Endlich wieder arbeiten!

In seiner großherzlichen Güte hat uns Präsident Ahmadinejad zum Ende des Fastenmonats Ramadan zwei zusätzliche Feiertage verkündet. Damit stieg die Zahl der freien Tage – den Freitag eingerechnet - auf vier.

Der arbeitsbefreiende Akt kam völlig unvorbereitet. Im Iran werden Feiertage nicht notwendigerweise durch ein Gesetz festgelegt, noch geht einer solchen Entscheidung unbedingt eine Debatte über das Für und Wider voraus. Der Präsident gibt es, der Präsident nimmt es.

Er hätte es besser lassen sollen.

Gestern stand Teheran kurz vor dem Kollaps. Die ansonsten nur hoffnungslos verstopften Strassen wurden zu langsam vor sich hinkriechenden Lavaströmen aus Blech und giftigen Abgasen. Die Zahl der Schlägereien, in dem sich die angestaute Reizbarkeit des durchschnittlichen Teheraner Autofahrers gewaltsam entlädt, nahm deutlich zu. Vor den Behörden und Banken bildeten sich noch vor der Öffnung lange Schlange und ohne den Einsatz der Ellbogen war es unmöglich, seine Angelegenheit zu erledigen, bevor die Schalter von den völlig entnervten Angestellten wieder geschlossen wurden.

Die Extra-Feiertage hatten alle überrascht. Die Ankündigung, dass an zwei zusätzlichen Tagen niemand zu arbeiten brauche, kam erst am späten Nachmittag als alle Banken schon geschlossen waren. Da Geldautomaten im Iran rar gesät sind und die wenigen existierenden Maschinen selten funktionieren, wurde plötzlich das Geld knapp. Natürlich konnte man die Verwandten vom großen Festessen zu Eid al-Fitr wieder ausladen. Lieber an den anderen Tagen hungern. Geschäftsbesprechungen mussten umterminiert werden, Bestellungen storniert und dringende Angelegenheiten erneut verschoben werden.

Chaos, und Schuld hatte allein der Präsident.

Selbst seine politischen Befürworter waren vergrätzt. „Eid al-Fitr ist ein großes und ehrenwertes islamische Fest, aber einfach zwei weitere Feiertage hinzu zu fügen, hat unerwartete Probleme geschaffen“, maulte der Parlamentarier Hamid Reza Katouzian, der ansonsten in der Regel für die Politik von Ahmadinejad stimmt. Er kündigte einen Brief von 80 Abgeordneten an den Präsidenten an, in dem dieser aufgefordert wird, von nun an „taktvolle Entscheidungen“ zu treffen und vorab Experten zu konsultieren.

Die politischen Gegner Ahmadinejads wittern mehr als nur Gedankenlosigkeit. Sie glauben, der Präsident habe die Entscheidung so kurzfristig bekannt gegeben, um Fakten zu schaffen, bevor eine öffentliche Debatte erst beginnen kann. Sein Plan sei es, die religiösen Feiertage auf-, die säkularen Festtage dagegen abzuwerten. Die zwei Tage mehr Eid al-Fitr sollen angeblich bei Noruz, dem Neujahrsfest, das zwei Wochen lang gefeiert wird, wieder abgezogen werden.

„Nicht mit mir,“ schimpft H. „Noruz ist ein altes persisches Fest und die diese religiösen Hitzköpfe wollen uns unsere iranische Identität rauben. Was immer Ahmadinejad entscheidet, ich werde zwei Wochen nicht arbeiten.“ Das dürfte H. nicht so furchtbar schwer fallen, da er sich als freiberuflicher Graphiker seine Arbeitszeit allemal frei einteilen kann.

Ich bin schlicht froh, dass ab heute das Land zu so etwas wie Normalität zurück kehrt und ich wieder arbeiten kann.

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