Chris de Burgh

080528_deburgh.jpg

Ellbogen fliegen. Es wird geschubst und gedrängelt.

Pressekonferenz heute in Teheran mit Chris de Burgh, irischer Popsänger, dessen Sternchen im Iran immer noch leuchtet.

Die iranischen Kollegen sind gekommen, um ein wenig vom Glanz dieses Sternchens zu erhaschen. Seine zahnschmelzenden Songs sind seit den 80er Jahren im Lande populär und de Burgh gehört neben den Gypsy Kings und Queen (!?!) zu den wenigen ausländischen Popsängern, deren CDs offiziell vertrieben werden dürfen.

„Ich mag seine Songs, vor allem wegen der Texte“, bekennt Kamran, der neben mir an der Wand gepresst ist, um den fliegenden Ellbogen zu entgehen.

Die anderen Kollegen kamen, um sich mit eigenen Augen zu versichern, dass de Burgh tatsächlich entgegen aller Erwartungen doch noch am Leben ist. Ich zumindest.

Natürlich ist das Auftauchen eines westlichen Musikers in Teheran ein Politikum. Westlicher Pop ist verpönt und steht in dem Verdacht, Moral und Anstand zu untergraben. Im Radio werden weichgespülte Fassungen von allemal schon butterweichen Songs gespielt. James Last hätte hier eine Vollzeitstelle haben können.

Unter solchen Vorzeichen ist Chris de Burgh wenn nicht ein Revoluzzer dann doch ein Rebell. Zumindest die Idee davon.

Falsch. „Ich bin ein Humanist“, sagt der Burgh und während ich noch darüber nachsinne, ob Humanismus im Iran nicht doch von Natur aus rebellisch ist oder sein muss, fügt er hinzu: „Ich bin nicht politisch naiv. Ich glaube nicht alles, was in den Medien zu lesen ist“.

Man sollte nie glauben, was alles in den Medien zu lesen ist, aber obwohl er offen lässt, was er beispielsweise nicht glaubt, zielt der Satz auf Punktegewinn bei den einheimischen Machthabern. „Ich weiß, dass Alkohol und solche Sachen verboten sind, aber das ist für mich kein Problem.“

De Burgh möchte gern im Iran auftreten. „Ein Kindheitstraum“ (erstaunlich, wovon Menschen in ihrer Kindheit alles träumen). Die Pressekonferenz wurde einberufen, um Fakten zu schaffen. Nun ist er schon mal da, warum soll er dann nicht auch singen? Dass sie überhaupt stattfinden kann, ist schon ein Zeichen dafür, dass die Veranstalter sich der Rückendeckung sicher sein können.

„Ich verspreche Ihnen, dass Mr. de Burgh im Iran in Konzerten auftreten wird.“ Signalisiert Mohsen Rajabpour. Er ist der Manager der iranischen Band Arian, Schwarm junger Mädchen (die Band!) und Produzenten von vier Alben, in denen lauwarme Musik und pubertäre Liebeslyrik zu einem faden Gebräu verschmelzen. Immerhin, sie haben die Formel gefunden, mit der man im Iran eine Imitation von Popmusik präsentieren kann: adrett und freundlich, westlich aber nicht unislamisch, Privatleben bleibt privat und konsequent zu allem schweigen, was irgendwie kontrovers sein oder werden könnte. Sie werden wohl mit Chris de Burgh zusammen auftreten, wenn es zu den Konzerten (wahrscheinlich im Oktober oder November) kommen sollte.

Ordnungsruf an mich selbst: man muss die Musik von de Burgh ja nicht mögen. Wichtiger ist, dass das Tabu westlicher Popmusik im Iran gebrochen wird. Der Ire wäre der erste. Wer weiß, wer danach noch kommt?

Einen Titel haben die geplante Konzerte noch nicht. Mein Vorschlag: The Road to Freedom (siehe oben).

Naaa … just kiddin‘.

Kommentare

Es ist kein Kommentar vorhanden. Kommentar hinzufügen!

Kommentar schreiben

Alle mit * gekennzeichneten Felder sind erforderlich. Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.