Satrapi / Schleier

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Da man offensichtlich immer noch kein Gespräch mit einer Frau aus dem Mittleren Osten führen kann, ohne die Frage zu stellen „Und wie halten Sie es denn mit dem Schleier?“ , konnte sich auch Susanne Meyer in ihrem ansonsten sehr sympathischen Interview mit Marjane Satrapi in der heutigen ZEIT das Thema nicht verkneifen.

ZEIT: Sie mussten damals den Schleier tragen.

Satrapi: Ich hasste den Schleier, weil er mir aufgezwungen wurde.

ZEIT: Im Westen gibt es eine Bewegung, den Schleier zu verbieten, das müsste Sie erfreuen?

Satrapi: Wenn Sie gezwungen werden, den Schleier zu tragen, fühlen Sie sich unterdrückt. Aber weil ich dieses Gefühl kenne, kann ich niemandem sagen: Nimm den Schleier ab. Ich möchte keinem meine Ansicht aufzwingen. Ich weiß doch gar nicht, was im Kopf einer religiösen Person unter dem Schleier vorgeht. Deshalb kann ich auch nicht sagen, ob es gut oder schlecht ist.

ZEIT: Wenn Ihnen eine verschleierte Frau entgegentritt, was empfinden Sie?

Satrapi: Ich erwäge die Möglichkeit, dass sie den Schleier tragen möchte. Es gibt eine unendliche Anzahl von Gründen, sich zu verschleiern. Einige Frauen sind sehr gläubig, andere vielleicht nur auf dem Weg zum Gebet. Gehen Sie nach Sizilien, auch da sehen sie Frauen mit Kopftuch, nichtmuslimische Frauen. Solange eine Frau unter ihrem Schleier mich nicht feindselig betrachtet, weil ich keinen trage, kann sie doch tun, was sie will. Ich meine, wir weltlich orientierten Leute sollten uns nicht fundamentalistisch gebärden.

ZEIT: Es beunruhigt Sie nicht, dass an unseren Universitäten verschleierte Frauen auftauchen?

Satrapi: Eine Freundin unterrichtet Religion an der Universität in Paris. Im ersten Studienjahr, erzählt sie, tragen acht von zehn Studentinnen einen Schleier. Im zweiten Jahr noch sechs. Wenn sie ihre Master machen, tragen acht von zehn keinen Schleier. Gib ihnen Zeit. Es liegt an uns, in Geduld und Gefühlen pragmatisch zu sein.

Kein schlechter Ratschlag, und während wir uns ein wenig in Geduld über können wir uns vielleicht ein anderen Frage zuwenden.

ZEIT: In Iran sind 60 Prozent der Studenten weiblich. Warum sind so wenig Männer an der Uni?

Satrapi: Sie sind damit beschäftigt, auf ihre Männlichkeit stolz zu sein.

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