Iran: Reaktionen auf US Angriffspläne

Bei Rückfragen erreichen Sie mich telefonisch unter

[49] 0700.04045444

oder einfacher per Email



Alles nur ein Bluff, psychologische Kriegsführung, einer der üblichen Tricks aus Washington – so lautete der Tenor der Kommentare gestern in den konservativen iranischen Zeitungen.

„Die ganze Geschichte ist eigentlich nicht der Rede wert“, schrieb Kayan, ein konservatives Blatt, das vom obersten Führer des Landes, Ayatollah Ali Khatame'i herausgegeben wird.

„Ein Hund, der bellt, beisst nicht“, zitierte die Nachrichtenagentur MNA ein bekanntes Sprichwort und klärte ihre Leser darüber auf, dass die USA im Umgang mit mächtigen Staaten bluffen und sich nur trauen, kleine und schwache Länder anzugreifen. Der Iran dagegen sei inzwischen eine militärische Macht, die jeden Angreifer mit einem Regen aus Feuer und Tod begegnen werde.

Das klingt ein wenig wie das Pfeifen im Walde, denn auch die Konservativen können den Gedanken nicht so ganz von der Hand weisen, dass man es in Washington vielleicht doch ernst meint.

Dass die Amerikaner etwas im Schilde führen könnten, haben sich die Leser der selben Zeitungen in den letzten Wochen selbst zusammenreimen können. So wurden immer wieder unbekannte Kampfflugzeuge und andere Flugobjekte gemeldet, die unbefugt in den iranischen Luftraum eingedrungen seien. Im Dezember erging die Order an die Luftwaffe, alle unbekannten Objekte, die sich nuklearen Anlagen nähern, abzuschießen. Gleichzeitig wurde die Flugabwehr rund um die einschlägigen Anlagen verstärkt.

Natürlich weiß man auch in Teheran, dass man mit Flakgeschützen kaum eine Chance gegen Cruise Missiles besitzt, die punktgenau ein Objekt zerstören können. So hat sich auch das iranische Militär seinerseits aufs Bluffen verlegt.

„Wir sind in der Lage zu sagen, dass wir stark genug sind, dass uns kein Land angreifen kann, weil sie dank unserer flexiblen Strategien keine Informationen über unsere militärischen Möglichkeiten haben“. Mit diesem gewundenen Satz erklärte Verteidigungsminister Ali Shamkhani die geschickte Täuschung zur Säule der militärischen Abschreckung.

Hinter den Kulissen wird freilich ein wenig ernsthafter darüber nachgedacht, was die zweite Amtszeit von US Präsident Bush dem Iran bringen könnte. Zwischen Afghanistan und dem Irak (beide jüngst von den USA „befreit“) eingeklemmt zu sein, ist keine komfortable Lage.

Bislang glaubt man in Teheran, dass den USA aufgrund der Entwicklung im Irak erst einmal der Appetit auf weitere militärische Abenteuer vergangen sei, aber gleichzeitig registriert man auch, dass Präsident Bush bei der Verfolgung seiner Ziele trotz Rückschläge einige Dickköpfigkeit an den Tag legt.

Der durchschnittliche iranische Zeitungsleser wird seine gestrige Lektüre mit sehr gemischten Gefühlen beendet haben. Die konservativen Machthaber im Lande sind alles andere als populär, aber die Aussicht auf US Luftangriffe wird ihnen einen tiefen Schauer über den Rücken gejagt haben.

Die überwiegende Mehrheit hat nach der Revolution vor 25 Jahren und dem anschließenden achtjährigen Krieg gegen den Irak die Nase von gewaltsamen Veränderungen grundsätzlich voll. Und wer sehen will, was passieren kann, wenn die USA einen ungeliebten Diktator aus seinem Palast bomben, der muss nur in das Nachbarland Irak blicken. Das iranische Fernsehen liefert täglich die Bilder.

 

Länge 3'17

 

 

[Angebote]


top

© Martin Ebbing 2005