Gesteinigt

Wie gestern Abend bekannt wurde, ist der 47jährige Jafar Kiani am vergangenen Donnerstag gesteinigt worden.
Kiani war vor mehr als 11 Jahren gemeinsam mit Mokarrameh Ebrahimi wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt worden. Die genauen Umstände des Falles sind nach wie vor nicht ganz klar. Der Anwältin von Ebrahimi, die vor acht Monaten das Mandat übernommen hatte, wird nach wie vor die Einsicht in die Akten sowie der Kontakt mit der Inhaftierten verwehrt.
Erzählt wird von Aktivisten, die sich um die Aufklärung dieses Falles bemühen, dass Ebrahimi mit einem Mann in Islam Abad verheiratet war, der sie misshandelte und zur Prostitution zwang. Kiani, der in Takistan wohnte, gewährte ihr Unterschlupf und Hilfe. Als der verlassene Ehemann nach vier Jahren davon Wind bekam, zeigte er seine Frau wegen Ehebruchs an. Richter Eshabi verurteilte darauf hin das Paar zum Tod durch Steinigung.
Ebrahimi hat aus ihrer Beziehung mit Kiani zwei Kinder, die mit ihr im Gefängnis leben.
Das Paar sollte am 21. Juli gesteinigt werden, aber nachdem das Vorhaben von Aktivisten öffentlich gemacht wurde, wurde die Hinrichtung wieder abgesetzt. Der Chef des iranischen Justizapparates, Ayatollah Mahmoud Shahroudi erklärte noch einmal, dass er bereits im Jahr 2002 eine Verfügung erlassen habe, wonach Steinigungen auf unbefristete Zeit ausgesetzt seien.
Niemand, den ich kenne, kann erklären, warum Richter Eshabi nach 11 Jahren plötzlich so versessen darauf ist, diese Hinrichtungen durchzuführen. Laut Vorschrift muss der Richter, der das Urteil gesprochen hat, nicht nur bei der Steinigung anwesend sein, sondern auch den ersten Stein werfen.
Die Order aus Teheran, das Vorhaben einzustellen, konnte ihn offensichtlich auch nicht stoppen. Die Justizbehörde in der Provinzhauptstadt Qazvin sowie in Takistan sollen ebenfalls Einspruch erhoben haben.
Deshalb wich Richter Eshabi in ein kleines Dorf in der Nähe von Takistan aus, stieß aber auf Ablehnung. Die Dorfbewohner weigerten sich, sich an dieser Grausamkeit zu beteiligen. Nach unbestätigten Gerüchten soll es dem Exekutionskommando auch in einem zweiten Dorf so ergangen sein, und als sich auch in Aghche-kand niemand beteiligen wollte, schritt Eshabi mit seinen mitgebrachten Polizisten dann selbst zur Tat. Nur zwei, drei Dorfbewohner sollen dabei gewesen sein.
Unbeantwortet ist bislang die Frage, warum niemand Eshabi stoppen konnte.
Unbeantwortet ist auch, was nun aus Ebrahimi wird. Wenn ein einzelner Richter ungestört sich auch zum Richter seines eigenen fragwürdigen Urteils machen kann, dann ist auch ihr Leben akut in Gefahr.
gepostet am 9. July 2007 um 08:46 von unter Iran. Alle Kommentare können über den RSS 2.0 feed verfolgt werden.
[…] Martin Ebbing schreibt in seinem blog über Steinigungen. Das erinnert mich an einen Ausschnitt einer Steinigung welche ich mal in der Rundschau gesehen habe. Ich hätte das nicht sehen wollen, aber es war dann zu spät. Das Geheul der Menschen war fürchterlich. Ermutigend finde ich trotzdem, dass sich scheinbar die Leute aus zwei Dörfern geweigert hatten, die Steinigung zu vollziehn. […]