Völkermord an den Armeniern

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Am 24. April 1915 wurden im damaligen Konstantinopel mehrere hundert Armenier unter dem Vorwurf des Hochverrates verhaftet. Diese Aktion bildete den Auftakt einer Vernichtungsaktion des Osmanischen Reiches gegen seine eigene, lang ansässige christliche Minderheit. Vor allem im Osten der heutigen Türkei wurden die armenischen Männer zusammengetrieben und ermordet. Frauen, Kinder und Alte wurden missbraucht, ausgeplündert und mit Gewalt vertrieben. Es wird geschätzt, dass zwischen anderthalb und zwei Millionen Armenier bei diesem Völkermord ihr Leben verloren.

Es existieren vielfältige Dokumente, die diese Untaten belegen. Dennoch fällt es bis heute schwer - wie hier in einem Cafe in Van - in der Türkei über dieses Thema zu reden.

O-TON 1: (0:15)
Heute nix, aber später nix. Hier alles Armenien und Kurdisch, Kurden und Armenier. Später Armenier nichts. Alles Kurden.

Es ist nicht nur die Sprache, die Schwierigkeiten macht. Bis heute hat es nach offizieller türkischer Darstellung keinen Völkermord an den Armeniern sondern eher einen Völkermord der Armenier an den Türken gegeben. So besitzt das Museum von Van, einst eines der Zentren des armenischen Lebens im Osmanischen Reich, eine eigene Abteilung, die dokumentieren soll, wie tausende Türken von Armeniern ermordet wurden. Dass auch Armenier zu Tode gekommen sind, wird von Ankara eingestanden, aber damit begründet, dass im damaligen Krieg gegen Russland, die Armenier zwangsweise umgesiedelt werden mussten, weil sie mit dem Feind paktierten.
Am liebsten möchte man aber über diesen Abschnitt der Geschichte gar nicht reden. Wer öffentlich für die Armenier Partei ergreift, muss mit einem Gerichtsverfahren rechnen. So wundert es nicht, dass sich der Tischnachbar im Cafe in Van lieber zurückhält.

O-TON 2: (0:05)
Viel Politik. Bitte. Danke.


Ganz anders in Armenien, wo der Völkermord ein Grundstein der nationalen Identität ist. Auf einem Hügel am Stadtrand der Hauptstadt Jerewan erhebt sich ein mächtiges Mahnmal, das mit Rundbau, Obelisk und ewigem Feuer dem jüngsten Trauma der armenischen Geschichte gewidmet ist. Ausländische Besucher und Staatsgäste werden hierher geführt. Jedes Jahr am 24. April versammeln sich Hundertausende um gemeinsam mit dem Präsidenten, Vertretern aller Parteien und wichtiger gesellschaftlicher Organisationen sowie der Kirche des Völkermordes zu gedenken.

O-TON 3: (0:40)
Der Genozid war ein Markstein unserer Geschichte. Er war prägend für das armenische Volk. Er hat zu dem geführt, was wir heute sind. Wir haben viele Menschen und einen Teil unseres Landes verloren. Und natürlich geht es auch um die Erinnerung und den Respekt vor den Toten, die damals ihr Leben lassen mussten.

Dr. Laurenti Barsenan leitet das Völkermordmuseum in Jerewan. 600.000 bis 800.000 Besucher kommen jedes Jahr - die überweigende Mehrzahl sind Armenier, die im Ausland leben.

O-TON 4: (0:41)
Der Völkermord betrifft nicht allein die Armenier, die in Armenien wohnen. Der Genozid fand ja auch nicht innerhalb unserer jetzigen Grenzen, sondern in der heutigen Türkei statt. Fast jede armenische Familie hat Verwandte, die ermordet oder vertrieben worden sind, und das betrifft vor allem die Armenier, die ins Ausland geflüchtet sind. Das ist unsere gemeinsame Erfahrung. Dieses Denkmal hier in Jerewan ist das Zentrum der Erinnerung, aber es gibt auch Denkmäler und Erinnerungsveranstaltungen in Frankreich, in Italien, in den USA, in Kanada, in Syrien oder im Libanon.

Zweidrittel aller Armenier - so wird geschätzt - leben ausserhalb des Landes. Die vielen persönlichen Erinnerungen an den Völkermord und das Bemühen, die Welt dazu zu bewegen, dieses Unrecht offiziell anzuerkennen, sind ein starkes Band, das die Armenier in der Diaspora an ihr Herkunftsland bindet.
Auch in Deutschland setzen sich armenische Gruppen dafür ein, dass der Bundestag wie bereits die französische Nationalversammlung den Genozid verurteilt. Eine Petition mit 16.000 Unterschriften wurde übergeben. Eine Entscheidung steht noch aus.

Länge 4:28

 

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