Irak: Kurden fühln sich schutzlos

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Arbil hat eine Millionen Einwohner. Die größte Stadt des Nord-Irak liegt gerade 15 Autominuten von der Waffenstillstandslinie entfernt, die den selbstverwalteten kurdischen Teil des Iraks von dem von Saddam Hussein kontrollierten Süden trennt. Von Suleymanjia - 700.000 Einwohner - und Dohuk - 200.000 Einwohner - ist es weniger als eine halbe Stunde mit dem Auto bis zu dieser Grenze. Alle drei Städte liegen in der Reichweite der irakischen Artillerie.

Wenn es zu einem Krieg kommen sollte, dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass auch der Nord-Irak zum Kriegsgebiet werden wird.

O-TON 1:
Wir rechnen damit, dass der Irak gegen uns Kurden chemische Waffen einsetzen wird, denn sie betrachten uns Kurden als Feinde.

Dr. Muthafan Barzani ist der Direktor des Rezgani Krankenhauses in Arbil, mit 450 Betten das größte im Nord-Irak. Seit Wochen ist er dabei, Vorbereitungen für den Ernstfall zu treffen. Aber statt zusätzliche Vorräte einzukaufen, versucht er mit dem Vorhandenen zu haushalten, um einen kleinen Vorrat zu schaffen.

O-TON 2:
Wir senken jetzt die Zahl der Operationen auf die Hälfte, um einen Vorrat an medizinischem Gerät für einen Notstand aufzubauen. Ich versuche genug Instrumente und Medikamente zur Verfügung zu haben, um 1000 Verletzte operieren zu können. Das ist alles, was wir tun können. Wir sind nur in der Lage, unser Krankenhaus für einen Notstand oder für eine hohe Zahl an Verletzten für rund eine Woche vorzubereiten. Allerdings können wir keine Vorbereitungen gegen chemische oder biologische Waffen treffen.

Dr. Barzanis Problem besteht darin, dass er nicht eigenständig Medikamente, Verbandsstoffe und was sonst nötig ist einkaufen kann. Für diese medizinischen Güter muss er einen Antrag bei der UN stellen, die jeden einzelnen Posten genehmigen muss.

O-TON 3:
Es gibt einen schwerwiegenden Mangel an ausreichenden Medikamenten. Manchmal sind die einfachsten schmerzstillenden Mittel nicht vorhanden. Beispielsweise haben wir kein Morphium, das für Patienten mit einem akuten Herzinfarkt sehr wichtig ist. Auch für unser Labor haben wir nicht alles, was wir brauchen. Die UN hält diese Chemikalien und auch einig Arzneimittel zurück, weil sie sowohl für medizinische wie nicht-medizinische Zwecke benutzt werden können.

Die selben Regeln, mit denen verhindert werden soll, dass der Irak sein Programm für biologische und chemische Kampfstoffe wieder in Gang setzt, werden auch auf den Norden angewandt, wo es nie derartige Programme gegeben hat.

Hinzu kommt, dass der Einkauf der genehmigten Medikamente zwar aus dem Öl-für Lebensmittel Programm der UN finanziert, aber von einer Firma abgewickelt wird, die zur Regierung in Bagdad gehört.

O-TON 4:
Die Regierung Saddams möchte nicht, dass dieses Programm ein Erfolg wird. Sie wollen der Welt zeigen, dass Menschen aufgrund der Sanktionen sterben. Nur 30 Prozent des Geldes, das aus dem Öl-für-Lebensmittel Programm für Medikamente vorgesehen ist, wurde tatsächlich ausgegeben. Der Rest liegt ungenutzt auf einem Bankkonto.

So versuchen die Krankenhäuser wie die kurdischen Behörden mit dem klar zu kommen, was sie haben.

Gemeinsam beginnen sie sich auf die Evakuierung von bis zu einer Millionen Menschen vorzubereiten, die in den Dörfern des Nordens und in Zelten untergebracht werden sollen.

Die Menschen im Nordirak haben vor allem Angst vor einem neuen Angriff mit chemischen Kampfstoffen. Die Giftgasattacken 1988 in Halabja und einigen weiteren Dörfern, bei denen mehr als 5.000 Menschen zu Tode kamen, sind noch frisch in Erinnerung.

Karim Sinjari ist Innenminister der kurdischen Regierung in Arbil.

O-TON 5:
Wir benötigen viele Dinge. Besonders brauchen wir Gasmasken und ähnliches. Wir haben all die Hilfsorganisationen, die Regierungen und die verschiedenen UN Organisationen gebeten, uns damit zu unterstützen, weil eine lokale Regierung das nicht schaffen kann.

Bislang sind die Antworten ausgeblieben.

Das Internationale Rote Kreuz, das seit Jahren im Nord-Irak präsent ist, hat immerhin zugesagt, es könne in wenigen Tagen nach Kriegsausbruch eine Notversorgung an medizinischem Gerät sicherstellen.

Gasmasken liefert allerdings auch das Rote Kreuz nicht.



 

Länge 4:29

 

 

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© Martin Ebbing 2003