Urlaub

Sabkuch ticktock hai.
Z und ich hatten vereinbart, dass wir eigentlich nach Indien fahren wollten, um am Strand zu sitzen, im Meer zu baden, uns von der Sonne braten zu lassen und so viele Bücher wie möglich zu lesen.
Also sind wir gestern zum Gateway of India spaziert (ein alberner Triumphbogen, der einsam und allein, ganz ohne Anbindung an das restliche Stadtbild am Hafen steht und einstmals für keinen anderen Zweck als zur standesgemäßen Begrüßung von König George V gebaut wurde), habe uns zwei Passagen auf einer Fähre gekauft und sind auf die andere Seite der Bucht, in der Mumbais Hafen liegt, nach Alibag getuckert. Von dort ein klapperiger, überfüllter Bus mit zerschlissenen und durchgesessenen Sitzbänken 160 Kilometer südwärts bis nach Murud, für das wir uns als Ort mit Meer & Strand & Ruhe entschieden hatten.
Wir haben es nicht schlecht getroffen. Murud erscheint auf den ersten Blick als ein kleines, verschlafenes Nest. Der Strand ist so menschenleer, dass Z vermutete, er müsse zum Baden wohl aus irgendwelchen Gründen (Meeresverschmutzung, reißende Strömungen, beißendes Getier unter dem Sand, etc.) ungeeignet sein, das Wasser ist flach und lauwarm und von der kleinen Terrasse unseres gemieteten Bungalow aus schauen wir beim Umblättern der Buchseiten auf einen makellos gepflegten Rasen und auf Palmen, die sanft im kühlenden Wind schaukeln.
Wir sind Urlauber und halten uns deshalb an die Regeln, an die sich Urlauber halten müssen, wollen sie ihre Zeit genießen: wir fragen das Personal nur nach dem Namen, damit wir es bei unseren Bestellungen freundlicher ansprechen können. Wir fragen aber nicht nach ihrem Gehalt, nach ihrer Familie oder nach ihren Lebensumständen. Wir schauen in die andere Richtung, wenn das Küchenpersonal sich nachts zum Schlafen auf den Tischen des Restaurants einrichtet und wir ignorieren es einfach, wenn zerlumpte Bettler am Eingangstor der Ferienanlage grob abgewiesen werden.
Wir schauen auf das Meer, ganz verspannt von dem Wunsch, uns zu entspannen, und genießen es.
gepostet am 27. February 2007 um 23:36 von unter Indien. Alle Kommentare können über den RSS 2.0 feed verfolgt werden.
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