Hochkultur im Untergrund

Auf dem Programm standen Arien von Puccini, Bizet und Verdi. Die Sängerinnen und Sänger wurden von einem Pianisten begleitet.
Es war ein Hauskonzert – in Europa ein wenig aus der Mode gekommen, aber im Iran die einzige Möglichkeit, so etwas zu veranstalten.
Eingeladen waren musikinteressierte Iraner, westlich orientiert und sicher nicht ganz ohne Vermögen, ein paar Künstler und Diplomaten aus westlichen Botschaften.
Der Gastgeber spielt selbst in seiner Freizeit ein wenig Piano und kannte über Bekannte von Bekannten die Interpreten.
Kellner offerierten Säfte, Rot- und Weißwein und auf Wunsch auch härtere Getränke.
Ich werde nicht verraten, wo das Konzert stattfand, noch die Namen der Interpreten nennen, denn beinah alles an diesem Abend war nach iranischem Recht verboten: Sängerinnen dürfen nicht vor einem gemischtgeschlechtlichen Publikum auftreten, erst recht nicht in Abendkleidern mit weitem Ausschnitt und unbedecktem Haar. Natürlich ist auch der Alkoholkonsum verboten und private Treffen zwischen Iranern und westlichen Diplomaten können zu Fragen führen.
Klassische Musik im Underground. Solche Konzerte finden in Teheran alle paar Wochen statt, eine Subkultur mit Hochkultur.
Vor dem Eingang standen zwei angeheuerte Wächter, die bei beim Heranrücken der Polizei alarmiert hätten.
Es war ein netter Abend.
gepostet am 28. October 2006 um 23:02 von unter Iran, Kultur. Alle Kommentare können über den RSS 2.0 feed verfolgt werden.
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