Iran: Asadollah Rezayee

Bei Rückfragen erreichen Sie mich telefonisch unter

[49] 0700.04045444

oder einfacher per Email



Bis zum Abendgebet sind es noch zwei Stunden. Dies ist der eine Grund, warum das Gedränge auf dem Tadjisch Basars im Norden Teherans weniger tuchnah und das Geschupse weniger ruppig ist. Zudem ist noch Noruz, die Feiertage nach Beginn des neuen Jahrs nach persischem Kalender am 21. März, an denen alle Ämter, Banken und Behörden geschlossen sind, keine Zeitungen erscheinen und man die Verwandten besuchen geht.

Ob Norooz oder nicht, Asadollah Rezayee muss Geld verdienen, und er verdient sein Geld mit Obst und Gemüse.

O-TON 1

Original Farsi

24 seiner bislang 42 Lebensjahre hat er Gemüse verkauft. Sein Traumjob war es nicht.

O-TON 2

Als Kind hatte ich andere Vorstellungen und wäre gern etwas anderes geworden, aber es hat nicht sollen sein. Was immer Gott für uns vorsieht, wird das Richtige sein.

Seit Vater war Bauer. Asadollah Rezayee wollte gern die Landwirtschaft übernehmen, aber der Hof war überschuldet und es gab noch Brüder, Ansprüche anmeldeten. Aber ehadert nicht mit seinem Schicksal.

O-TON 3

Gott sei Dank, ich bin nicht unglücklich mit meinem Leben. Ich versuche mein Bestes, arbeite hart, und ich bin glücklich über das, was Gott mir gibt.

Glück ist für Asadollah Rezayee eine recht überschaubare Angelegenheit mit einem nicht allzu weit gesteckten Horizont.

O-TON 4

Ich bin glücklich, dass ich eine Arbeit habe und meine Familie ernähren kann. Ich möchte mich nicht vor meiner Familie schämen müssen. Wenn man Geld verdient, für seine Familie sorgen kann, dann sollte man zufrieden sein.

Es gibt Menschen, die auf die Frage, was sie sich für das neue Jahr wünschen, mit „Gesundheit“ antworten. Es ist die nächstliegende Antwort, jeder sagt es, und die eigenen Gefühle und Gedanken sind viel zu verworren, die Wünsche viel zu drängend und widersprüchlich, als dass sie sie in Sprache kleiden könnten.

Asadollah Rezayee gehört nicht zu diesen Menschen. Sein Leben gleicht eher einem Obstgarten: es gibt größere und kleiner, schmackhafte und weniger schmackhafte Früchte, aber alles ist Gottes Werk.

Der Gedanke an eine göttliche Ordnung, in der alles seinen festgefügten Platz hat, ist für Rezayee sehr beruhigend. Damit erhält auch sein eigenes Leben seine wohlgefügte Ordnung, lässt Träume nicht so hoch fliegen und Enttäuschungen leichter ertragen.

Es muss schon etwas Grosses, Mächtiges passieren, wie eine Naturkatastrophe vor einem Monat, um dieses Leben aus der Bahn zu werfen.

O-TON 5

Ich fuhr nach Rascht und blieb in meinem Auto vier Tage lang in dem großen Schneesturm stecken. Ich hatte kein Wasser und nichts zu essen. Am vierten Tag bekam ich EINE gekochte Kartoffel. Der Schnee war zwei Meter hoch und ich steckte darunter. Ich war sehr besorgt und meine Familie machte sich natürlich auch große Sorgen. Es war der schlimmste Tag in meinem Leben.

Aber das ist jetzt vorbei. Das Leben ist wieder in die alten Bahnen zurückgekehrt. Asadollah Rezayee wendet sich wieder seinem Gemüsestand zu und beginnt die Gurken der Länge nach zu ordnen.

 

Länge 3'35

 

siehe auch Weltweit 24. März

 

[Angebote]


top

© Martin Ebbing 2005