Mehr tote Zivilisten als tote Taliban

Eine Meldung, die gestern in einigen Zeitungen zu lesen war:

KABUL, Afghanistan (AP) — U.S.-led coalition and NATO forces fighting insurgents in Afghanistan have killed at least 203 civilians so far this year — surpassing the 178 civilians killed in militant attacks, according to an Associated Press tally. (USA Today)

Es ist nicht einfach, die Zahl der Toten zu zählen, und noch schwieriger ist es, tote Taliban von toten Zivilisten zu unterscheiden.

Allgemein gilt, dass die Zahl der Toten in der Regel als zu niedrig angegeben wird. Kein Journalist, kein Mitglied einer NGO, kein Angehöriger der afghanischen Regierung und auch nur wenige Soldaten der NATO Truppen haben Zugang zu den von den Taliban kontrollierten Regionen. Das sind genau die Gebiete, in denen am heftigsten gekämpft wird.

Deshalb stimmen die Zahlen, die veröffentlicht werden, auch nicht immer überein.

ACBAR — the Agency Coordinating Body for Afghan Relief — has counted 230 civilians killed in U.S. and NATO operations, basing their figure on reports from the Afghan Independent Human Rights Commission, Afghan NGO Security Office and the U.N.

The number of civilians killed in militant attacks was approximately the same as those killed by foreign forces according to ACBAR’s latest figures from about a month ago, said Anja de Beer, director of ACBAR.

Die USA und ISAF/NATO geben an, sie besäßen keine Zahlen über die zivilen Toten – oder sie veröffentlichen sie nicht.

Wie auch immer man zählt: niemand kann mehr ernsthaft behaupten, die Tötung von unbeteiligten Zivilisten sei ein „Unfall“ oder ein „bedauerliche Ausnahme“.

Ebenso unglaubwürdig ist die Aussage geworden, die NATO sei in Afghanistan, um die Zivilbevölkerung zu schützen.

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