Holocaust Konferenz

Ein nobler Ort und ein finsterer Anlass.

Tagelang hatte ich bei dem Zuständigen im iranischen Außenministerium gedrängt und gebohrt, wie es denn um die für den 11. + 12.Dezember angekündigte Holocaust Konferenz stehe.

Wir erinnern uns: im Frühjahr dieses Jahres machte Präsident Mahmoud Ahmadinejad international Furore, als er öffentlich in Frage zu stellen begann, ob der Holocaust tatsächlich stattgefunden habe, und wenn nein, warum Zweifler denn in Europa ins Gefängnis geworfen würden. Er kündigte eine internationale wissenschaftliche Konferenz in Teheran an, um der Frage auf den Grund zu gehen.

Dann war lange nichts mehr davon zu hören und es entstand der Eindruck, als ob Ahmadinejad es mit seiner geschickt zur Schau getragenen Ignoranz nun doch nicht zu weit treiben wollte. Die Äußerungen sorgten für einen internationalen Aufschrei und gründlicher hätte Ahmadinejad den Ruf des Irans nicht ruinieren können.

Aber die Konferenz tauchte vor zwei Monaten wieder auf. Das Außenministerium kündigte das Datum an, an dem die Veranstaltung nun stattfinden soll. Es wurde im Internet ein Konzept veröffentlicht, aber niemand wollte Stellung beziehen oder gar verraten, wer denn als historischer Experte zur Aufhellung der historischen Wahrheit beitragen soll.

Heute nun Einladung zur Pressekonferenz im Gebäude des „Zentrums für Forschung und Erziehung des Außenministeriums“. Dieses Zentrum liegt im Norden Teherans und besteht aus einer recht großräumigen Anlage mit verschiedenen Gebäuden und einem kleinen Park, von dem aus man einen großartigen Blick über die am Fuß des Berges liegende Stadt hat. Hier finden Tagungen mit Diplomaten und Außenpolitikern statt, büffeln angehende Diplomaten die Regel des Protokolls und Mitarbeiter des iranischen Außenministeriums zerbrechen sich in dezent gestrichenen Seminarräumen die Köpfe, wie sie die Interessen des Landes am besten nach außen vertreten.

In den Gängen des Hauptgebäudes sind in Vitrinen die Geschenke ausgestellt, die Staatsgäste mitbringen, wenn sie in Teheran vorbeischauen: geschnitztes Elfenbein, edle Tee-Service, Münzsammlungen und vergoldete Fingernagelclipper aus Saudi Arabien.

Die Pressekonferenz findet im zweiten Stock statt.

„Der Iran ist ja weder des Holocaust angeklagt, noch ist er dafür verantwortlich. Von daher sind wir in der idealen Rolle des unparteilichen Schiedsrichters, um zu untersuchen, ob der Holocaust tatsächlich stattgefunden hat, und wenn ja, in welchem Ausmaß.“ Mit derartigen geistigen Kalauern versuchte Manuchehr Mohammadi, einer der stellvertretenden Außenminister des Landes, die Ziele der Konferenz der kleinen Gruppe von Journalisten zu erklären. Anwesend waren vor allem die wenigen Kollegen von europäischen Medien sowie weniger als eine Handvoll Iraner.

67 internationale Experten aus mehr als 30 Ländern sollen an der Veranstaltung teilnehmen, die angeblich für jedes Ergebnis offen sein will. Diskutiert werden sollen solche Punkte wie „Nationalsozialismus und Zionismus- Gegnerschaft oder Kooperation?“ und „Gaskammern – Leugnung oder Bestätigung?“.

Wer diese 67 Experten sind, wollte Mohammadi nicht verraten, da man befürchtet, dass ihre Heimatländern ihnen die Ausreise verweigern könnten, wie es mit Horst Mahler schon einmal geschehen ist.

Einer der Teilnehmer, Frederick Töben, grüßt aber bereits schon auf seiner Webseite (nein, kein Link!) aus Teheran. Töben war schon einmal vor einem Jahr im Iran zu Gast. Mitgebracht hatte er ein Modell des KZ in Auschwitz, an dem er nachzuweisen versuchte, dass die Judenvergasung technisch gar nicht möglich war.

Derartige „Expertenschaft“ lässt Zweifel aufkommen, ob da die richtige Runde zusammen sitzt, um – so Mohammadi – die von Präsident Ahmadinejad gestellten Frage, ob der Holocaust überhaupt stattgefunden habe, kompetent zu beantworten. Es handelt sich vielmehr um einen Club verbohrter Narren, die den Nachweis versuchen, die Erde sei doch eine Scheibe.

Sie werden sich daran erfreuen, dass sie mit dem hochoffiziellen Segen einer Regierung ihre Dummheiten verbreiten dürfen und wir ihnen dabei auch noch zuschauen.

Angesichts dieser geballten steinharten Ignoranz ist meine erste Reaktion, die Herren ihrem hoffnungslosen Schicksal zu überlassen. Man muss aber wohl doch über sie reden.

(c) Zohreh SoleimaniEine Regierung lädt die Revisionisten dieser Welt ein und gibt ihnen ein Forum, den Holocaust zu leugnen. Das ist eine Ungeheuerlichkeit und für allen Überlebenden und Nachfahren der Opfer des Holocaust ein Schlag ins Gesicht. Es gibt kaum einen direkteren Weg, um sich selbst aus der Gemeinschaft zivilisierter Nationen auszuschließen.

Warum tut sie das? Im iranischen Außenministerium, dem offiziellen Veranstalter dieses Unternehmens, sitzen sehr viele kluge Männer, die keinen Zweifel an der Existenz des Holocaust besitzen und die vor Peinlichkeit nicht wissen, was sie sagen sollen.

Es sagt etwas über den Zustand dieses Landes, dass sie ihre Regierung nicht davon abhalten können, sich selbst in den Fuß zu schießen. Ahmadinejad und seine Hintermänner in den Revolutionären Garden bestimmen den Kurs und der besteht in erster Linie in Konfrontation. Es ist unwichtig, welche Ansichten der Präsident selbst zum Holocaust hat, ihm gefällt das Spiel mit der Provokation. Das bringt ihm zum einen Punkte unter den politischen Aktivisten der Region ein, die der Ansicht sind, der Holocaust werde von den Israelis benutzt, um ihre eigene Politik des Unrechts zu rechtfertigen. Zum anderen hat Ahmadinejad Gefallen an der wütenden Empörung, die er im Westen mit seinen Äußerungen zum Holocaust auslöst. Das hebt seine Bedeutung, lässt ihn als einen wichtigen Gegenspieler erscheinen und stärkt den Zusammenhang in den eigenen Reihen. Viel Feind, viel Ehr.

Ja, selbstverständlich ist es gefährlich, wenn sich ein Präsident eines Staates, der im Verdacht steht, am Bau einer Atombombe zu arbeiten, zum Sprecher der Holocaust Revisionisten ausruft. Das schürt nur weiter die Konfrontation und erstickt jeden Ansatz zu einem vernünftigen Ausgleich von Interessen. Das ist genau das, woran Ahmadinejad gelegen ist.

Es ist aber auch nicht so gefährlich, wie es erscheinen mag. Der Präsident des Irans verfügt über keine Truppen und hat auch nicht das Recht, Raketen auf Israel abschießen zu lassen. Dieses Privileg gehört Revolutionsführer Ayatollah Khamene-i. Er und der enge Kreis um ihn herum sind besonnene Leute, die sehr wohl wissen, dass jedes militärische Abenteuer gegen Israel nur im eigenen Untergang enden kann.

So finster diese Holocaust Konferenz ist, sollte ein etwas erhellenderer Aspekt nicht unterschlagen werden. Mitte August fand in Teheran nach ähnlichem Muster eine Ausstellung mit internationalen Karikaturen zum Thema Holocaust statt. Am Eröffnungstag drängten sich einige Neugierige sowie die internationalen Journalisten. Den Rest der Zeit war die Ausstellung gähnend leer.

Kommentare

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  1. von
    Paul Nellen
    am
    11. December 2006 um 12:40 Uhr

    “Am Eröffnungstag drängten sich einige Neugierige sowie die internationalen Journalisten. Den Rest der Zeit war die Ausstellung gähnend leer.”

    Keine Kompanien der Revolutionsgarden, die durch die Räume geschleust wurden? Keine Kindergärten, Schulklassen, Koranauswendiglernkurse?

    Wenn das der Füh… üh… der Präsident wüßte…

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