In meiner Mail
7. April 2007 - 10:11

Bild einer jungen Damen, von der ich sehr hoffe, dass wir mal gute Freunde werden.
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7. April 2007 - 10:11

Bild einer jungen Damen, von der ich sehr hoffe, dass wir mal gute Freunde werden.
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6. April 2007 - 19:06

Zwei Dinge fielen mir auf, als ich heute im Fernsehen die Pressekonferenz mit den freigelassenen britischen Marinesoldaten verfolgte:
Die Soldaten berichteten, wie sie festgenommen, später in ein Gefängnis nach Teheran gebracht wurden. Dort wurde jeder von ihnen in eine Einzelzelle gesperrt, um die fünfzehn voneinander zu isolieren. Sie mussten auf dem nackten Zementboden schlafen mit nur ein paar Decken als Unterlage.
Zu den regelmäßigen Verhören, die meist nachts stattfanden wurden ihnen die Augen, manchmal auch die Hände verbunden und sie mussten mit dem Gesicht zur Wand stehen.
Außergewöhnlich an diesen Schilderungen ist eigentlich nur, dass sie etwas beschreiben, was im Iran so außergewöhnlich nicht ist. Politische Gefangene werden einer ähnlichen Behandlung unterzogen, wobei die Isolationshaft – abgeschnitten von jedem Geräusch – mehrere Monate dauern kann.
Die „pyjamas“, von denen Lt Carman sprach, sind im übrigen die übliche Gefängniskleidung im Iran. Sie sind gestreift.
Zum zweiten schilderten die Soldaten, wie sie von ihren Wächtern reingelegt wurden, Video-Bilder abzuliefern, denen sie so nicht zugestimmt hätten. Da wurden sie nach mehreren Tagen Einzelhaft plötzlich in Trainingsanzüge gesteckt und in einen Gemeinschaftsraum geführt, wo Schachspiele und anderes aufgebaut waren. Die Stimmung war natürlich unter den Gefangenen ob des Zusammentreffens gelöst. Die Video-Kameras lagen schon in Lauerstellung.
Oder einer der Soldaten wurde aufgefordert, vor einer Seekarte die unterschiedlichen Standpunkte zu illustrieren, wo nun die Gefangennahme stattgefunden habe. Er begann seinen Satz mit „Die Iraner sagen, wir waren an dieser und dieser Stelle …“ In den Video-„Geständnissen“ war dann nur zu hören „Wir waren an dieser und dieser Stelle …“.
Das kommt mir sehr vertraut vor.
Ausländische Journalisten werden vom staatlichen Fernsehen und Radio gern um Stellungnahmen zu allerlei den Iran betreffenden Themen gebeten. Das hebt das internationale Renommee des Landes. Ich persönlich und alle ausländischen Kollegen, die ich kenne, lehnen dies ab, weil wir wissen, dass unsere Aussagen uns im Mund verdreht werden.
Jüngstes Beispiel: bei den Wahlen im Dezember wurde ich in einem Wahllokal von einem staatlichen Radioreporter gefragt, was ich denn als Ausländer von der iranischen Demokratie halten würde. Ich habe ihm freundlich erklärt, dass ich ihm leider keine Antwort geben könne. Auf der Fahrt nach Hause wurde ich im Radio mit dem Satz zitiert, die Wahlbeteiligung sehr erfreulich hoch.
Dies ist ein harmloses Beispiel, illustriert aber die Vorgehensweise.
Die staatlichen iranischen Medien reagierten übrigens auf die Pressekonferenz mit der Behauptung, die alles sei „inszeniert“ gewesen. Die Soldaten seien von ihren Vorgesetzten instruiert worden, was man schon daran erkennen könne, dass sie vom Blatt gelesen hätten.
Die Passagen der Pressekonferenz, in denen die Soldaten ganz ohne Blatt frei die Fragen der anwesenden Reporter beantworteten, wurden nicht gezeigt.
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2. April 2007 - 19:58

Lausiges Wetter. Es regnete, der Himmel war grau. Nicht unbedingt das Wetter für einen Spaziergang oder ein Picknick, zumal ich wegen der gefangenen britischen Soldaten alle Hände voll zu tun habe.
Zu dumm, denn Tod und Teufel werden mich das kommende Jahr verfolgen – wenn nicht gar noch Schlimmeres.
Heute ist nach dem iranischen Kalender der 13. Farvadin, der 13. des ersten Monats des Jahres. Jeder weiß, dass die Dreizehn eine Unglückszahl ist, selbst in einer islamischen Republik. Der erste Dreizehnte eines Jahres bringt aber besonderes Unglück, nämlich gleich für den Rest des ganzen Jahres.
Was kann man dagegen tun?
Ganz einfach. Man ist einfach nicht zu Hause. Dann kann einen das Unglück nicht erwischen. Deshalb ist es alter iranischer Brauch, am 13. Farvadin ins Freie zu gehen und ein kleines Picknick zu veranstalten. Listig.
Man kann noch mehr tun. Es gehört zum guten Brauch, zum Neujahrstag ein Sabzeh, ein aus Weizen- oder Linsenkeimlingen gezogenes Grasgesteck, anzuschaffen. Dies funktioniert dann wie ein Staubsauger und nimmt alle Krankheiten, allen Unbill und alles Unglück, das der Familien im kommenden Jahr ansonsten zustoßen würde, in sich auf. Am 13. Farvadin setzt man es dann einfach nach draußen und ist den ganzen Ärger los. Aber auf keinen Fall das Sabzeh des Nachbarn anfassen! Unglück ist ansteckend.
Natürlich hat all dies nichts mit dem Islam zu tun, weshalb die neue islamische Republik auch einiges daran gesetzt hat, diese „heidnischen Bräuche“ zu unterbinden, aber dann doch vor der Hartnäckig dieses Aberglaubens kapitulieren musste.
Wer es genauer wissen will: die Zwölf gilt seit alters her als eine heilige Zahl. Ein alter Glaube sagt, dass die materielle Welt 12.000 Jahre existieren würde. Am 12. Farvadin sollte dann schließlich auch der Weltuntergang stattfinden. Am 13. Farvadin kann man nicht nur sicher sein, dass das Ende der Welt in diesem Jahr noch nicht stattgefunden hat, sondern es ist auch eine Art Neuanfang. Raus mit dem Alten und frohgemuht für ein Jahr wieder in die Zukunft geblickt.
Es gibt noch eine Geschichte. Jeden Monat am 13. wurde in alten Zeiten die Göttin des Wassers und der Fruchtbarkeit, Anahita, um Regen gebeten. Am 13. Farvadin fand jedes Jahr eine besonders große Party statt, weil an diesem Tag Anahita ihren Gegenspieler, den namenlosen Teufel der Trockenheit, besiegen würde.
In diesem Jahr ist - wenn ich durch das Fenster schaue – der Sieg sehr triumphal ausgefallen. Es regnet immer noch.
Ein hartes Jahr liegt vor mir.
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- 01:06

Wenn es um die Berichterstattung um die Gefangennahme der 15 britischen Marineangehörigen geht, dann leisten wir Medien in der Summe keine allzu gute Arbeit. Ich will mich selbst davon nicht ausschließen.
Wenn man mit dem Iran ein ganz klein wenig vertraut ist, muss man schlicht staunen, was Kollegen und Kolleginnen über dieses Land alles so zu erzählen haben. Da wird immer wieder auf Präsident Ahmadinejad Bezug genommen, obwohl sich inzwischen eigentlich herumgesprochen haben sollte, dass er nicht das Zentrum der Macht in Teheran bildet. Da unterstehen einmal die Revolutionären Garden direkt dem Revolutionsführer und würden ohne seinen Befehl nicht einmal eine Mücke erschlagen, dann handeln sie auf der anderen Seite auf eigene Faust und versuchen immer mehr Macht an sich zu reißen. Mal haben „die Mullahs“ die Macht, dann doch wieder der Revolutionsführer, dann wiederum ist es „schwer zu durchschauen, wer das Sagen hat“.
Da es an einem soliden Grundwissen fehlt, machen die wildesten Spekulationen die Runde. Teheran habe den Zwischenfall provoziert, um im Atomkonflikt Stirn zu zeigen (als ob der Iran nicht mit einer Krise schon mehr als genug zu befürchten hätte); Teheran wollte militärische Stärke demonstrieren (und einen übermächtigen Gegner zu einer direkten Reaktion herausfordern?); die fünf Iraner, die von US Truppen im Irak festgenommen wurden, sollen freigepresst werden (sollte wirklich jemand in Teheran glauben, Blair könne Bush dazu bewegen, einer solchen Erpressung nachzugeben?) oder nahezu absurd: die Revolutionären Garden wollten mit diesem Schachzug innenpolitisch an Einfluss gewinnen (an einem Feiertag, wenn es kaum jemand mitbekommt?).
Kollegen in London, die nie einen Fuß in den Iran gesetzt haben, versuchen sich hilflos mit Analysen. Exilanten kommen als „Experten“ zu Wort, wobei wir spätestens seit dem Irak-Krieg wissen sollten, dass jemand, der das Land verlassen hat, nicht unbedingt ein distanzierter Beobachter ist. Obwohl unklar ist, wo sich die Boote der 15 gefangenen Briten nun genau befunden haben, sind immer öfter Ausdrücke wie „Kidnapping“ oder „Herausforderung“ zu hören. Da es oft an soliden Informationen fehlt, müssen Pseudoereignisse herhalten. Eine Demonstration von 200 Berufsextremisten vom äußerst rechten Rand vor der britischen Botschaft, bei der auch Rauchbomben und Steine geworfen wurden, wird zu einer Nachricht rund um die Welt.
Auffällig ist, was nicht oder nur am Rande erwähnt wird. Nur selten wird darauf hingewiesen, dass die USA erst jüngst einen zweiten Flugzeugträger in den Golf geschickt, einen Tag nach dem Vorfall ein groß angelegtes Manöver dort durchgeführt haben und seit Monaten sehr öffentlich in Washington wie in Tel Aviv über eine Militäraktionen gegen die iranischen Nuklearanlagen geredet wird. Vielleicht liegen ja bei den iranischen Patrouillen schlicht die Nerven blank? Kaum jemand fragt, ob die ersten Stellungnahmen aus London, in denen scharf protestiert und die sofortige, bedingungslose Freilassung der 15 Gefangenen gefordert wurde, sehr hilfreich waren. Hätte es nicht ein Schuldeingeständnis bedeutet, wenn Teheran diese Forderung erfüllt hätte?
Solch einseitige, fehlerhafte Berichterstattung wäre über ein innenpolitisches Thema undenkbar. Schwer vorstellbar auch, dass seriöse Medien mit einer solchen Mischung von Halbwissen und Spekulation Vorgänge in Frankreich, Italien oder in den USA zu erklären versuchen würden. Weiterlesen →
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1. April 2007 - 22:07
Großzügig gezählt waren es allenfalls 200 Demonstranten, darunter viele bekannte Gesichter, die auch bei anderen Veranstaltungen wie beispielsweise bei der Selbstinszenierung von Selbstmordbrigaden oder bei den Protesten gegen die Veröffentlichung angeblich beleidigender Mohammed Karikaturen in dänischen Zeitungen zu sehen waren.
Das Zählen ist nicht ganz einfach, denn viele der Potestierenden sehen den Sicherheitsbeamten sehr ähnlich, die ebenfalls zahlreich erschienen sind.
Es herrscht, ebenfalls wie üblich, Geschlechtertrennung. Die Männer stehen dicht gedrängt mitten in den Blumenbeeten auf einem kleinen Platz. Sie umringen die Redner, die mit sich überschlagenden Stimmen über die „Arroganz der Briten“ schimpfen, eine lange Liste von Verfehlungen, die die Briten seit Beginn der Menschheit in diesem Land begangenen haben, aufzählen und den Abbruch jeglicher diplomatischer Beziehungen mit Großbritannien, die Ausweisung des Botschafters und eine harte Bestrafung für die festgenommen 15 Angehörigen der britischen Marine fordern. Lautsprecher plärren die Botschaften auf die andere Straßenseite, wo Polizisten mit Helmen und Schutzschildern aufgereiht stehen. Ein hoher Zaun mit Maschendraht, der eilig aufgebaut wurde, soll den Eingang der britischen Botschaft vor Wurfgeschossen schützen.
Die Frauen stehen ein wenig abseits, ebenfalls dicht gedrängt. Alle tragen schwarze Tschadore. Wann immer einer der Redner eine Pause einlegt, stimmen sie Sprechchöre an. „Mak’ba Amrika! Mak’ba Inglis! Mak’ba Israel! Khomenei raghbar!“ – Nieder mit Amerika! Nieder mit England! Nieder mit Israel! Khomenei ist unser Führer. Die Hintergrundgeräusche vieler Demonstrationen im Iran.
Gekommen sind auch etwa 50 Journalisten, Kameraleute und Fotographen, von denen ich die meisten ebenfalls kenne. Es ist das erste Mal im neuen Jahr, dass wir uns wiedersehen. Wir wünschen uns gegenseitig alles Gute, fragen nach Neuigkeiten und wie man die Feiertage so verbracht hat. Ich entdecke einen Kollegen von ITN, mit dem ich wochenlang im selben Restaurant im irakischen Arbil gesessen habe. Die Kollegin von FOX News hat wieder ein Visum bekommen und ist zurück.
Mit der Zeit wird man ein wenig demonstrationsmüde. „Mak’ba Amrika!“ Transparente: “Nukleare Technologie: Ja!”, “Nieder mit Bush!” sind mir inzwischen so vertraut wie der Blick aus meinem Wohnzimmerfenster. Wieso ist heute eigentlich keine Puppe von Bush oder Blair da, die verbrannt werden kann?
Z fragt eine der Demonstrantinnen, die sie fotografiert hat, nach ihrem Namen. Die junge Frau ist ganz empört. Ob Z sie denn nicht wiedererkenne? Sie habe sie erst neulich beim Freitagsgebet, dann bei der Demonstration zum Jerusalem-Tag und im letzten Sommer bei der Demonstration zur Solidarität mit der Hisbollah fotografiert.
Ich will eigentlich nach Hause gehen. Ich habe meine Pflicht getan, war Augenzeuge und sollte mich jemand danach fragen, weiß ich, worüber ich rede. Aber wir bleiben. Es könnte ja noch etwas passieren.
Und es passiert das, worauf alle Journalisten, Kameraleute und Fotografen spekuliert hatten: nachdem der letzte Redner seine Tiraden beendet hat, stürmt eine Gruppe von etwa 50 Männern auf den Eingang der Botschaft zu, wird aber von einer Betonsperre in der Straßenmitte und den dahinter stehenden Polizisten gestoppt. Es fliegen Rauchbomben und vereinzelte Steine aus der Menge. Wie ein Chor im griechischen Theater schwillt das Skandieren der Frauengruppe an. Kameraleute und Fotografen haben Hocheinsatz.
Der Radau dauert etwa 15 Minuten. Die fünf, sechs Rauchbomben sind schnell verfeuert. Es fehlt ein wenig am Nachschub an griffigen Steinen .
Immer wieder versucht die Meute über die rund einsfünfzig hohe Betonbarriere zu klettern, wird aber von den Polizisten zurückgestoßen. Zwei, drei Demonstranten werden von Männern mit Walkie-Talkies in der Hand unter die Achseln gegriffen und abgeführt. Es werden keine Schlagstöcke eingesetzt, sondern die Polizei kann auch so ihre Stellung behaupten. Bei Demonstrationen für die Freilassung von Ganji beispielsweise oder am letzten Frauentag habe ich weit Ärgeres gesehen.
Schließlich beginnt die Polizei die Strasse zu räumen und die Demonstranten lassen es mit geringem Widerstand mit sich geschehen. Für Kameraleute und Fotografen ist die Arbeit getan. Niemand wurde verletzt, nicht einmal eine Fensterscheibe zerbrochen. Die Menge verläuft sich. Man sieht sich wieder.
Zu Hause sehe ich, dass die Demonstration auf CNN und BBC an erster Stelle der Nachrichten ist. Reuters berichtet, Sprengkörper hätten das Gelände der Botschaft „erschüttert“.
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