Glück gehabt

Ich habe Grippe. Meine Knochen schmerzen, mein Kopf dröhnt, meine Nase läuft und mein Fieber muss mindestens 99,9 Grad betragen.
Z. füttert mich mit Hühnersuppe, schafft zusätzliche Bettdecken herbei und ignoriert lächelnd meine Wehleidigkeit.
Ich fühle mich lausig, gleichzeitig aber auch erleichtert, denn es hätte viel schlimmer kommen können.
Iran Daily berichtet heute, dass nach Angaben von Fathollah Ommi, dem Leiter des Programms für saubere Luft, im letzten Jahr 9.900 Menschen in der Stadt an den Folgen der beiden Schadstoffe NOX und PM10 gestorben seien. Ich weiß nicht, was NOX oder PM10 ist, aber umgerechnet würde dies rund 27 Opfer pro Tag ergeben.
Omni nannte die Luftverschmutzung einen „kollektiven Selbstmord“ und führte noch weitere Zahlen an, um den Ernst der Situation zu belegen.
Vom 23. Oktober bis zum 21. November letzten Jahres seien in Teheran 3.600 Menschen an den direkten oder indirekten Folgen der Luftverschmutzung gestorben. Das macht rund 120 Tote pro Tag. Es wird also immer schlimmer.
Der schlechten Nachrichten nicht genug. Mohammad Hadi Haidarzadeh, der in der Stadtverwaltung für die Bekämpfung der Luftverschmutzung zuständig ist, weiß von 4.500 Teherani, die an Herzinfarkten gestorben seien. 80 Prozent dieser Todesfälle seien seiner Ansicht nach direkt oder indirekt mit der miserablen Qualität der Luft in der Stadt verknüpft.
So gesehen kann ich mich mit meinem weichen Gehirn und meinen brennenden Knochen eigentlich glücklich schätzen.
gepostet am 9. January 2007 um 10:15 von unter Iran. Alle Kommentare können über den RSS 2.0 feed verfolgt werden.
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