Die andere Revolution

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H und ich müssen anderthalb Stunden warten. Wir verbringen die Zeit unter strahlend blauem Himmel in einem Biergarten in Berlin Mitte.

H ist 24 und das erste Mal in Berlin. Sie schaut sich die Stadt an, wobei ihr besonderes Interesse den Diskotheken und Nachtclubs gilt. Den Tag über versucht sie aber sehr diszipliniert, Kontakte zu knüpfen, die ihr vielleicht beruflich weiterhelfen können. Im Hinterkopf trägt sie sich sogar mit dem Gedanken, von Teheran nach Berlin zu ziehen, um hier zu studieren.

Wir bestellen beide ein Bier und ich empfehle H, die gern alles kennen lernen möchte, was „typisch Deutsch“ ist, eine Bulette mit Kartoffelsalat zu essen.

Wir sprechen über gemeinsame Bekannte in Teheran. Als ich A erwähne, fährt sie auf. Er sei, pardon, ein „Arschloch“. Sie sei 19 gewesen als sie ihn kennen gelernt habe, noch unerfahren. A war damals 23 oder 24 und die Beziehung nach kurzer Zeit wieder abgebrochen. Bis heute zeige er aber Fotos von ihr herum, die äußerst privat seien und die man erst recht nicht im Iran herumzeigen würde.

Ich frage nicht, um welche Art von „privaten“ Fotos es sich handelt. Ich verstehe.

Auch A.s Nachfolger sei ein „Arschloch“ gewesen. Überhaupt würden iranische Männer Frauen grundsätzlich nur ausnutzen.

Solche eine Klage höre ich nicht das erste Mal, aber sie kommt doch ein wenig überraschend von einer jungen Frau, die keinen Hehl daraus macht, dass sie ihr blendendes Aussehen und ihr fließendes, charmantes Englisch dazu nutzt, sich Vorteile zu verschaffen.

Es folgen Fallbeispiele weiterer „Arschlöcher“, die irgendwann in H.s Leben aufgetaucht und dann sehr bald wieder verschwunden sind.

„Wir sind die erste Generation im Iran“, zieht H schließlich Bilanz, „die so etwas wie eine sexuelle Revolution erlebt. Wir haben Freiheiten wie niemand zuvor, aber niemand weiß, wie er damit umgehen soll.“

Hmmm, da könnte etwas dran sein.

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