Nordirak: Besuch an der Waffenstillstandslinie

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[Dorf]

Die Grenze zwischen dem von den Kurden kontrollierten Teil des Iraks im Norden und dem nach wie vor von Saddam Hussein regierten Teil im Süden ist nicht viel mehr als eine Vereinbarung. Es existieren weder offizielle Markierungen noch Grenzanlagen.

Nachdem die USA und Großbritannien 1991 zum Schutz der Kurden intervenierten, zogen sich die irakischen Truppen aus dem Norden zurück. Vorangegangen war ein Aufstand gegen das Regime in Bagdad, das durch die Niederlage im Golfkrieg geschwächt erschien. Der damalige US Präsident George W. Bush sen. versprach den Aufständischen im Süden wie im Norden des Iraks Unterstützung, ließ sie dann aber im Stich.

Der kleine Ort Kalak liegt direkt auf der kurdischen Seite der Waffenstillstandslinie. Eine Strasse führt eine Anhöhe hinauf, auf der oben die Unterstände der irakischen Armee zu sehen sind. Quer über die Strasse ist ein Erdhügel als Blockade aufgeschüttet worden.

Die Menschen in dem Ort erzählen von Panzern, die sich hinter den Kuppeln der Hügeln verstecken sollen, und sie erzählen von ihrer Angst.

O-TON 1: [0:15]
Sie sehen selbst, wenn Saddam Hussein wieder über uns herfallen will, kann er es jederzeit tun. Nichts wird ihn aufhalten. Wenn ein neuer Krieg kommt, dann werden wir die ersten sein, die darunter leiden müssen.

Von Truppenbewegungen auf der anderen Seite angesichts der amerikanischen Drohungen hat man in Kalak nichts bemerkt. Die Bedrohung ist stumm und starr geblieben.

ATMO
Brücke

Ein wenig flussabwärts spannt sich eine Betonbrücke über den Grossen Zab. Über diese Verbindung findet der kleine Grenzverkehr zwischen beiden Seiten statt.

O-TON 2: [0:09]
[Original]

"Etwa 700 bis 800 Fahrzeuge passieren täglich die Brücke in beide Richtungen", gibt Fakher, der Grenzbeamte auf der kurdischen Seite Auskunft. Neben den LKWs der UN, die Hilfsgüter aus dem Süden bringen, sind es aber nur Kurden, die die Waffenstillstandslinie überqueren dürfen.

O-TON 3: [0:46]
Es dürfen nur Autos mit speziellen Kennzeichen, die aus den drei kurdischen Provinzen stammen, passieren. Irakis aus den von Saddam kontrollierten Gebieten werden nicht nach Kurdistan gelassen. Und dann beschlagnahmen die irakischen Zöllner viele Sachen wie Fleisch, Benzin und anderes.

Die meisten Menschen fahren in den Süden, um dort Verwandte zu besuchen, manchmal aber auch zum Einkaufen. Der Süden ist aufgrund der Sanktionen viel ärmer. Deshalb sind einige Waren dort billiger.

O-TON 4: [0:04]
[Original]

"Wir sind dort hinüber gefahren, um ein paar Kleidungsstücke für unsere Kinder zu kaufen", erzählt dieser Mann, aber solche Einkaufsfahrten sind nicht ungefährlich.

O-TON 5: [0:06]
[Original]

Sehr oft habe man ihnen ihre Sachen einfach weggenommen, sagen sie, aber dagegen sei man machtlos.

Alle Fahrzeuge und alle Passagiere werden auf der anderen Seite streng kontrolliert. Die Innenverkleidungen der Autos müssen sogar abmontiert werden, um die Durchsuchung zu erleichtern.

Nicht selten stehlen die Grenzpolizisten Saddams einfach, weil sie selbst nichts haben. Zudem, so glauben die Kurden, wolle das Regime in Bagdad ihnen das Leben so schwer wie nur eben möglich machen.

O-TON 6: [0:10]
Man darf nichts von der anderen Seite mitbringen. Kein Benzin, kein Gas, nicht einmal zwei Kilo Fleisch, ein Huhn, nichts.

Dieser Taxifahrer fährt die Tour in den Süden mehrmals die Woche. Äusserst ungern, wie er sagt.

O-TON 7: [0:07]
Wenn ich auf die andere Seite dort hinüber fahre, fühle ich mich nicht mehr wie ein Mensch.


 

Länge 3:54

 

 

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© Martin Ebbing 2002