Pipeline-Pläne für Afghanistan

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Obwohl eine stabiler Frieden in Afghanistan noch weit entfernt ist, beginnen internationale Ölkonzerne bereits, über neue Möglichkeiten nachzudenken und alte Pläne aus der Schublade hervorzuholen.

Der turkmenische Präsident Saparmirat Nijazow nutzte ein Treffen mit UN Untergeneralsekretär Kenzo Oshima am 22. Oktober, um eine alte Idee wieder ins Gespräch zu bringen. Nijazow schlug vor, die UN möge doch über die Möglichkeit nachdenken, eine Gas-Pipeline von Turkmenistan quer durch Afghanistan nach Pakistan zu verlegen. Von einem solchen Projekt würde nicht nur die Region sondern vor allem Afghanistan profitieren, denn nur "kreatives Handeln im Namen der eigenen Nation kann die Psychologie eines Volkes ändern, das viele Jahre lang das Glück friedlicher Arbeit nicht gekannt hat."

Nijazow ist nicht der einzige, der sich über das Glück der Afghanen Gedanken macht. Während die USA noch die Vorbereitungen für die Luftangriffe gegen Afghanistan trafen, fand in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ein Gespräch zwischen US Botschafterin Wendy Chamberlin und dem pakistanischen Energieminister Usman Aminuddin statt. Thema auch dieses Treffens war die Trans-Afghanistan-Gas-Pipeline. In einer gemeinsamen Erklärung im Anschluss an das Gespräch hiess es, eine solche Pipeline "eröffnet neue Möglichkeiten multi-dimensionaler Zusammenarbeit in der Region besonders mit Blick auf die jüngsten geopolitischen Entwicklungen."

Die Pläne für die 800 Kilometer lange Verbindung zwischen dem Gasfeld in Dauletaband im Südosten Turkmenistans und Multan im Norden Pakistans waren 1995 von einem Konsortium unter der Führung des amerikanischen Energieunternehmens UNOCAL mit Unterstützung der US Regierung betrieben worden. Die Pipeline, deren Kosten auf 1,9 Milliarden US Dollar geschätzt wurden, wurde als eine ebenso kostengünstige wie politisch opportune Möglichkeit angesehen, die reichhaltigen Erdgasvorkommen in Turkmenistan auf die internationalen Märkte zu bringen.

Mit dieser Route konnte der turkmenischen Regierung zudem eine attraktive Alternative zu einem zweiten Projekt, einer Pipeline quer durch den Iran zu einem Seehafen am Persischen Golf, angeboten werden. Die USA betreiben nach wie vor eine Blockadepolitik gegen den Iran und wollen Teheran keine Chance geben, den westlichen Zugang zu den Energiereserven in Zentralasien zu kontrollieren. Auch Russland, der andere Rivale in diesem "Great Game" wäre von jeder Mitsprache ausgeschlossen.

Das große Problem für eine solche Pipeline bestand in der politischen Instabilität in Afghanistan. Die Clinton Regierung liebäugelte deshalb zweitweise mit einer Unterstützung der Taliban, die versprachen, dem Bürgerkrieg zwischen einzelnen Fraktionen und Gruppen des Landes ein Ende zu bereiten. UNOCAL lud Vertreter der Taliban nach Houston ein, bewirtete sie königlich und bot ihnen einen Vertrag über Transitgebühren an. Die wachsenden Proteste gegen die Politik der neuen fundamentalistischen Machthaber in Kabul liessen die US Regierung von dieser Unterstützung aber wieder abrücken.

Ungewollt hat Präsident Bill Clinton dem Vorhaben auch ein vorläufiges Ende gesetzt. Nachdem er in Reaktion auf die Bombenanschläge auf die US Botschaften in Kenia und Tansania Ausbildungscamps bin Ladens in Afghanistan bombardieren liess, zog sich UNOCAL zurück. Es fehle "an dem notwendigen Frieden und der Stabilität, um eine Finanzierung durch internationale Agenturen zu erhalten", erklärte das Unternehmen damals in einer Presseerklärung.

Als die US Regierung schliesslich nach dem ersten öffentlichen Test einer pakistanischen Atombombe Wirtschaftssanktionen gegen Islamabad verhängte, geriet das Projekt noch weiter in die Krise.

Mit den Anschlägen in New York und Washington am 11. September hat sich die Situation aber in einem rasanten Tempo geändert. Als Gegenleistung für die militärische Unterstützung, die Pakistan den USA im Kampf gegen Osama bin Laden und den Taliban gewährt, hat Washington die Wirtschaftssanktionen gegen Pakistan wieder aufgehoben. Damit ist die Finanzierung des Projektes wieder erleichtert worden.

Wie das Treffen zwischen dem pakistanischen Energieminister und der amerikanischen Botschafterin zeigt, besteht auch in Washington ein neu erwachtes Interesse, mit Hilfe der Pipeline einen Zugang zum turkmenischen Gas zu eröffnen.

Was nun noch fehlt ist eine post-Taliban, Amerika-freundliche Regierung in Kabul.

 

Länge 4:22

 

 

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