Blockiert

18. May 2008 - 20:09

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Vielleicht mal wieder nachschauen, wie es mit der iranischen Frauenbewegung steht? Beispielsweise im Internet auf der Webseite Meydaan-e Zanan (Domäne der Frauen) oder bei Kanoon Zanan Irani (Iranisches Frauenzentrum) oder bei Change4Equality vorbeischauen, das die One-Million-Signature“-Kampagne unterstützt?

Gut, wenn Sie dann nicht im Iran wohnen. Am letzten Samstag sind diese und noch eine Reihe weiterer Seiten, die sich mit Frauenfragen sowie Menschenrechte beschäftigen, vom Ministerium für Kultur und islamische Anleitung blockiert worden. Darunter sollen auch Seiten sein, die sich im Ausland (darunter auch Deutschland) befinden.

Nicht alle Menschen sind gleich

17. May 2008 - 13:06

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Nach offiziellen Angaben beträgt die Zahl der Toten des Erdbebens in China bislang knapp 29000. 14000 Menschen werden noch vermisst.

Ein Deutscher hat das Erdbeben überlebt.

Der Deutsche ist die Schlagzeile.

PS: Die ursprüngliche Meldung, er sei aus Trümmern gerettet worden, stellte sich später als falsch heraus. Er hatte sich nur im Erdbebengebiet aufgehalten, ohne dass er selbst körperlich zu Schaden gekommen ist.

Preise

10. May 2008 - 16:57

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Rückkehr in der vergangenen Nacht nach Teheran.

Gesprächsthema mit dem Taxifahrer: Reis. Der Preis für ein Kilo habe sich in den letzten zwei Wochen verdoppelt. Schlimmer noch. Es gebe so gut wie keinen Reis zu kaufen, weil viele Menschen versucht hätten, sich noch rechtzeitig ausreichend mit dem billigeren Reis einzudecken.

Heute morgen telefonierte Z mit ihrer Mutter. Gesprächsthema: es sei besser, so der Rat meiner Schwiegermutter, im Moment keinen Reis zu kaufen. Sie habe im Radio gehört, die Regierung werde in den kommenden Tagen größere Mengen importieren, die dann zum alten Preis angeboten werden sollen.

Einkaufen, um den leeren Kühlschrank wieder aufzufüllen. Das Reisregal ist bis auf drei geplatzte Säcke leer. Der Käse, Tabrizi, kostet das Doppelte. Der Besitzer des kleinen Supermarkts, bei dem wir unsere eiligen Einkäufe erledigen, schüttelt sein halbkahles Haupt und stöhnt mit rollendem „r“: „It is crrrazy! Crrrrazy!“

N kommt auf einen Tee vorbei. Ihre Schreckensnachricht: auf den Parties werde kaum noch Bier angeboten. Der Preis sei für eine Packung Heineken mit 20 Dosen auf 140 Dollar gestiegen.

140 Dollar????

Das kommt davon

7. May 2008 - 13:12

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(Wieder-) Gelesen: Rados

5. May 2008 - 10:42

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Antonia Rados war bis vor kurzem Korrespondentin bei RTL und hat für den Sender u.a. aus dem Iran berichtet. Bis zum letzten Jahr hatte sie sogar eine permanente Akkreditierung, die es ihr ermöglichte, im Land zu leben, ihr aber im letzten Jahr aus unbekannten Gründen entzogen wurde.

Obwohl wir in dem selben Land arbeiteten, habe ich Rados nur ein einziges Mal getroffen. Wir liefen uns bei einer Pressekonferenz einer abtrünnigen Ahamdinejad-Fraktion im Parlamentsgebäude über den Weg und ich habe sie anfangs nicht einmal erkannt. Ich gucke wenig Fernsehen und dann in der Regel nicht RTL. So kenne ich auch keinen einzigen ihrer Berichte aus dem Krieg im Irak, für die sie zwei renommierte Preise bekommen hat.

Um so gespannter war ich auf ihr Iran Buch Zwei Atombomben dankend erhalten, das bereits im letzten Jahr erschienen ist (manchmal benötigen Bücher ihre Zeit, bis sie ihren Weg nach Teheran finden).

Um es vorweg zu sagen: ich habe selten ein solch schlechtes Buch über den Iran gelesen.

Die Geschichte, wie eine deutsche TV Reporterin über fast 300 Seiten hinweg mit den Bekleidungsvorschriften des Irans kämpft, ist kein Buch, das sonderlich informativ ist, noch ein Buch, das ich gern lese.

Bis circa Seite 70 geht es eigentlich um nichts anderes als um Antonia Rados und ihr widerspenstiges Koptuch und die Schwierigkeiten, die daraus entstehen. Ich hatte eigentlich gedacht, dass eine erfahrene Reporterin den Trick recht schnell heraus hat.

Das Kopftuch ist wieder einmal ein Symbol, Ausdruck der Repressionen im Iran – vor allem gegen Frauen. Kein Zweifel. Die Bekleidungsvorschriften spiegeln wieder, welche  Rolle von offizieller Seite den Frauen in der iranischen Gesellschaft zugeschrieben wird, aber es ist nur ein Aspekt und dazu ein recht oberflächlicher. Interessanter wäre es sicher, mehr über die alltäglichen Lebensbedingungen der Frauen zu erfahren, das Familienrecht des Irans oder die Frauenrechtlerinnen, die nicht selten mit erheblichem persönlichen Risiko für eine Verbesserung eintreten. Nichts davon kommt in dem Buch vor.

Die einzige andere Frau, die man kennenlernt, ist Shala, die Freundin der Autorin. Shala ist eine der widersprüchlichen, sich am Rande der Depression bewegenden Frauen, die man nicht selten im Iran trifft. Sie taucht in dem Buch aber weniger als eine eigenständige Person aus Fleisch und Blut, sondern mehr als Reflexionsfläche für all die Probleme  und Beschränkungen auf, die nach Rados Auffassung Frauen im Iran bedrängen: Bekleidungsvorschriften, mangelnde Jobperspektiven und Männergeschichten.

Verständlich, dass die Autorin, den gesamten Iran als ein niederträchtiges System zur Unterdrückung von Frauen und von westlichen TV Journalisten empfindet, aber gelegentlich erscheint die Angst, bestraft oder drangsaliert zu werden, in ihrem Kopf weit stärker ausgeprägt als sie in Wirklichkeit ist. Frauen im Iran sind durchaus selbstbewusst und verstehen es, für ihre Belange einzustehen. Nichts beleidigt sie mehr, als ständig als hilflose Opfer dargestellt zu werden. Und ja, Journalisten müssen einen zähen Kampf mit Vorschriften und undurchsichtigen Regularien führen. Nicht alles ist politisch, sondern oft nur die Arbeitsweise eine byzantinischen Bürokratie, wie man sie nicht nur im Iran findet. Da, wo es politisch wird, sind wir westlichen Journalisten weit privilegierter als die einheimischen Kolleginnen und Kollegen, die Gefängnis und Berufsverbot riskieren. Man muss sich selbst nicht immer so furchtbar ernst nehmen, nur weil man gelegentlich mal im Fernsehen auftaucht.

Zudem: warum legt sie ihre gedrehten Kassetten vor ihrer Ausreise bei den Offiziellen vor? Habe ich noch nie gemacht.

Diese einheimischen Kolleginnen und Kollegen tauchen aber ebenso wenig in diesem Buch auf wie die wirtschaftliche Situation, die für die Mittel- wie Unterschicht immer bedrückender wird, die wachsenden Einkommensunterschiede, Korruption und Misswirtschaft, die tief verwurzelten religiösen Traditionen, die oft im Konflikt zur offiziellen Staatsregion stehen, das komplizierte und vielschichtige System, mit dem Macht in diesem Land ausgeübt und geteilt wird, die reichhaltige Kultur, das erschreckende Justizsystem, die Abwanderung der der Intelligenz – um nur ein paar der Facetten zu nennen, die alle zum Iran gehören.

Zum heiss diskutierten Thema Atompolitik weiss Rados nicht vielmehr zu berichten als dass jeder Taxifahrer zu wissen glaubt, die Mullahs basteln an einer Bombe. Na, wenn das so einfach wäre.

Geschrieben ist das Buch zudem in einem Stil, der selten einen klaren Gedanken ausformuliert, sondern die wenigen, sparsamen Beobachtungen in verstümmelten Sätzen immer wieder umkreist.

Rund fünfzehn Mal ist Antonia Rados nach eigenen Angaben in den Iran gereist und hat zusammengezählt wohl mehrere Monate dort verbracht. Nimmt man dieses Buch zum Massstab, hat sie in all der Zeit eigentlich wenig gesehen.