Iran: Gerhard Richter Ausstellung in Teheran

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Der Künstler selbst ließ sich entschuldigen und so übernahm es der deutsche Botschafter im Iran, Paul Freiherr von Maltzahn, auf der gestrigen Pressekonferenz eine dieser Reden zu halten, die gehalten werden, wenn eine Ausstellung eröffnet wird.

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Dank verbindet sich mit Freude, Freude, dass diese Ausstellung eines der bedeutensten deutschen Künstler in dem bedeutensten Museum für zeitgenössische Kunst im Nahen und Mittleren Osten gezeigt werden kann.

Das Museum of Contemporary Art in Teheran, einst von Fahra Diba, der Frau des letzten Shahs, gegründet, ist in der Tat in einer Region, in der moderne westliche Kunst wenig offizielle Anerkennung findet, eine löbliche Ausnahme. Es zählt zu den Widersprüchen des Irans, dass sich ausgerechnet in dem Land, in dem eine Interpretation des Islams Regierungsdoktrin ist, die bis in die letzten Winkel des Privaten dringt, eine solche Institution wacker hält.

Streiten wird man sicher nicht mit dem Botschafter darüber, ob Gerhard Richter einer der bedeutensten deutschen Gegenwartskünstler ist. Über einen kleinen Kreis von engagierten Kennern hinaus ist er im Iran allerdings nicht bekannt. Keine seiner Arbeiten war bislang im Original hier zu sehen. Umso erfreulicher, dass die Ausstellung nun ihren Weg nach Teheran gefunden hat.

Zusammengestellt wurde sie von Richter selbst, der sich damit eine kleine Kurzbiographie seiner verschiedenen Arbeitsphasen geschaffen hat. Das - deutschen - Institut für Auslandsbeziehungen (IfA) hat die 27 Werke angekauft und sie auf eine Weltreise geschickt. Nach Island, Japan, China und anderen Ländern in Ostasien nun auch der Iran.

Allerdings musste die Schau in Teheran vor der Eröffnung Federn lassen. Eines der Bilder fiel der Zensur zum Opfer. Martin Schmid, der für das Institut für Auslandsbeziehungen die Ausstellung begleitet:

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„Die kleine Badende“ wurde zensiert, einfach, es wurde beanstandet die Nacktheit der Figur.


Nackte weibliche Haut und jeder Anflug von Erotik sind im Iran ein Tabu. Die Ausstellungsmacher nahmen diesen Eingriff hin, um das ganze Projekt nicht zu gefährden.

Sami Azar, der Leiter des Museums, weiß, welche Grenzen ihm gesetzt sind und gleichzeitig welche Freiräume und Nischen genutzt werden können. Gerade weil er in der Lage ist, sich dort zu ducken, wo man sich ducken muss, und dann dort voranzupreschen, wo man voranpreschen kann, ist es ihm gelungen, trotz aller Hürden und Klippen zeitgenössische westliche Kunst im Iran zu zeigen.

Einen Hinweis auf eine dieser Klippen findet sich auf dem Ausstellungsplakat. Dort ist neben der Botschaft und IFA als einer der Co-Träger der Schau das Goethe Institut verzeichnet. Ein solches Institut gibt es derzeit aber in Teheran nicht. Es musste 1986 geschlossen werden, als die iranische Regierung Anstoß an einem Sketch von Rudi Carrell im deutschen Fernsehen nahm, in dem Ayatollah Chomeini zu sehen war, wie er von einem Wühltisch in einem Warenhaus einen BH aus einem Kleiderberg zog. Seither wird über eine Wiedereröffnung verhandelt – bislang ohne Ergebnis.

So ist die deutsche Kulturarbeit im Iran im wesentlichen auf ein deutsches Sprachinstitut reduziert, das immerhin 1500 Studenten besuchen. Ende April, als die Aufstellung der Gedenktafel zur Erinnerung an die vier vom iranischen Geheimdienst ermordeten Exil-Iraner im Restaurant Mykonos in Berlin für Unmut in Teheran sorgte, wurde das Institut unter einem Vorwand vorübergehend geschlossen.

Dass die Ausstellung stattfindet ist sicher ein weiteres Zeichen für die kulturelle Öffnung des Irans, aber es ist nur eine Seite der Medaille. Gestern fand zur selben Zeit eine Veranstaltung von 600 Studenten in der Universität statt, um gegen die Bestätigung des Todesurteils gegen Hashem Aghajari zu protestieren. Dem Akademiker wird Blasphemie vorgeworfen, weil er öffentlich erklärt hatte, Moslems seien keine Affen, die blind irgendwelchen religiösen Führern nachzulaufen hätten.

Am vergangenen Wochenende wurde eine Reihe von Internet-Unternehmen, weil sie den Zugang zu bestimmten Webseiten nicht ausreichend blockieren, geschlossen. In den letzten Wochen sind wieder die Sittenwächter in Restaurants aufgetaucht, die vorwiegend von einem jugendlichen Publikum besucht werden, um für die strikte Einhaltung der islamischen Bekleidungsvorschriften zu sorgen. Offensichtlich fühlen sie sich von dem Wahlsieg der Konservativen bei den Parlamentswahlen ermutigt.

Dinge passieren im Iran immer gleichzeitig und widersprüchlich. Der Prozess ist verwirrend und die Richtung ist nicht immer klar zu erkennen.

Um so wichtiger ist es, eine Alternative zum herrschenden Dogmatismus zu bieten. Gerhard Richter mit seinen beharrlichen Untersuchungen zu Sprache der Bilder ist da ein sehr hilfreiches Angebot.

 

Länge 4:43

 

 

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© Martin Ebbing 2004