Christen im (Nord-) Irak

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[Gottesdienst]

Die Gottesdienst in Enkawa, einem kleinen Vorort von Arbil, der inoffiziellen Hauptstadt des nicht von Saddam Hussein kontrollierten, kurdischen Nordirak, ist gut besucht. Mehr als 500 Menschen drängen sich in der kleinen Kirche St. Georg, die vor etwa 1500 Jahren gebaut wurde und seither mehrfach Zerstörung und Wiederaufbau erlebt hat.

Etwa 100 bis 120.000 Christen leben im Nordirak. Ihr Gottesdienst wird teils auf Arabisch, teils auf Assyrisch, der alten, traditionellen Sprache ihrer Kirche abgehalten.

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[aufziehen]

Auch wenn drei mit Kalaschnikows bewaffnete kurdische Sicherheitspolizisten vor dem Eingang der Kirche postiert sind, lebt die kleine Minderheit doch recht friedlich mit ihren islamischen Nachbarn zusammen.

O-TON 1:
Wir haben keinerlei Probleme mit unseren moslemischen Nachbarn. Es gibt viele Freundschaften, wir besuchen uns gegenseitig, wir gehen in die selben Schulen. Es gibt keine Schwierigkeiten.

Simon Habib ist einer der beiden Dekane der Kirche. Auch mit der Politik der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP), die diesen Teil des kurdischen Iraks kontrolliert, ist er zufrieden.

O-TON 2:
Unser Verhältnis zur KDP ist sehr gut. Es gibt eine vernünftige Zusammenarbeit. Wenn wir Schwierigkeiten haben, dann bemühen sie sich, uns zu helfen. Zudem basiert die Politik der KDP auf Religionsfreiheit und das ist sehr gut.

Anders als die kurdische Mehrheit, die zwar Angst vor einem heraufziehenden Krieg gegen Saddam Hussein hat, aber bereit ist, diesen Preis für den Sturz des verhassten Diktators zu zahlen, fällt es den Christen schwerer, eine eindeutige Position zu beziehen. Das Friedensgebot des Christentums und die Erfahrung blutiger Unterdrückung sind schwer unter einen Hut zu bringen.

O-TON 3:
Ich will nichts dazu sagen, ob die USA den Irak angreifen oder ob Saddam Hussein noch im Amt bleiben soll. Ich will nur sagen, was immer Gottes Wille ist, ist auch mein Wunsch. Nur Gott weiß, was in den Menschen vorgeht.

Zwei junge Theologiestudenten, die am Seminar in Bagdad studieren, sind für ein paar Tage nach Enkawa zurückgekommen. Für einen Journalisten ist dies eine willkommene Gelegenheit, aus erster Hand etwas über das Leben in Bagdad zu erfahren, ohne dass ein Aufpasser der Regierung daneben steht.

O-TON 4:
Als Christen sind wir gegen jeden Krieg. Wir beten, dass kein Angriff gegen den Irak stattfindet. Vor kurzem ist eine Delegation amerikanischer Christen zu uns gekommen und wir haben gemeinsam einen Gottesdienst für den Frieden abgehalten. Alle Menschen in Bagdad leben derzeit in Angst vor einem Krieg. Jeden Tag gibt es neue Spannungen zwischen der US Regierung und der Regierung in Bagdad. Die Menschen haben deshalb Angst, dass morgen die Bombardierung beginnt.

Der junge Mann möchte ebenso wenig wie sein Freund seinen Namen nennen. Der irakischen Regierung bescheinigt er ein gutes Verhältnis zu den etwa 30.000 Christen, die in Bagdad leben.

O-TON 5:
Es gibt keine Probleme mit der irakischen Regierung. Sie kümmern sich um uns. Als die Anschläge am 11. September stattfanden, haben sie beispielsweise besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um uns zu schützen.

Die Frage, wie sich die Menschen auf einen möglichen Krieg vorbereiten, mag er aber erst nach einigem Drängen beantworten.

O-TON 6:
Die Menschen im Irak sind in solchen Dingen geübt. Wir haben in der Vergangenheit sehr viel durchgemacht. Da war zum Beispiel der Krieg gegen den Iran, die Bombenangriffe der Amerikaner gegen Bagdad. Alle Irakis wissen, dass sie bleiben müssen und die Sache durchstehen. Wir haben schon viel erlebt. Deshalb warten wir einfach ab.

Es ist ihm anzusehen, dass er sich ungern zur Lage im Irak äußert. Auf die Frage, ob denn mit Saddam Hussein durch Dialog ein Frieden zu erreichen wäre, winkt er heftig ab.

O-TON 7:
[Original]

"Vergessen Sie die Frage", bittet er, und sein Freund fügt hinzu:

O-TON 8:
Wir können unsere Meinung über die Situation im Irak nicht frei äußern. Es sind hier zu viele Menschen. Sie sind Kurden, sie sind Christen, sie sind Araber, und wir wissen nicht, ob wir ihnen trauen können. In Europa kann beispielsweise der Präsident Schwedens zwischen den Menschen sitzen und Freundschaft schließen. Das kann Saddam Hussein nicht. Wir haben vor jedermann in Kurdistan und im Irak Angst.

Die Angst vor dem langen Arm Saddam Husseins reicht weit, und auch im kurdischen Teil hat man die Erinnerung an die Ereignisse des Jahres 1991 nicht vergessen. Ermuntert durch Zusagen der US Regierung, sie zu unterstützen, erhoben sich die Kurden gegen das geschwächte Regime. Die USA hielten ihre Zusagen nicht ein, der Aufstand brach zusammen und Saddam Hussein nahm furchtbare Rache.

O-TON 9:
Die Deutschen können frei ihre Meinung äußern, aber bei uns ist es ganz anders. Wir erwarten ständig, dass das irakische Regime wieder hierher zurück kommt. Wir fühlen uns ständig in Gefahr. Deshalb ist es besser, nichts zu sagen.


 

Länge 6:03

 

 

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© Martin Ebbing 2002