Keine Reaktion

Amüsiert ironisch berichtet die Kollegin Britta Petersen bei Reporterwelt aus Jalalabad, wie sie mit Anfragen von Redaktionen überhäuft wird, über die Reaktionen in Afghanistan auf die Totenschädelaffäre der Bundeswehr reagieren

Ich habe mich auch schon reichlich dazu geäußert, obwohl ich gestehen muss, dass es eigentlich nicht viel zu sagen gibt. Denn wie groß die Aufregung in Deutschland auch sein mag – hier in Afghanistan ist sie es nicht.

Die Afghanen, trotz aller Warnungen der Experten, reagieren nicht. Warum?

Drei Gründe:

1. Die Einhaltung der Totenruhe ist nicht nur ein islamisches Gebot, sondern in vielen Kulturen und Religionen üblich. Es fehlt die spezifische „islamische Brisanz“, die religiösen Eifern einen unmittelbaren Aufhänger geben würde zu mobilisieren.

2. Wenn es zu größeren Protesten und auch Gewalt wie beispielsweise bei den Unruhen im Mai dieses Jahres kam, dann gab es ein sich über längere Zeit aufbauendes Potential an Unzufriedenheit, das nur einen Anlass benötigte, um sich zu entladen. Im Mai war es ein durch das US Militär verursachter Verkehrsunfall, der all den Unmut über das arrogante Auftreten der Amerikaner zur Explosion brachte. Zorn erregt nicht nur der Umstand, dass die US Soldaten sich aufführen, als seien sie die neuen Könige von Kabul, sondern auch das Gefühl, mit Versprechungen, die nie eingelöst wurden, getäuscht worden zu sein. Solche eine Haltung besteht gegenüber der Bundeswehr bislang noch nicht. Die deutschen Soldaten zehren vielmehr von dem guten Ruf, den Deutschland seit Jahrzehnten in Afghanistan genießt.

3. Anders als uns die Fernsehbilder glaubhaft machen wollen, sind die Unruhen und Proteste selten spontan, sondern werden von Drahtziehern inszeniert, die damit ihre eigenen politischen Ziele verfolgen. Der Streit um die Mohammad Karikaturen wäre nie zustande gekommen, wenn nicht eine kleine Gruppe von Aufrührern erst einmal mit zum Teil gefälschten Bildern durch den Nahen Osten gereist wäre, um ihren Glaubensbürgern zu erklären, wie beleidigt sie nun sein müssten. Die staatlich gelenkten Medien spielten wie im Iran dabei die Rolle des Anpeitschers. Am Ende war es eine gut organisierte Gruppe von weniger als 100 Rechtsextremen vor der dänischen Botschaft, die für den Krawall sorgte. Keiner von ihnen hatte die Karikaturen jemals selbst gesehen.

Im politischen Kalkül der Islamisten wie des bewaffneten Widerstandes in Afghanistan spielen die deutschen Soldaten derzeit eine vernachlässigbare Rolle. Das kann sich natürlich noch ändern.

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