Schüsseln

Ich sitze nach der Landung noch im Flugzeug auf dem Rollfeld in Hamburg als Z anruft.
Z: „Die Polizei war gerade da!“
Ich: „Und?“
Z: „Sie wollten auf’s Dach.“
Waren sie also doch gekommen.
Gestern gab es bereits in der Nachbarschaft Großalarm. Die Polizei war unterwegs, um die Satellitenschüsseln zu konfiszieren, mit denen man Auslandsprogramme empfangen kann. Der Besitz dieser Schüsseln ist illegal, wurde in der Vergangenheit aber weitestgehend toleriert. Wenn ich aus meinem Fenster schaute, konnte ich auf den Dächern der Nachbarschaft überall die schwarzen Metallscheiben sehen. Kaum jemand machte sich die Mühe, sie zu tarnen oder zu verbergen.
Seit einigen Wochen führt aber die Polizei wie einst in den 90er Jahren wieder eine Kampagne gegen das unbefugte Empfangen ungenehmer TV Programme durch. Kleine Trupps ziehen von Strasse zu Strasse, Haus zu Haus, verlangen Zugang zum Dach und räumen die Schüsseln ab.
In einigen Fällen erhalten die Besitzer eine Vorladung vor Gericht, manchmal muss eine Geldstrafe bezahlt werden, aber in der Regel lassen es die Ordnungshüter dabei bewenden, das technische Gerät mitgehen zu lassen – um es unter der Hand wieder zu verkaufen, wie böse Zungen behaupten.
Gestern, wie gesagt, tauchten sie auch in meiner Nachbarschaft auf. Unser Hausmeister informierte eiligst alle Bewohner, um ihnen die Gelegenheit zu geben, die Schüsseln abzumontieren und zu verstecken, aber die Polizei muss wohl vorzeitig Feierabend gemacht haben.
„Es klingelte an der Etagentür und als ich auf machte, standen dort vier, fünf Polizisten“, so Z am Telefon.
Sie hatte kaum eine andere Wahl, als mit ihnen auf das Hausdach zu gehen, aber Z wäre nicht Z hätte sie nicht geschimpft, geflucht und die Polizisten davon zu überzeugen versucht, dass sie unsere beiden Satellitenschüssel nicht anrühren sollten.
Als Ausländer kann man eine Sondergenehmigung beantragen. Z konnte den Schrieb, den wir vor Jahren mal ausgefüllt hatten, zwar nicht finden, aber der Leiter der Operation gab sich schließlich zufrieden, als sie ihm eine alte abgelaufene Pressekarte von mir zeigte.
Z: „Furchtbar schwierig war es nicht. Die Polizisten konnten kaum verbergen, dass sie diese ganze Geschichte für einen ziemlichen Blödsinn halten. Einer sagte ganz offen, ‚Wenn es nach mir ginge, könnten sie gern die Schüsseln behalten.’“
Z und ich sind nun die einzigen im ganzen Haus, die noch Auslandsfernsehen sehen können.
Wahrscheinlich werden die Nachbarn in den nächsten Wochen öfter mal klingeln, um zum Fernsehgucken mal vorbei zu schauen.
gepostet am 15. April 2007 um 22:40 von unter Iran, Menschenrechte. Alle Kommentare können über den RSS 2.0 feed verfolgt werden.
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