Alan Johnston

Die BBC hatte zu einer Geburtstagsfeier eingeladen.

Alan Johnston, BBC Korrespondent in Gaza, hat heute seinen 45 Geburtstag, aber es gab wenig Grund zu feiern.

Johnston ist seit nun 66 Tage verschwunden. Er wurde auf dem Weg nach Hause von Unbekannten gekidnapped. Seither fehlt jede Spur. Nach fünf Wochen meldete sich eine bislang unbekannte Gruppe namens Tawhid und Jahid Brigaden mit der Behauptung, Johnston sei tot. Vertreter der palästinensischen Regierung dagegen versichern, er sei am Leben.

Es gab zahlreiche Appelle und Aufrufe an die Entführer, den Kollegen wieder freizulassen – von UN Generalsekretär Ban Ki-moon bis Tony Blair. Demonstrationen und Kundgebungen fanden statt – von London bis Peking.

Johnston wird immer noch gefangen gehalten.

Die Korrespondenten der ausländischen Medien waren heute gekommen, um durch Präsenz Solidarität zu zeigen. Die iranischen Kollegen waren auch eingeladen worden, aber niemand von den offiziellen und konservativen iranischen Medien war gekommen.

Es gab Kaffee und einen Kuchen mit einem großen Foto von Alan, aber die Stimmung war nicht unbedingt fröhlich. Frances, die BBC Kollegin hier in Teheran, schnitt den Kuchen an: „Bei uns ist es üblich, dass man sich etwas wünscht, wenn man einen Geburtstagskuchen anschneidet. Sie alle werden wissen, was ich mir wünsche.“

Gestern hatte ich eine längere Diskussion mit B darüber, ob Journalisten Waffen tragen sollen. B hat in der Vergangenheit öfter im Irak gearbeitet. Seiner Meinung ist es leichtsinnig, ohne eine eigene Waffe herumzulaufen. Niemand nimmt mehr darauf Rücksicht, dass Pressevertreter keine Partei in einem Konflikt sind und als neutral gelten sollten. Im Gegenteil. Journalisten sind begehrte Objekte für Kidnapper geworden. Mit einer eigenen Waffe habe man zumindest eine minimale Chance, aus einer brenzligen Situation heraus zu kommen.

Ich halte es für falsch, mit einer Pistole im Hosenbund seinen eigenen Kleinkrieg gegen mögliche Entführer führen zu wollen. Das würde auch noch den letzten Rest unserer Glaubwürdigkeit untergraben. Schließlich bin ich kein Söldner, sondern Journalist.

Aber B hat recht: nicht nur im Irak sondern beispielsweise auch in Afghanistan ist die Jagdsaison auf Journalisten eröffnet worden. Es ist inzwischen nicht nur naiv sondern ausgesprochen töricht zu glauben, der Presseausweis biete irgendeinen Schutz.

Ich merke, dass ich mit meinem Standpunkt ins Schwanken gerate.

Aber, mein Gott, ich glaube kaum, dass ich tatsächlich auch in der Lage wäre, den Abzug zu ziehen.

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