Ach so!

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die jüngst mit einem zweifelhaften Beitrag zum Thema „Iran und der Antisemitismus“ auf sich aufmerksam gemacht hat, hat seit heute auf ihrer Webseite auch ein Dossier zu Afghanistan. Manche Dinge benötigen halt ein wenig länger.
Auf dieser Webseite ist folgende Bildunterschrift zu lesen:
Die Anschläge auf die ISAF haben zur Folge, dass Soldaten auf Distanz zur Zivilbevölkerung gehen, um diese nicht zu gefährden.
Der Autor dieser Zeile muss einen ausgeprägten Sinn für schwarzen Humor haben.
Denkt man den Satz zu Ende, dann sollten vielleicht die ISAF-Soldaten völlig aus Afghanistan verschwinden, um die Zivilbevölkerung nicht zu gefährden.
Zudem entspricht es eher der Wirklichkeit, dass die Bundeswehr ihren Soldaten von Anfang ihrer Mission an strenge Zügel angelegt hat, nur unter genau festgelegten und stark abgesicherten Bedingungen Kontakte mit der „Zivilbevölkerung“ zu pflegen, um sich selbst nicht zu gefährden. Ein Großteil der dort eingesetzten Soldaten verlässt während seiner gesamten Einsatzzeit nicht das Lager und wird von Afghanistan nicht mehr sehen als die kurzen Eindrücke auf der Fahrt vom und zum Flughafen.
Der Satz stammt aus dem nebenstehenden Artikel von Babak Khalatbari, dem Leiter des Büros der Konrad Adenauer Stiftung in Kabul. Der Text wurde bereits im letzten Jahr vor der Debatte im Bundestag zur Verlängerung der Mandate für die deutsche Beteiligung an Operation Enduring Freedom, an ISAF sowie die Entsendung der Tornado Aufklärungsflugzeuge geschrieben.
Über Stock und Stein stolpernd argumentiert Khalatbari für eine Verlängerung der Mandate, warnt vor „politischem Flurschaden“ und „Vertrauensverlust bei den Bündnispartnern“ und identifiziert die dringende Notwendigkeit, „das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Modernität anzugehen“. Halbgedachtes wird mit Unausgegorenem zusammengeflickt und als eine Analyse von „Afghanistan unter dem Terror der Taliban“ angeboten.
Erstaunlich, was eine doch ganz reputierliche politische Stiftung sich da für einen Bürovorsteher hält.
Erschreckend der Gedanke, dass solch Ungares in die politische Entscheidungsfindung in Deutschland mit eingehen könnte – oder Dank bpb nun als Hilfestellung für die „politische Bildung“ verbreitet wird.
gepostet am 15. October 2008 um 11:58 von unter Afghanistan, Deutschland. Alle Kommentare können über den RSS 2.0 feed verfolgt werden.
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