US Folter?

(c) Zohreh Soleimani

Da sitzt dieser dünne Kerl, jüngst noch zweiter Sekretär der iranischen Botschaft in Bagdad, im seinem blauen Krankenhausanzug in einem Rollstuhl unter den Kronleuchtern des Außenministeriums in Teheran hinter einem Tisch und versucht seine Geschichte zu erzählen. Hinter ihm steht ein Krankenpfleger, der eine Ampulle mit einer Infusionsflüssigkeit hält, sowie eine Krankenschwester. Links und rechts wird er von einem Arzt und einem Psychologen flankiert, die ihn untersucht haben und medizinisch betreuen.

Der Mediziner, Dr. Alireza Ali-Hosseini, bescheinigt Jalal Sharafi Spuren von mit Bohrern zugefügten Verletzungen an den Beinen, eine gebrochene Nase, Verletzungen am Rücken sowie ein gerissenes Trommelfell. Ali Sharifi, der Psychologe, bescheinigt ihm ein Trauma. Der Patient erlebe noch immer Angstzustände und befürchte, man wolle ihn hinrichten.

Sharafis Geschichte: Am 4. Februar sei er auf dem Weg zur Filiale der iranischen Bank Melli in Bagdad von acht Mitgliedern des irakischen Geheimdienstes festgenommen worden. Man habe ihn an einen unbekannten Ort gebracht, wo er an Händen und Füssen gefesselt und mehrfach geschlagen wurde. Man habe ihn zu Aussagen über die angebliche Unterstützung der irakischen Aufständischen durch den Iran, die Beziehungen zwischen dem Iran und den beiden kurdischen Führern Barzani und Talabani , zu den fünf in Arbil am 11. Januar festgenommenen Iranern sowie zu den Quellen für angebliche iranische Urankäufe zwingen wollen.

Später sei er an einen anderen Ort in der Nähe des Flughafen in Bagdad gebracht worden und es sei eine Englisch sprechende Person hinzu gekommen, die sich als Angehöriger der amerikanischen Botschaft ausgegeben und die Verhöre geführt habe. Die Misshandlungen und Folter sei auch dort weiter gegangen. Man habe ihm Dokumente auf arabisch vorgelegt, die er unterschreiben sollte.

Am 3. April sei er unvermittelt an einer Strasse in Bagdad wieder freigelassen worden. Er habe dann selbst seinen Weg zur iranischen Botschaft gefunden und einen Tag später wurde er nach Teheran ausgeflogen.

Ist die Geschichte glaubhaft?

Sharafi hat Male an beiden Beinen, die er nach Abschluss der Pressekonferenz für die Fotografen und Kameraleute zur Schau stellt. Es sieht alles danach aus, als ob er misshandelt, wahrscheinlich sogar gefoltert wurde.

Es ist auch bekannt, dass der Istakhbarat, der irakische Geheimdienst, eng mit den USA zusammen arbeitet. Ich habe auch keinen Zweifel daran, dass US Dienste in Kauf nehmen, dass Gefangene gefoltert werden. Schließlich hat man im Rahmen des „Rendition“ Programms schon öfter eigene Gefangene bei Folterregimes abgeliefert, damit die tun, was man selbst nicht tun darf oder will.

Nur: war der Mann, der sich Sharafi als Angehöriger der amerikanischen Botschaft vorgestellt haben soll, wirklich ein Amerikaner? Außer der Aussage von Sharafi gibt es dafür keinen weiteren Beleg.

Die iranische Regierung hätte den Diplomaten nicht der ausländischen Presse vorgeführt, wenn seine Schilderungen nicht in ihr politisches Kalkül passen würden. Zum einen möchte sie gern unterstreichen, wie nett sie doch mit den 15 gefangenen Briten umgegangen ist, während die USA nicht vor Folter zurückschrecken. Man will beweisen, wie unrechtmäßig die USA im Irak im allgemeinen und im Fall der 5 verhafteten Iraner im besonderen vorgehen, und man legt eine Spur, dass all die Behauptungen von iranischen Waffenlieferungen an irakische Aufständische unter Folter erpresst wurden.

Einerseits – andererseits, oder zweierlei Maß?

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