Steinigung

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Die Frauenbewegung im Iran mag durch die jüngsten Verhaftungen und durch die Schließung von NGOs einen Rückschlag erlitten haben, aber sie ist deshalb nicht verschwunden.

Gegen Mittag landete in meiner (und wahrscheinlich in Hunderten anderer) Mailbox ein Alarm. Überschrift:

A Man and a Woman Schedule To Be Stoned on Thursday, June 21

In der Kleinstadt Takestan, gut 150 Kilometer westlich von Teheran, war für morgen eine Steinigung einer Frau wie eines Mannes angesetzt worden. Beiden wurde gemeinsamer Ehebruch vorgeworfen, was nach islamischem Recht mit Steinigung bestraft werden kann.

Diese Strafe existiert im Iran immer noch, obwohl die Regierung in Tehran öffentlich erklärt hat, sie wolle diese brutale Art der Hinrichtung nicht mehr durchführen. Dennoch sprechen Richter immer mal wieder diese Strafe aus. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle, wird das Urteil nicht vollstreckt, wenn es öffentlich wird. Die Verurteilten bleiben aber in Haft.

Im letzten Jahr wurde bekannt, dass in Maschad eine heimliche Steinigung stattgefunden hat. Das junge Paar wurde von einer ausgesuchten Gruppe von Freiwilligen auf einem Friedhof zu Tode gepeinigt und dort auch sofort begraben. Die Idee der Steinigung besteht eigentlich darin, dass die „Gemeinde“ selbst Hand anlegt, um das „Böse“ aus ihren Reihen zu tilgen.

Ich habe bei der zuständigen Behörde sofort eine Reiseerlaubnis nach Takestan beantragt. Ausländische Journalisten sind gehalten, Reisen 24 Stunden vorab bei der Polizei zu melden. Ershad erteilte mir den Rat, diese Steinigung besser nicht drehen zu wollen, weil dies für mich sehr gefährlich werden könne. Dies war – ich kenne die Mitarbeiter dort nun schon seit mehr als drei Jahren – nicht als Drohung sondern als persönliche Sorge gemeint.

Am späten Nachmittag kam dann die Nachricht, das übergeordnete Gericht in Qazwin habe die Steinigung einstweilen gestoppt, die Polizei in Takestan setze die Vorbereitungen aber fort. Die beiden Löcher, in die die Verurteilten bis zur Hüfte gesteckt werden, seien schon gegraben, das Gelände selbst abgesperrt.

Hinzu gefügt war die Telefonnummer des Gerichts in der Provinzhauptsatdt Qazwin. Als ich dort anrief, nahm niemand den Hörer ab.

Im Iran gilt nicht unbedingt immer, dass ein Richter der Entscheidung eines übergeordneten Gerichts auch folgt. Es ist also nicht sicher, dass die Steinigung tatsächlich nicht stattfindet.

Sie war für morgen um 09:00 angesetzt.

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