang bei der Konsularabteilung der indischen Botschaft ist nur ein wenig größer als ich es erwartet hätte. Viele junge Leute – Studenten, die nicht im Land bleiben wollen, aber keinen Studienplatz in Westeuropa oder Nordamerika finden konnten.
Ich habe alle Fragen nach Wohnort, Geburtsdatum, Passnummer und voraussichtlicher Reisedauer im Formular ausgefüllt und schiebe das Dokument plus Geld plus Pass plus Fotos durch den Spalt am Schalterfenster.
Kopfschütteln.
„Sind Sie Deutscher?“
Ich zeige auf meinen Pass und nicke.
„Dann fehlt das Schreiben von der Botschaft.“
„Welches Schreiben?“
„Die Botschaft muss Ihnen eine Bescheinigung ausstellen, dass Sie Deutscher sind.“
„Aber ich habe doch einen Pass, der beweist, dass ich deutscher Staatsbürger bin.“
Der meinem Schicksal gegenüber gleichgültige Mann hinter der Scheibe wendet sich der älteren Frau zu, die hinter mir in der Reihe steht.
Nachfragen bestätigen, dass Deutsche, die bei der indischen Botschaft in Teheran einen Antrag auf ein Touristenvisum stellen, eine Bescheinigung der deutschen Botschaft vorlegen müssen, dass sie die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Hätte ich den Antrag in Berlin gestellt, hätte der Pass gereicht.
Indien muss ein merkwürdiges Land sein, wo man glaubt, dass ein mit hochaufwendiger fälschungssicherer Technik plus Chip mit Biodaten produzierter Reisepass weniger Gültigkeit besitzt als ein einfaches Schreiben der Botschaft, das sich schnell mit Hilfe einer Schere und einem Fotokopierer zusammenbasteln ließe.
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