Kommentar: Iran bleibt stur

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Was anderen recht ist, muss auch uns billig sein. So lautet in vielfachen Varianten die Grundaussage der politischen Führung des Irans, wenn es um den Bau einer Uran-Aufbereitungsanlage geht und ähnliches dürften die europäischen Vertreter heute in Wien gehört haben.

Der Iran habe den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben und damit das Recht erworben, nukleare Energie zu zivilen Zwecken zu nutzen – und selbstverständlich diene das iranische Atomprogramm keinem anderen Zweck, als Strom für die Steckdose zu liefern.

Im ersten Punkt hat Teheran unzweifelhaft Recht. Der Sperrvertrag garantiert jedem Land Unterstützung bei der Entwicklung ziviler Atomenergie, das im Gegenzug auf den Bau einer Atombombe verzichtet.

Das Argument ist gut gewählt, um nicht nur alle Forderungen nach einem Verzicht auf eine Anreicherungsanlage abzuwehren, sondern vereint auch von erzkonservativ bis demokratisch-liberal alle politischen Gruppen. Die Aufbereitung ist zu einer Frage nationaler Selbstachtung geworden und wer glaubt, die Sturheit der iranischen Führung sei nichts anderes als ein Schachzug, um möglichst hohe Zugeständnisse für einen Verzicht auszuhandeln, kennt die Stimmung im Lande nicht. Wer will schon Bürger eines zweitklassigen Landes sein?

Ob tatsächlich keine Bombe gebaut wird, steht auf einem anderen Blatt. Besitz der Iran eine Anreicherungsanlage, dann besitzt das Land auch die technische Möglichkeit zum Bau einer Nuklearwaffe und das ist besorgniserregend genug. Die iranische Führung gehört sicher nicht zu den politischen Partnern, denen man die friedfertigen Beteuerungen einfach so glauben könnte.

Aus der Perspektive Teherans gibt es zu viele Gründe, die für den Besitz von Nuklearwaffen sprechen. Der Erzfeind Israel hat sie und der Nachbar Pakistan ebenfalls. In Afghanistan und im Irak stehen amerikanische Truppen und das Weiße Haus hat einen Regimewechsel im Iran offiziell zum Ziel seiner Politik erklärt.

Zudem werden auch im Iran Zeitungen gelesen. Saddam Hussein ist Geschichte, weil er seine Bombe nicht mehr bauen konnte. Nord-Korea, das Atombomben besitzt, wird dagegen mit Samthandschuhen angefasst.

Wenn also zwischen Europäern und dem Iran verhandelt wird, geht es im Kern nur noch um die Frage, welchen Preis Teheran für die Bombe zu zahlen bereit ist. Eine erneute internationale Isolation wäre schmerzhaft, aber nicht schmerzhaft genug. Mit Wirtschaftssanktionen hat man zu leben gelernt und bedrohlich wäre allein ein Boykott iranischen Erdöls. An eine solche Massnahme mag man aber nicht glauben, weil der Rohölpreis durch das Dach schiessen würde und europäische Regierungen in Wirtschaftskrisen selten wiedergewählt werden.

Auch gegen einen Militärschlag, mit dem die iranischen Atomanlagen zerstört würden, sieht man sich gerüstet. Am gestrigen Mittwoch wurde erfolgreich eine verbesserte Version der Shahab-3, einer Rakete, die auch Israel erreichen könnte, getestet. Wer mag es schon auf einen offenen Schlagabtausch ankommen lassen?

Aus Teherans Sicht also wenig Grund, von der sturen Haltung abzuweichen. Für den Rest der Welt aber aller Anlass, nervös zu werden.

Länge 2:43

 

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© Martin Ebbing 2004