Iran: Jerusalem Demonstration ignoriert Arafats Andenken

Bei Rückfragen erreichen Sie mich telefonisch unter

[49] 0700.04045444

oder einfacher per Email



ATMO
[Demonstration]

Es waren sicher mehrere Zehntausende, vielleicht auch einige Hunderttausende, die die sechsspurige Strasse in Front der Teheran Universität entlang zogen. Herangebracht wurden sie mit Hunderten von staatlichen Bussen nicht nur aus der Stadt sondern aus der ganzen Umgebung. Kleine Kinder mit Stirnbändern waren ebenso dabei wie Mullahs, Soldaten, Vertreter von islamischen Studentenorganisationen und Kampfsporttruppen.

Wie in den Jahren zuvor trugen sie Plakate mit den Bildern von palästinensischen Kämpfern, verzweifelten Müttern und blutigen Leichen. Wie in der Vergangenheit wurden israelische Fahnen und Puppen von Bush und Sharon verbrannt und es wurde „Nieder mit Amerika!“ und „Nieder mit Israel!“ skandiert.

ATMO
[Rufe „Nieder mit ...“]

Aber ebenso wie in den Jahren zuvor, war kein Bild von Yassir Arafat zu sehen, dem zur selben Zeit in Kairo die letzte Ehre erwiesen wurde. Auch in den Reden blieb sein Name unerwähnt. Nur der palästinensische Redner erwähnte kurz den Tod des PLO-Führers um die Masse dann zu noch größerer Unterstützung bei der Befreiung Jerusalems von den „israelischen Besatzern“ aufzurufen.

Die Jerusalem – Demonstration ist ein Fixum im iranischen Kalender. Jeweils am letzten Freitag im Ramadan mobilisiert die Regierung die Bevölkerung zur Unterstützung der Rechte der Palästinenser. Das zeitliche Zusammenfallen mit der Beerdigung des palästinensischen Präsidenten war historischer Zufall.

Arafat ist im Iran eine Un-Person. Er war zwar 1979 einer der ersten, der Ayatollah Khomeini nach der islamischen Revolution in Teheran besuchte, aber die Freundschaft nahm schnell ein Ende, als er eine Verständigung mit Israel suchte. Den absoluten Tiefpunkt erreichten die Beziehungen, als Arafat sich im ersten Golfkrieg 1991 auf die Seite des iranischen Erzfeindes Saddam Hussein stellte.

Sein Tod wird in den Fernsehnachrichten mehr aus Chronistenpflicht gemeldet, wie man auch über Erdbeben in Japan berichtet. Außenminister Kharazi fuhr zu den Feierlichkeiten nach Kairo. Ansonsten aber Schweigen.

Die Unterstützung des Irans gilt schon seit langem einer mit der PLO rivalisierenden Organisation, der im Südlibanon ansässigen Hisbollah, die mit Geld wie mit Waffen versorgt wird. Diese Hilfe hat Teheran den Vorwurf der USA eingebracht, der weltgrößte Sponsor von Terrorismus zu sein. Der Iran sieht in der Hisbollah eine legitime Befreiungsorganisation und teilt mit ihr neben religiösen Bindungen eine kompromisslose Haltung gegenüber Israel.

Nach dem Tod Arafats wird die Hisbollah sicher auf eine größere Rolle im palästinensischen Widerstand hoffen und kann dabei mit Unterstützung aus dem Iran rechnen. Wenn es hilft, wird Teheran dazu auch nächstes Jahr wieder Zehntausende auf die Strasse schicken.

ATMO
[Rufe „Nieder mit ...“]



 

Länge 3:08

 

[Angebote]


top

© Martin Ebbing 2004