Nordirak: Warten und Hoffen

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Für die Menschen im Norden Iraks ist es derzeit nicht einfach, zwei sich einander widersprechende Gefühle miteinander zu vereinbaren.

O-TON 1: [0:04]
[Original]

Einerseits habe er Angst vor einem Krieg, auf der anderen Seite müsse ein Krieg aber sein, um Saddam Hussein loszuwerden, beschreibt Achmed Jabar seine Gefühlslage. Jabar besitzt ein Bekleidungsgeschäft in Arbil, der inoffziellen Hauptstadt des von Kurden selbstverwalteten Teils Iraks.

O-TON 2: [0:06]
I have satellite. Every day I watch television.

Er habe ein Satellitenfernsehen und schaue jeden Tag, erzählt er, und es dürfte wohl kaum einen Ort auf der Welt geben, wo mit grösserer Spannung als im Irak jede Nachricht über die neuste Entwicklung im Konflikt um die Entwaffnung von Saddam Hussein verfolgt wird.

Nicht jeder ist allerdings davon überzeugt, dass es tatsächlich zu einem Krieg kommen wird.

O-TON 3: [0:07]
[Original]

Die USA hätten schon oft angekündigt, sie würden Irak angreifen, aber dann sei doch nichts passiert, meint dieser Jugendliche enttäuscht. Aber auch er, wie die überwältigende Mehrheit der irakischen Kurden, hofft, dass Washington die Kurden nicht noch einmal im Stich lässt.

O-TON 4: [0:14]
Wenn die USA Irak nicht angreifen würden, dann wäre das sehr schlecht. Nur so können wir endlich unsere Freiheit erlangen.

Mohammed Wasso ist Lehrer und Fotograf.

O-TON 5: [0:16]
Es gibt bei uns nicht genug Arbeit und die wenige Arbeit wird schlecht bezahlt. Als Lehrer bin ich gezwungen, etwas dazu zu verdienen. So arbeite ich am Abend und an den freien Tag als Fotograf.

Wasso besitzt sehr konkrete Erwartungen, was ein Sturz von Saddam Hussein durch die Amerikaner für ihn bringen soll.

O-TON 6: [0:21]
Wir wollen frei sein. Wir wollen nicht mehr in Angst leben. Wir wollen reisen, nach Europa oder nach Amerika. Ich möchte einen Pass bekommen können, mit dem ich reisen und in meine Heimat zurückkehren kann. Das kann ich heute nicht.

Kurden besitzen im Iraq meist keine gültigen Reisepässe mehr und die Angst, von der Wasso spricht, beruht auf der langen Geschichte von Repressionen. Der Giftgaseinsatz 1988, die Vertreibung und Verschleppung Zehntausender Männer und die blutige Niederschlagung des kurdischen Aufstandes in den Tagen nach dem Ende des Golfkrieges sind noch in frischer Erinnerung.

Die Angst, dass Saddam Hussein bei einem neuen Krieg auch wieder gegen die Kurden vorgehen könnte, kommt nun hinzu.

O-TON 7: [0:32]
Wir haben große Zweifel über die Zukunft. Wir haben Angst, dass Saddam Hussein uns hier angreifen wird. Aber wir haben Zusagen der USA, Großbritanniens und anderer Freunde. Sie haben uns versprochen nicht zuzulassen, dass Saddam uns angreift.

Natürlich macht man sich aber auch Gedanken, was man im Falle eines Falles tun soll.

O-TON 8: [0:04]
[Original]

Wenn geschossen werde, werde er den Laden schliessen und nach Hause gehen, sagt Jabar, der Ladenbesitzer.

Flucht ist ein Gedanke, der naheliegt.

O-TON 9: [0:05]
[Original]

Wenn sie wisse, wohin sie gehen könne, dann würde sie fliehen, meint Amel Leshkeri, aber das Problem ist, dass die meisten Menschen keinen Ort haben, wohin sie fliehen können. So hat sich Fatalismus breit gemacht. Man will abwarten, was passieren wird, und tun, was man dann tun kann.

Oder wie Mohammed Wasso es formuliert:

O-TON 10: [0:09]
Unsere Zukunft liegt in der Hand des allmächtigen Gottes und in der Hand der grossen Länder wie den USA.

 

Länge 3:51

 

 

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