Googoosh

Googoosh-Tag.

Z. sortiert den ganzen Nachmittag über am Computer ihre Fotos, hört Musik von Googoosh und summt vor sich hin. Es schmalzt, pompöst, liebesschmerzt und schwermütelt durch die ganze Wohnung.

Googoosh ist eine Ikone bei den Iraner, innerhalb wie außerhalb des Landes. Jeder, aber wirklich jeder, kennt sie und ihre Songs.

Sie stammt aus Teheran, wurde 1950 geboren und war als Sängerin wie als Schauspielerin in einer Reihe von Filmen der absolute Superstar. Eine Mischung aus Edith Piaf und Diva. Die Frauen nahmen sich an ihr ein Vorbild. Sie war der Inbegriff der modernen Frau, zugleich schön und glamourös. Die Kleidung, die sie trug, wurde kopiert. Als sie zum ersten Mal in einem Minirock im Fernsehen auftrat, waren am nächsten Tag alle Miniröcke in Teheran, Isfahan, Tabriz und Shiraz ausverkauft. Ihr Kurzhaarschnitt („Googooshy“) war der letzte Schrei.

Zum Zeitpunkt der Revolution hielt sie sich in den USA auf, kam aber in den Iran zurück, obwohl sie Gefahr lief, verhaftet, vielleicht sogar zum Tode verurteilt zu werden. Nach der Revolution wurde Popmusik im allgemeinen sowie das Singen von Frauen in der Öffentlichkeit verboten. Sie wurde kurz verhaftet, aber wieder freigelassen. Es wurde still um sie. Sie lebte zurückgezogen in ihrer Wohnung und wurde in der Öffentlichkeit nicht mehr gesehen.

Schließlich wanderte sie nach Nordamerika aus und veröffentlichte im Jahr 2000 ein neues Album – der Start ihrer zweiten Karriere, obwohl sie nicht wirklich in Vergessenheit geraten war.

Googoosh ist vor allem für die Generation, die vor der Revolution aufgewachsen ist, eine Erinnerung an bessere, freimütigere Zeiten und eine Verkörperung der „Seele des Irans“, lebenslustig und schwermütig zugleich, hoffnungslos romantisch, leidensfähig, launisch und stolz.

In den letzten Jahren haben sich einige Fans aber von Googoosh abgewandt. Ihre Songs seien zu kitschig geworden. Z. zuckt dazu nur mit den Schultern. Sie hört allemal nur die alten Lieder wie dieses hier:

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