Teestube im großen Basar von Teheran
20. October 2008 - 13:25
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20. October 2008 - 13:25
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19. October 2008 - 19:22

Um mich vor dringlicheren Aufgaben zu drücken, habe ich ein paar meiner Afghanistan Bookmarks geordnet. So ist mir aufgefallen, dass Afghanistanica, das bislang unter den Links rechts unten auf dieser Seite aufgeführt war, inzwischen eingestellt wurde. Der Blogger hat sich mit zwei Mit-Schreibern zu einem neuen Blog namens Exploring the Heart of Asia zusammen getan.
Geblieben ist die Mischung aus Alltagsgeschichten, sentimentaler gebrochener Nationalstolz, ein wenig Geschichte und Heimweh.
Das Foto oben stammt von diesem Blog und zeigt Badende in Kabul im Jahr 1967. Es stammt von Bill Podlich, von dem noch mehr historische Fotos aus Afghanistan hier zu finden sind.
Eine Übersicht von Blogs aus und über Afghanistan gibt es hier.
Für Hinweise auf ein paar lesenwerte pakistanische Blogs wäre ich dankbar.
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18. October 2008 - 10:11

Wahrscheinlich habe ich da etwas grundsätzlich missverstanden.
Nach dem Auftritt von Marcel Reich-Ranicki beim Deutschen Fernsehpreis und seiner Weigerung, die ihm für „sein Lebenswerk“ zugedachte Auszeichnung entgegen zu nehmen, glaubte ich gelesen zu haben, der Intendant des ZDF habe sich bereit erklärt, mit MRR heute eine halbe Stunde lang über „Qualität im Fernsehen“ oder auch die fehlende Qualität im Fernsehen zu diskutieren.
Statt des Intendanten saß Thomas Gottschalk MRR gegenüber und versuchte umständlich zu erklären, warum es nicht möglich war, dass die für die Programme Verantwortlichen selbst einmal Rede und Antwort stehen. Verstanden habe ich es nicht. Zu schade. Was MRR sagen würde, konnte man sich mehr oder weniger denken. Gespannt war ich mehr auf die Rechtfertigungen von Markus Schächter und auf den Beweis, dass das Gerücht falsch ist, dass Intendanten das Programm gar nicht kennen, das sie herstellen lassen.
Statt des Intendanten übernahm Gottschalk die Position, das existierende Programm zu verteidigen. Kernaussage: mehr Niveau verprellt die Zuschauer und Fernsehen ist in der heutigen Zeit nun mal an Einschaltquoten orientiert. Die Selbstverachtung, die er dabei erkennen ließ, machte diese Litanei, mit der sich die Fernsehverantwortlichen seit nunmehr 20 Jahren verteidigen nicht überzeugender.
Auf der anderen Seite erwies sich MRR als äußerst schlechter Vertreter seiner eigenen Sache. Schon zum Auftakt gestand er ein, dass er auch keine Lösung wisse, wie das TV besser zu machen sei und hatte nicht viel mehr als den Appell zu bieten, man müsse sich halt mehr Mühe geben. Die Chance, die unerträglichen Stunden, in denen er als donnernder Gott uns mit knarrender Stimme seine persönlichen Geschmacksurteile als endgültiges literarisches Diktum aufzuzwingen versuchte, mit einer intelligenten Attacke gegen magere TV Kost wieder gutzumachen, hat er verspielt. Wahrscheinlich war er dafür auch die falsche Besetzung und Zweifel sind angebracht, ob sich tatsächlich mit Rückgriffen auf Schiller, Shakespeare, Fontane und Brecht besseres Fernsehen machen lässt.
Wahrscheinlich gibt es aber auch kein Rezept, wie sich das Fernsehen besser machen lässt. Ich selbst gucke viel zu wenig, um da auf sicheren Füssen zu stehen. Meine TV-Kost reduziert sich auf Sport bei ARD und ZDF und gelegentlich eine Dokumentation bei ARTE. Für die journalistischen Notwendigkeiten wie Präsidentschaftsdebatten in den USA oder breaking news schalte ich zu BBC, Al Jazeera oder auch CNN.
Früher habe ich es mehr oder weniger verschwiegen, dass ich als jemand, der selbst für das Fernsehen arbeitet, kaum Fernsehen schaue. Klingt irgendwie nicht professionell, wenn man sich in seinem eigenen Metier nicht orientiert. Inzwischen weiß ich, dass es den meisten meiner Kollegen ähnlich geht, und das sagt einiges über das Programm aus.
Nicht zu gucken hat nicht nur etwas mit begrenzter Lebenszeit und zunehmenden Alternativen wie dem Internet zu tun, sondern hat vor allem einen schlichten Grund: TV ist – so weit es meinen Arbeitsbereich betrifft und nur über Information und Dokumentation rede ich hier - nicht relevant. Die Nachrichten der deutschen öffentlich-rechtlichen Sender bieten nichts, was man nicht schon anderswo gelesen oder gehört hätte und dies meist in einer äußerst biederen Variante. Dokumentationen, soweit sie überhaupt noch vorkommen oder nicht ins Nachtprogramm abgeschoben werden, sind ebenfalls von einer unerträglichen Biederkeit, die Aufbereitung des sattsam Bekannten, ohne journalistische Intelligenz und informativen Mehrwert. Die Quandt Doku, die beim Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, ist einer der wenigen Lichtblicke in einem Tümpel der Dunkelheit.
Woran liegt es?
Wie die meisten Miseren hat auch diese verschiedene Ursachen. Das reicht von verkrusteten Strukturen über persönlichen Eitelkeiten hin zu schlichter Inkompetenz. Zusammenfassen ließen sie sich vielleicht zwei einfachen Beobachtungen. Der Anspruch auf journalistische Qualität kann sich nicht mehr durchsetzen.
Kaum eine TV Nachrichtenredaktion folgt der Maxime, dass es nicht reicht, zusammen zu fassen, was bereits bekannt ist, sondern dass die Geschichte „ein Stück weiter gedreht“ werden sollte = durch eigene Recherche neue Informationen hinzu kommen sollten.
Es finden unzählige Konferenzen in den Sendern statt, in denen Programm geplant und diskutiert wird. Die typische Diskussionen orientiert sich aber nicht an der Frage, zu welchem Thema relevante Neuigkeiten ausgegraben werden konnten. Oberhand hat statt dessen die Frage, ob ein Thema auch zuschauergerecht präsentiert wurde = die Zuschauer vor dem Bildschirm gefangen gehalten hat = Einschaltquote. Formale Fragen haben Vorrang vor Inhalten, Quote statt Relevanz. Schon bei der Themenwahl ist der Aspekt „wie kann man das den in Bilder umsetzen?“ nicht selten das letzte Kriterium. Das mag auch erklären, warum so viele Naturkatastrophen und immer weniger Steuerdebatten zu sehen sind. Ich weiß aus eigenem Erleben, dass manch eine Geschichte, deren politische Bedeutung unumstritten war, schließlich daran gestorben ist, dass sie sich nicht attraktiv genug bebildern ließ.
Kurz: formale Kriterien haben Vorrang gegenüber inhaltlichen Kriterien.
Der Quotendruck gibt dabei einen wichtigen Schub, ist aber nicht die alleinige Ursache. Es ist eine neue Generation von Entscheidungsträgern in den Sendern herangewachsen, die inhaltliche Relevanz nicht mehr unbedingt für die oberste Priorität eines journalistischen Programms halten.
Inzwischen ist dieser Prozess so weit fortgeschritten, dass inhaltliche Kriterien fast schon keine Rolle mehr zu spielen scheinen. Gesendet wird nicht mehr unbedingt was wichtig ist, sondern das, was gut aussieht.
Ein Blick auf die Länder, für die ich mich interessiere.
Im Irak sind in diesem Sommer Lizenzen an Ölkonzerne vergeben worden, wobei amerikanischen Konzernen eindeutig der Vorrang eingeräumt wurde. Die irakische Regierung und die USA befinden sich in einem zähen Ringen um einen Termin für den Abzug der US Truppen. Beides kommt in ZDF wie ARD so gut wie nicht vor.
Pakistan, ein Land, das anders als der Iran bereits eine Atombombe besitzt, bewegt sich immer mehr auf den Abgrund zu. Die Zahl der Taliban wächst. Sie kontrollieren nicht nur ganze Regionen innerhalb der Stammesgebiete (FATA), die als Rückzugsgebiete für den Kampf in Afghanistan genutzt werden, sondern starten von dort auch zunehmend Operationen gegen die Regierung in Islamabad. Die pakistanische Wirtschaft ist kopfüber in die Krise gestürzt und die neue Regierung hat rasant das Vertrauen der Bevölkerung verloren. Für ZDF und ARD kaum berichtenswert.
In Afghanistan hat sich nicht nur die Sicherheitssituation weiter verschlechtert, sondern eine Diskussion darüber hat begonnen, ob der Krieg dort überhaupt zu gewinnen ist. Erste Begegnungen zwischen Vertretern der Karzai Regierung und Vertretern der Aufständischen haben statt gefunden, um über die Möglichkeit eines politischen Kompromisses zu reden. Gleichzeitig findet ein Wettlauf gegen die Zeit statt, um Hunderttausende Afghanen vor einer Hungersnot im bald beginnenden Winter zu retten. Für ZDF und ARD kaum ein Thema.
Niemand scheint es bei den Öffentlich-Rechtlichen auch mal für die Mühe Wert zu halten, mal einen genaueren Blick darauf zu werfen, warum es mit dem Wiederaufbau in Afghanistan so schwierig ist. Wie sehen eigentlich genau die zivilen Aufbauprojekte aus, die in deutscher Regie gebaut wurden?
Der Iran sieht sich mit dem fallenden Rohölpreis mit einer Wirtschaftskrise eigener Art konfrontiert und agitiert heftigst in der OPEC für eine Drosselung der Produktion, um den Preisverfall aufzuhalten. In deutschem Interesse ist das sicher nicht.
All diese Themen werden ignoriert. Die gängige Begründung lautet: Zuschauer sind an Auslandsthemen nicht so sehr interessiert. Einschaltquote triumphiert über Relevanz. Ob die These wirklich stimmt, kann nicht seriös überprüft werden, da die Zuschauer ja kaum eine Wahl haben. Wie sollen sie über etwas entscheiden, von dem sie nichts wissen?
Zweite Begründung: so viele Themen, so wenig Platz. Platz ist immerhin heute auf tagesschau.de für eine Geschichte über die Propagandamethoden der Taliban. Es handelt sich dabei um einen stark verwässerten Aufguss einer Studie, die die International Crisis Group bereits vor ein paar Wochen veröffentlich hat.
Warum soll man sich das anschauen, wenn man sich anderswo längst besser informieren konnte?
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17. October 2008 - 13:41

Nachdem die Notwendigkeit, mit den Taliban ins Gespräch zu kommen, wieder allseits im Gespräch und sogar von ernsthaften Kontakten die Rede ist, wird es an der Zeit, die Taliban ein wenig näher kennen zu lernen.
Nun, jeder weiß, dass „Taliban“ nur ein sehr allgemeiner Sammelbegriff für unterschiedlichste Gruppierungen ist. Es gibt die religiös motivierten oder die eher nationalistisch orientierten Taliban, es die Taliban aus Afghanistan oder die Taliban aus Pakistan, es gibt die Gruppe um Haqqin und es gibt die immer noch von Mullah Omar geführten Taliban. Es gibt noch andere Gruppen, die verkürzend ebenfalls den „Taliban“ zugerechnet werden: Hekmatyar’s Hezb-e-Islami, regionale Gruppen und auch einfache Kriminelle, die sich des Namens Taliban bedienen.
Es gibt inzwischen einige Literatur zu diesen Gruppen, aber das sind meist recht akademische Abhandlungen. So richtig mal mit ihnen ein Wort gewechselt oder gar mal die Gebiete, die unter Taliban-Kontrolle stehen, besucht hat bislang kaum jemand. Oder hat zumindest nicht darüber geschrieben.
Nir Rosen hat. Rosen besitzt eine Neigung, sich mit Gesellen herum zu treiben, zu denen andere lieber einen möglichst großen Sicherheitsabstand halten. Im Libanon waren es Hisbollah-Kämpfer, im Irak Mitglieder sunnitischer Gruppierungen, die gegen die US Army kämpften. Nun die Taliban in Afghanistan.
In der jüngsten Ausgabe des Rolling Stone (ja, es gibt ihn noch, wenn auch ein wenig geschrumpft) berichtet er von einem Ausflug in Taliban Territorium, genauer in die Provinz Ghazni, die inzwischen weitgehend von den Aufständischen kontrolliert wird.
Das Unternehmen ist nicht ganz so gelaufen, wie er es eigentlich geplant zu haben. Statt embedded mit den Taliban zu Scharmützeln mit ISAF-Truppen oder der Afghanischen Armee loszuziehen, geriet er in die Fänge eines lokalen Kommandanten, der ihn erst nach gründlichem Überlegen, ob ein toter oder ein lebendiger Journalist ihm mehr bringen wird, wieder laufen liess.
Der Artikel ist kein Grundlagenwerk, das in Zukunft von niemandem mehr ignoriert werden kann, der über die Taliban schreibt, aber lesenswert. So registriert Rosen, dass zumindest all die Taliban, auf die er getroffen ist, keine Probleme damit haben, dass Mädchen zur Schule und Frauen zur Arbeit gehen. Einer seiner Begleiter vergnügte sich sogar am Abend mit iranischem Pop-TV aus Los Angeles. Die Taliban hätten begriffen, so Rosen, dass sie sich mit ihrem moralischen Rigorismus nur unbeliebt machen würden und ließen die Zügel locker.
Die Geschichte endet in stark pessimistischen Tönen.
Der Krieg gegen die Taliban ist nach Rosens Meinung so gut wie verloren und auch eine Truppenaufstockung könne das Blatt nicht mehr wenden.
“More troops are not the answer,” a senior United Nations official in Kabul tells me. “You will not make more babies by having many guys screw the same woman.”
Selbst der Versuch, die Bevölkerung mit dem Bau von Brunnen und Brücken für die Regierung in Kabul zu gewinnen, verfange nicht mehr.
The Bush administration believes it can stop the Taliban by throwing money into clinics and schools. But even humanitarian officials scoff at the idea. “If you gave jobs to the Viet Cong, would they stop fighting?” asks one. “Two years ago you could build a road or a bridge in a village and say, ‘Please don’t let the Taliban come in.’ But now you’ve reached the stage where the hearts-and-minds business doesn’t work.”
Der einzige Ausweg: mit den Taliban über eine politische Lösung verhandeln.
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16. October 2008 - 09:42
In Irans Gefängnissen sitzen rund 130 Verurteilte in Todeszellen, die zum Zeitpunkt ihrer Tat jünger als 18 Jahre waren. Sechs jugendliche Verurteilte wurden in diesem Jahr bereits hingerichtet, nachdem sie 18 Jahre alt geworden waren.
Nun gibt es den ersten Hoffnungsschimmer (!!), dass keine weiteren derartigen Hinrichtungen mehr vorgenommen werden.
Der stellvertretende Generalstaatsanwalt des Irans, Hussein Zebhi, gab gestern eine neue Anordnung an die Richter bekannt, nach der Todesurteile für jugendliche Straftäter in lebenslange Freiheitsstaaten und unter besonderen Umständen in 15 Jahre Gefängnis umgewandelt werden sollen.
Das klingt schon mal erfreulich, aber die Ankündigung hat eine ganze Reihe von Haken.
Zum einen ist nicht klar, für welche Art von Urteilen diese neue Verordnung gelten soll. Es werden zum einen Todesurteile nach dem regulären Strafgesetzbuch aber auch Urteil nach dem qisas verhängt. Qisas ist ein Kodex, der sich nach dem Prinzip der Vergeltung („Auge um Auge“) richtet. Nach herrschender Auffassung können qisas Urteile nicht von einem Richter reduziert werden, sondern allein die Angehörigen des Opfers können (nach Zahlung eines Blutgeldes) können dem Täter vergeben.
Zebhi sprach zwar von einer Umwandlung „egal um was für eine Art von Verbrechen es sich handelt“, aber bevor der Text der Verfügung nicht öffentlich ist, bleibt die Frage noch offen.
Zum zweiten ist die Todesstrafe für Minderjährige immer noch in den Strafgesetzbüchern enthalten. Erst wenn diese Passagen umgeschrieben werden, besteht auch Rechtssicherheit.
In der Vergangenheit ist es immer wieder vorgekommen, dass sich einzelne Richter über die Anordnungen der Justiz hinweg gesetzt und beispielsweise mit dem Hinweis auf bestehendes Gesetz Steinigungsurteile verhängt haben.
Drittens gab es schon mal eine ähnliche Verordnung im Jahr 2004, die von den Richtern aber nahezu ignoriert worden ist und nur zur Folge hatte, dass mit der Vollstreckung des Todesurteils gewartet wird, bis der Verurteilte das 18. Lebensjahr erreicht hat.
Aber: es tut sich was.
Dass sich etwas tut, ist mit Sicherheit ein Erfolg der Rechtsanwälte und Aktivisten, die sich in zähen Auseinandersetzungen immer wieder für die Aufhebung solcher Urteile eingesetzt haben.
Die internationalen Proteste gegen die Hinrichtungen von Minderjährigen dürften sicher auch nicht unbeachtet geblieben sein.
Nachtrag 20. Oktober 2008: Einen kleinen Radiobeitrag mit O-Tönen der Rechtsanwältin Nasrin Sotoudeh gibt es hier.
Nachtrag 21. Oktober 2008: Zehbi hat seine Erklärung inzwischen eingeschränkt. In einem Interview mit der Zeitung Etemad Melli sagte er gestern, Betrafungen nach dem Codex der Vergeltung (qisas) seinen keine staatlichen Strafen, sondern Strafen nach islamischem Recht (Sharia). Deshalb könne die Justiz diese Urteile nicht umwandeln, sondern allenfalls die Hinrichtungen hinauszögern, um die Familien der Opfern dazu zu bewegen, ein Blutgeld zu akzeptieren.
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