Nordirak: Der Aufstieg des Dinars

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[Markt Arbil]

Auf dem Markt von Arbil, dort wo die Geldwechsler mit den dicken Bündeln Scheine stehen, geht es derzeit hektisch zu. Wer klug ist, tauscht in diesen Tagen sein Erspartes - allerdings nicht Dinar in Dollar oder Euro sondern umgekehrt.

In gerade einmal neun Tagen ist der Kurs der irakischen Währung von 1060 Dinar für einen Dollar auf 830 Dinar pro Dollar gestiegen. Der Kurs des Euro hat sich mit einem kleinen Unterschied von 10 Dinar parallel dazu bewegt. Anders ausgedrückt: der Dinar ist in weniger als 10 Tagen um rund 20 Prozent an Wert gestiegen.

Solch ein Kurssprung ist erstaunlich genug, aber noch überraschender ist, dass eine Währung steigt, wenn dem Land ein Krieg droht. Aber genau die Erwartung eines Krieges zwischen den USA und Saddam Hussein ist der Grund, so die Geldwechsler, warum es mit dem Dinar steil aufwärts geht.

O-TON 1: [0:30]
Die irakische Wirtschaft wird stärker werden, wenn der Krieg beginnt und Saddam gestürzt ist. Die neue Regierung wird das System dann ändern. Irak wird wieder am Weltmarkt teilnehmen und die Öleinnahmen werden dem Land zugute kommen. Wir hoffen, dass der Dinar wieder zu dem wird, was er einmal war. Vor dem Krieg zwischen dem Irak und dem Iran war der Wechselkurs einmal dreieinhalb Dinar für einen Dollar.

Dass der Krieg kommen wird, erscheint den Geldwechslern immer sicherer. Nur als US Präsident George Bush vor einigen Tagen erklärte, dass eine friedliche Lösung des Konfliktes immer noch möglich sei, kam der Aufstieg des Dinars zu einem kurzfristigen Halt, um dann am nächsten Tag noch mehr zuzulegen.

Nun gibt es irakische Dinar und irakische Dinar.

O-TON 2: [0:17]
Wir hier in Kurdistan haben den Dinar, der in der Schweiz gedruckt wurde. Im südlichen Irak gibt es das gedruckte Geld mit dem Bild von Saddam. Wir denken, wenn Saddam gestürzt wird, dann ist es auch mit seinem Dinar vorbei. Er wird wertlos und verschwinden.

Der Dinar der im von den Kurden selbstverwalteten Norden des Iraks benutzt wird, sieht von der Machart wie der Gestaltung her wie ein üblicher Geldschein aus, während die Scheine im von Saddam kontrollierten Süden eher Monopoly-Geld frisch aus dem Fotokopierer gleichen. Der äussere Anschein trügt nicht. Der Dinar aus dem Süden ist kaum noch das billige Papier wert, auf dem er gedruckt wird.

O-TON 3: [0:11]
Heute vor einem Jahr entsprach einer unserer Dinar 100 Saddam-Dinars. Nun beträgt der Kurs 1 zu 250.

Und mit dem Saddam-Dinar, der das Bildnis des Diktators trägt, geht es immer weiter bergab.

Anders der Dinar im kurdischen Teil. Die Geldwechsler im Markt von Arbil glauben, dass sein Aufstieg gerade erst begonnen hat.

O-TON 4: [0:16]
Wenn man es mit dem letzten Jahr vergleicht, da betrug der Dollarkurs 1.985 Dinar. Der Wert des Dinars hat sich also seither verdoppelt. Ich halte es nicht für unrealistisch, dass der Dollar bis zum Kriegsbeginn auf 5 Dinar sinkt.

Bei dieser Prognose scheint der Wunsch der Vater des Gedankens zu sein, aber sicher ist: sollte der Konflikt doch noch friedlich beigelegt werden, dann werden die Menschen im kurdischen Nordirak nicht nur mit dem verhassten Saddam Hussein weiterleben müssen, sondern sie werden auch einen Haufen Geld verlieren.

 

Länge 3:23

 

 

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© Martin Ebbing 2003