Angst vor der Niederlage

9. August 2008 - 21:51

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Der iranische Schwimmer Mohammad Alirezaei tauchte heute bei seinem Wettbewerb über 100 Meter Brust bei den olympischen Spielen in Peking nicht auf. Bahn 1 blieb leer.

Kann passieren und ist für den Athleten, der sich seit Jahren auf das Ereignis vorbereitet hat, sicher schmerzhaft. Nur: es gab keine offizielle Erklärung, warum Alirezeai nicht teilnahm, und: auf Bahn 7 startete Tom Beeri, ein israelischer Schwimmer.

Unter Druck der politischen Führung treten iranische Sportler gewöhnlich nicht gegen Israelis an, weil Teheran die „zionistische Einheit“ nicht anerkennt. Die Logik ist nicht ganz einfach nachzuvollziehen. Wenn der Iran den Staat Israel nicht anerkennen will, ist dies bedauerlich genug. Die iranische Seite mag ihren politischem Überlegungen genüge tun, indem sie keine direkten Wettbewerbe mit israelischen Sportverbänden vereinbart. Aber warum bei internationalen Veranstaltungen wie der Olympiade? Das Iranische Nationale Olympische Komitee (INOC) hat sich entschlossen, an den Spielen teilzunehmen, obwohl es wusste, dass auch Israel Mitglied des IOC ist. Ahmadinejad spricht ja auch vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen, obwohl Israel Mitglied der UN ist.

Bei den letzten Spiel in Athen trat der Judoka Arash Miresmaeili nicht gegen Ehud Vaks an und schied damit aus. Das iranische olympische Komitee zahlte ihm dennoch die 5.000 US Dollar, die jedem iranischen Medaillengewinner versprochen waren.

Bei diesen Spielen hatte man angekündigt, die selbst auferlegten Beschränkungen ein wenig lockerer zu nehmen. Ein INOC Vertreter hatte erklärt, Alizeraei könne schwimmen, weil es sich ja um keinen direkten Wettbewerb handele. „Alirezaei schwimmt in Bahn 1 und der Vertreter des zionistischen Regimes in Bahn 7. Sie werden sich also nicht gegenüber treten.“ so INOC Sekretär Ali Kafashian.

Im Kern geht es also darum, dass ein Iraner und ein Israeli keinen direkten persönlichen Kontakt miteinander haben dürfen. Ein Handschlag könnte die Anerkennung des „zionistischen Regimes“ bedeuten.

Dennoch startete Alirezaei nicht.

Erklärbar ist das eigentlich nur damit, dass die iranischen Anti-Zionisten weniger Angst vor der indirekten Anerkennung Israelis via eines Schwimmwettkampfes haben, sondern sie wollen sich nicht in einem offenen Vergleich messen. Wie sähe es aus, wenn ein Iraner nicht einmal so schnell schwimmen kann wie ein Israeli?

Die militärische Stärke Israels ist allenthalben ein Trauma für die Nichtanerkennungsfraktion. Und dann auch noch eine Niederlage über 100 Meter Brustschwimmen!

Nachtrag: nach Angaben eines Sprechers des iranischen Schwimmverbandes erlitt Alirezaei 30 Minuten vor dem Start starke Unterleibsschmerzen und sei mit einer Blindarmentzündung diagnostiziert worden.  Die Verantwortlichen der olympischen Spiele seien umgehend informiert worden