
Nachdem die Notwendigkeit, mit den Taliban ins Gespräch zu kommen, wieder allseits im Gespräch und sogar von ernsthaften Kontakten die Rede ist, wird es an der Zeit, die Taliban ein wenig näher kennen zu lernen.
Nun, jeder weiß, dass „Taliban“ nur ein sehr allgemeiner Sammelbegriff für unterschiedlichste Gruppierungen ist. Es gibt die religiös motivierten oder die eher nationalistisch orientierten Taliban, es die Taliban aus Afghanistan oder die Taliban aus Pakistan, es gibt die Gruppe um Haqqin und es gibt die immer noch von Mullah Omar geführten Taliban. Es gibt noch andere Gruppen, die verkürzend ebenfalls den „Taliban“ zugerechnet werden: Hekmatyar’s Hezb-e-Islami, regionale Gruppen und auch einfache Kriminelle, die sich des Namens Taliban bedienen.
Es gibt inzwischen einige Literatur zu diesen Gruppen, aber das sind meist recht akademische Abhandlungen. So richtig mal mit ihnen ein Wort gewechselt oder gar mal die Gebiete, die unter Taliban-Kontrolle stehen, besucht hat bislang kaum jemand. Oder hat zumindest nicht darüber geschrieben.
Nir Rosen hat. Rosen besitzt eine Neigung, sich mit Gesellen herum zu treiben, zu denen andere lieber einen möglichst großen Sicherheitsabstand halten. Im Libanon waren es Hisbollah-Kämpfer, im Irak Mitglieder sunnitischer Gruppierungen, die gegen die US Army kämpften. Nun die Taliban in Afghanistan.
In der jüngsten Ausgabe des Rolling Stone (ja, es gibt ihn noch, wenn auch ein wenig geschrumpft) berichtet er von einem Ausflug in Taliban Territorium, genauer in die Provinz Ghazni, die inzwischen weitgehend von den Aufständischen kontrolliert wird.
Das Unternehmen ist nicht ganz so gelaufen, wie er es eigentlich geplant zu haben. Statt embedded mit den Taliban zu Scharmützeln mit ISAF-Truppen oder der Afghanischen Armee loszuziehen, geriet er in die Fänge eines lokalen Kommandanten, der ihn erst nach gründlichem Überlegen, ob ein toter oder ein lebendiger Journalist ihm mehr bringen wird, wieder laufen liess.
Der Artikel ist kein Grundlagenwerk, das in Zukunft von niemandem mehr ignoriert werden kann, der über die Taliban schreibt, aber lesenswert. So registriert Rosen, dass zumindest all die Taliban, auf die er getroffen ist, keine Probleme damit haben, dass Mädchen zur Schule und Frauen zur Arbeit gehen. Einer seiner Begleiter vergnügte sich sogar am Abend mit iranischem Pop-TV aus Los Angeles. Die Taliban hätten begriffen, so Rosen, dass sie sich mit ihrem moralischen Rigorismus nur unbeliebt machen würden und ließen die Zügel locker.
Die Geschichte endet in stark pessimistischen Tönen.
Der Krieg gegen die Taliban ist nach Rosens Meinung so gut wie verloren und auch eine Truppenaufstockung könne das Blatt nicht mehr wenden.
“More troops are not the answer,” a senior United Nations official in Kabul tells me. “You will not make more babies by having many guys screw the same woman.”
Selbst der Versuch, die Bevölkerung mit dem Bau von Brunnen und Brücken für die Regierung in Kabul zu gewinnen, verfange nicht mehr.
The Bush administration believes it can stop the Taliban by throwing money into clinics and schools. But even humanitarian officials scoff at the idea. “If you gave jobs to the Viet Cong, would they stop fighting?” asks one. “Two years ago you could build a road or a bridge in a village and say, ‘Please don’t let the Taliban come in.’ But now you’ve reached the stage where the hearts-and-minds business doesn’t work.”
Der einzige Ausweg: mit den Taliban über eine politische Lösung verhandeln.