Mich nicht!

10. February 2007 - 10:26

Gefunden im Weblog von Arash Kamangir.

NZZ Folio Teheran

7. February 2007 - 12:41

Das NZZ Folio hat in diesem Monat Teheran zum Schwerpunkt.

Das Heft ist eine Enttäuschung. Nicht nur, weil dort, wo über richtig oder falsch aufgeklärt werden, einiges Falsches zu lesen ist (natürlich werden ausländische Medien „zensuriert“, „anstößige“ Fotos werden zugeklebt und wenn der Economist den Persischen Golf den Arabischen Golf nennt, darf er einstweilen nicht mehr verkauft werden; dass es verboten sein soll, ein Mädchen oder einen Jungen mit nach Hause zu nehmen ist falsch, konservative Eltern mögen dies nicht dulden, aber es gibt kein gesetzliches Verbot; und dass die Pasdaran oder die Basiji nun der Polizei unterstellt sein sollen, ist mir neu) und es weitere zahllose kleine Fehler gibt (es werden im Iran Arbeitslosenzahlen veröffentlicht. Sie sind nur falsch. Es sind Peugeot 206 nicht 205, die im Iran gebaut werden), sondern weil es ein klein wenig ermüdend ist, wieder mal über die Partys im Teheraner Norden, die angebliche Faszination des Westens und andere Oberflächlichkeiten zu lesen.

Zwei Beiträge sind lesenswert. Zum einen die etwas konfusen Betrachtungen von Jinoos Taghizadeh über das komplizierte Verhältnis von Innen und Außen, Privatem und Öffentlichem. Zum anderen die Schilderung alltäglicher sexueller Anmache in Teheran von Parsua Bashi. Sicher ein wenig zugespitzt, aber von der Wirklichkeit nicht allzu weit entfernt.

Deutscher?

4. February 2007 - 16:13

Eigentlich das Übliche: Öffnungszeiten von 9 bis 11 von sonntags bis donnerstags. Zwei Passfotos sind mitzubringen, ein Antrag auszufüllen und die Gebühren von rund 40 Euro können bar am Schalter bezahlt werden.

Der Andrang bei der Konsularabteilung der indischen Botschaft ist nur ein wenig größer als ich es erwartet hätte. Viele junge Leute – Studenten, die nicht im Land bleiben wollen, aber keinen Studienplatz in Westeuropa oder Nordamerika finden konnten.

Ich habe alle Fragen nach Wohnort, Geburtsdatum, Passnummer und voraussichtlicher Reisedauer im Formular ausgefüllt und schiebe das Dokument plus Geld plus Pass plus Fotos durch den Spalt am Schalterfenster.

Kopfschütteln.

„Sind Sie Deutscher?“

Ich zeige auf meinen Pass und nicke.

„Dann fehlt das Schreiben von der Botschaft.“

„Welches Schreiben?“

„Die Botschaft muss Ihnen eine Bescheinigung ausstellen, dass Sie Deutscher sind.“

„Aber ich habe doch einen Pass, der beweist, dass ich deutscher Staatsbürger bin.“

Der meinem Schicksal gegenüber gleichgültige Mann hinter der Scheibe wendet sich der älteren Frau zu, die hinter mir in der Reihe steht.

Nachfragen bestätigen, dass Deutsche, die bei der indischen Botschaft in Teheran einen Antrag auf ein Touristenvisum stellen, eine Bescheinigung der deutschen Botschaft vorlegen müssen, dass sie die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Hätte ich den Antrag in Berlin gestellt, hätte der Pass gereicht.

Indien muss ein merkwürdiges Land sein, wo man glaubt, dass ein mit hochaufwendiger fälschungssicherer Technik plus Chip mit Biodaten produzierter Reisepass weniger Gültigkeit besitzt als ein einfaches Schreiben der Botschaft, das sich schnell mit Hilfe einer Schere und einem Fotokopierer zusammenbasteln ließe.

Kriegsangst?

1. February 2007 - 15:56

Unsere gelegentliche Wohnungsnachbarin Kamin Mohammadi hat für openDemocracy ihre Eindrücke von der gegenwärtigen Stimmung in Teheran aufgeschrieben.

Many Iranians are aware that the country’s official media underplay the gravity of the country’s situation, and thus tune into (officially banned) satellite channels and access information on the internet. “I know what’s going on”, says Nazanin, a university student, “and I am scared. When will they attack us?”

The concerns over the economy and the prospect of war are connected for Shahlah, a young housewife. “I have been buying in extra stores of rice”, she says. “All my friends have. We don’t know what will happen, so it’s best to be prepared. But it seems like the prices are going up every day and there is always a reason … every day our money is worth less.”

Farideh, a mother with two young children, worries about their future. “We don’t know what to do, where to go. If there is a war, then I honestly don’t know how Iran will ever recover. The happiest day of my life was when the war with Iraq war ended. I don’t think I can bear to go through that again. But what choice do we have?”

Auch wenn wir in der selben Nachbarschaft leben, hat Kamin offensichtlich ganz andere Bekannte als ich.

Es gibt mit Sicherheit viele Gründe, sich derzeit Sorgen zu machen, aber von Kriegsangst und Vorratskäufen habe ich bislang nichts gemerkt.

Ein möglicher Krieg ist Thema vieler Gespräche. Gerade als einem Ausländer werden mir prophetische Fähigkeiten zugetraut und ich werde immer wieder gefragt, wie bedrohlich ich denn die Situation einschätze. Natürlich schwingt da Unsicherheit, vielleicht auch ein wenig Angst mit.

Aber außerhalb des Kreises von politisch Interessenten, Journalisten und politischen Funktionären, ähnelt die Perspektive auf einen heraufziehenden Krieg eher der Möglichkeit eines Erdbebens. Es ist möglich (Teheran ist eine der erbebengefährdetesten Städte der Welt), aber was soll man schon tun?

Hamid, der sich neuerdings als Hochzeitsfotograph ein Zubrot verdient, klagt darüber, dass während Moharram nicht geheiratet wird, aber sobald dieser islamische Trauermonat vorbei ist, ist er auf Wochen hinaus ausgebucht.

N. bat mich gestern, einen Blick auf den Entwurf eines neuen Prospekts für ihr Reisebüro zu werfen. Thailand und Indien hat sie neben der Türkei und Dubai neu in ihr Programm aufgenommen. Sie denkt darüber nach, ob sie nicht eine neue Angestellte einstellen soll.

Vorratskäufe? Wir kaufen unseren Reis nicht selbst. Zs Eltern versorgen uns damit überreichlich. Die letzte Lieferung dürfte bis zum übernächsten Winter reichen.