Irak: Die militärische Rolle der Kurden

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[Arbil]

In Arbil wird man jeden Tag daran erinnert, dass der kurdische Norden des Iraks in tödlicher Feindschaft mit dem Regime in Bagdad lebt.

Junge Männer in Tarnanzügen stehen in Gruppen am Strassenrand, die Kalaschnikow locker über die Schulter gehängt, und rauchen und schwatzen. Peschmerga - die, die dem Tod entgegensehen - werden diese Guerilla genannt, die seit Jahrzehnten für die Rechte der Kurden kämpfen. Sie besitzen zwar keine schweren Waffen wie Panzer, sind aber erfahren und gut trainiert.

Eine solche Truppe könnte, so glaubt nicht nur Mustafa Kadir, der politisch Verantwortliche der PUK für die Peschmerga, beim Sturz von Saddam Hussein einen wertvollen Beitrag leisten.

O-TON 1: [0:29]
Wir kennen das Gelände und wir kennen die irakische Armee sehr gut. Zudem ist die Moral der Peschmerga sehr hoch. Sie sind davon überzeugt, dass sie ihre Nation retten. Die Moral der irakischen Armee ist dagegen sehr gering. Sie sind unzufrieden mit dem Regime. Wenn sie erkennen, dass eine US Invasion nicht mehr zu stoppen ist, werden sie deshalb die Waffen niederlegen und fliehen.

So überzeugend Mustafa Kadir seine Guerilla auch anzupreisen versteht - die Amerikaner scheinen nach Angaben der Kurden nicht anbeißen zu wollen. Offizielle Gespräche über eine militärische Kooperation haben nach Angaben beider Parteien bislang nicht stattgefunden.

O-TON 2: [0:04]
[Original]

"Fragen Sie die Amerikaner selbst, warum sie nicht mit uns reden", antwortet Mustafa Kadir leicht verstimmt auf entsprechende Fragen, und auch General Azad Miran, Stabschef bei den Peschmerga der KDP, bestätigt:

O-TON 3: [0:23]
Bislang haben wir keine speziellen Anweisungen oder Pläne für eine Kooperation mit den Amerikanern erhalten. Sollte Präsident Barzani es befehlen, werden wir natürlich mit den Amerikanern kooperieren, aber unsere Truppen sind kein Vergleich mit den US Truppen.

Solche Aussagen sind mit einer Prise Skepsis zu betrachten. Kriegspläne hängt man nicht an die große Glocke und die Kurden wollen unter allen Umständen vermeiden, Saddam Hussein einen Vorwand für einen Gegenschlag zu liefern. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an die Giftgasattacken 1988 und die Niederschlagung des kurdischen Aufstandes 1991. Saddams Panzer stehen weniger als eine Stunde von den kurdischen Zentren entfernt.

Aber es sind auch keinerlei Anzeichen einer Zusammenarbeit mit der US Armee zu erkennen. Es ist zwar kein Geheimnis, dass sich Pentagon-Mitarbeiter im Norden des Iraks aufhalten und logistische Vorbereitungen für eine Invasion treffen, aber Meldungen, dass US Experten gemeinsam mit den Peschmerga trainieren und LKW-Konvois Ausrüstung liefern, haben sich nicht bestätigt.

O-TON 4: [0:01]
[Original]

Bislang hätten sie nichts bekommen, klagt Mustafa Kadir dann auch, wenn man ihn auf die Militärhilfe anspricht, die das Weiße Haus Anfang Dezember angekündigt hat. Es sind auch keine Peschmerga in das Trainingscamp in Ungarn, das die USA für die irakische Opposition eingerichtet hat, eingeladen worden.

Kein Zweifel, die Kurden möchten gern eine militärische Rolle beim Sturz von Saddam Hussein spielen, denn sie wissen, dass ihr Gewicht bei den Verhandlungen über die Neugestaltung des Iraks dadurch steigen würde.

Sadi Pire hat lange in Österreich im Exil gelebt und ist heute bei der PUK für die Außenbeziehungen verantwortlich:

O-TON 5: [1:08]
Wir haben darüber öfter erklärt, dass wir uns nicht mehr in unseren Dörfern, in unseren Tälern verschanzen und warten, wer in Bagdad an die Macht kommt, und wir begrüßen oder ablehnen. Nein, wir sind dabei.

Das offensichtliche Desinteresse der USA an einer engeren Zusammenarbeit nährt zudem bei den Kurden den Verdacht, dass sie erneut für die Zwecke anderer missbraucht werden könnten, um dann fallengelassen zu werden. 1975, beim Konflikt zwischen dem Iran und dem Irak, sowie beim Aufstand nach Ende des Golfkrieges 1991 hatten die Amerikaner ihnen schon einmal Unterstützung versprochen, um sie dann im Stich zu lassen.

Sadi Pire betrachtet deshalb das Verhältnis zu den USA sehr nüchtern.

O-TON 6: [0:44]
Wir haben sicher nicht immer eine positive Vergangenheit in der Freundschaft mit den Amerikanern nachzuweisen, wir haben auch negative. Vertrauen in der Politik ist auch nicht gegeben. Da gibt es Zwangs- oder Zwecksbündnis. Die amerikanische Regierung vertritt die Interessen der Amerikaner und wir vertreten unsere Interessen.


 

Länge 4:46

 

 

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