Spenden
21. March 2007 - 11:32
Der Artikel gestern in der Berliner Zeitung hat einige Reaktionen ausgelöst. Leser haben sich gemeldet, die spenden möchten, um Sinas Familie zu helfen, das Blutgeld aufzubringen.
Das ist alles mehr als erfreulich – erfreulich in erster Linie für Sina, erfreulich zu wissen, dass es Menschen gibt, die mit Anteilnahme auf solche Fälle reagieren und erfreulich, dass man mit einem Artikel tatsächlich etwas in Bewegung setzen kann.
Die Spendenbereitschaft bringt mich allerdings in ein paar Verlegenheiten.
Zum einen bin ich rein technisch nicht darauf vorbereitet. Wer soll das Geld einsammeln? Wohin soll es überwiesen werden? Wer kontrolliert, dass es auch sachgerecht ausgegeben wird?
Ich selbst sehe mich dazu nicht in der Lage. Meine Glaubwürdigkeit als Journalist hängt davon ab, dass ich zu meinen Themen Abstand halte. Ich berichte über Geschehnisse, betreibe aber keine Kampagnen.
Heute morgen habe ich Sinas Vater angerufen. Er war über die Hilfsbereitschaft hoch erfreut und würde auch gern das Geld entgegen nehmen. Allerdings verfügt er nicht über ein Euro-Konto, auf das von Deutschland aus überwiesen werden könnte.
Sinas Anwältin, Nasrin Sotoudeh, ist ebenfalls für jede Hilfe dankbar. Selbst wenn es kleine Beträge seien, würde damit deutlich, dass der Fall international Beachtung finde und dies mache auf die iranische Justiz Eindruck.
Aber sie hat zwei Einwände, die ich teile.
Zum einen ficht sie das Urteil aus grundsätzlichen Gründen an und hält es nicht für rechtmäßig. Die Zahlung des Blutgeldes würde aber eine Anerkennung des Richterspruchs bedeuten.
Zum zweiten sollte kein Präzedenzfall geschaffen werden, wie man mit dem Blutgeld ein Geschäft machen kann. Angehörige stellen exorbitant hohe Forderungen und spekulieren darauf, dass gutherzige, vergleichsweise reiche Ausländer das Geld dann zusammenbringen werden.
Dennoch: Sinas Leben hat ihrer Ansicht nach gegenüber solch grundsätzlichen Überlegungen Vorrang. Sie will sich in den kommenden Tagen darum kümmern, wie sich eine Überweisung von Spenden regeln lassen würde und sie würde auch durch die Bereitstellung von Kopie der Einzahlungsquittungen bei der Justiz den Nachweis bringen, dass das Geld für den Zweck benutzt wurde, für den es gedacht war.
gepostet von unter Iran, Menschenrechte, Deutschland → Kommentar schreiben
www.baztab.com ist wieder freigeschaltet.