Iran: Jafaari Besuch in Teheran

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Für den Iran erscheint kein Vergleich zu pompös, um die Bedeutung des Ereignisses herauszustreichen. Seit gestern ist der irakische Premierminister Ibrahim Jafaari für drei Tage zu Gast in Teheran. In seinem Gefolge reisen gleich 10 Minister, die mit ihren Gegenübern auf iranischer Seite über eine bessere Zusammenarbeit in den Bereichen, Wirtschaft, Handel, Öl, Militär, Grenzsicherheit, Terrorismusbekämpfung, Elektrizität, und Besuch von Pilgern verhandeln wollen.

Dies sei ein Treffen von historischer Dimension, ist heute in den iranischen Tageszeitungen zu lesen. Vize-Präsident Mohammad Reza Aref sprach bei der gestrigen Begrüßung am Flughafen von einem „neuen Kapitel in den Beziehungen zwischen den beiden Staaten“.

In der Tat ist dies das erste Treffen auf dieser Eben seit dem Krieg zwischen beiden Staaten 1980 bis 1988 und dem Sturz des Diktators in Bagdad.

Möglich wurde es durch den Machtwechsel im Irak. Im Januar dieses Jahres wurde eine neue Regierung gewählt, die mehrheitlich von Schiiten gestellt wird, die wiederum aus historischen wie religiösen wie aber auch aus aktuellen politischen Gründen gute Beziehungen zum Nachbarland pflegen. Man gehört nicht nur zur selben Schule des Islams und besucht die selben Heiligtümer, sondern viele schiitische Aktivisten, die heute an der Macht beteiligt sind, verbrachten ihr Exil zu Saddams Zeiten im Iran und wurden dort auch großzügig unterstützt.

Es macht auch sehr viel Sinn, miteinander zu reden. Aus der Sicht Teherans ist der Irak ein grosser, unerschlossener Markt direkt vor der Haustür. Iranische Geschäftsleute suchen nach Investitionsmöglichkeiten. Der Irak braucht Elektrizität, der Iran kann sie verkaufen. Man kann gemeinsam Hafenanlagen am Persischen Golf wiederaufbauen und nutzen. Iranische Pilger wollen zu den heiligen Stätten in Najaf und Kerbala, irakische Pilger in das iranische Maschad. Die irakische Regierung hat Mühe, ihre Grenzen gegen einsickernde Terroristen zu sichern, und benötigt dazu die Zusammenarbeit mit den Iranern.

Im Hintergrund besteht aber der Verdacht, dass über mehr als über diese Sachthemen gesprochen wird. Es ist kein Geheimnis, dass man in Teheran über den Sieg der Schiiten bei den Wahlen im Irak hoch erfreut war und auch ein wenig mit Geld und anderen Mitteln nachgeholfen hat. Der Iran sieht den Irak als Ausweitung seines Einflussgebietes – ironischer Weise dank der militärischen Intervention der Amerikaner.

Und man hat ja auch gemeinsame politische Interessen. Beide Seiten wünschen sich einen baldigen Abzug der Amerikaner. Gemeinsam teilen sie ein Misstrauen gegenüber den Ambitionen der sunnitischen Nachbarstaaten wie Jordanien oder Saudi Arabien. Zudem weiss man es in Teheran sicher zu schätzen, dass nicht wenige einflussreiche Schiiten den neuen Irak gern als einen islamischen Staaten festgeschrieben wissen wollen.

In Washington betrachtet man den Besuch deshalb mit äußerstem Argwohn. Öffentliche Einwände können die USA gegen das Treffen nicht erheben. Wer kann schon etwas dagegen haben, dass der neue Irak gute Beziehungen zu seinen Nachbarn aufzubauen und alte Zwistigkeiten zu begraben versucht?

Aber das Zähneknirschen ist nicht zu überhören, zumal der Iran, den die USA jahrelang politisch und wirtschaftlich zu isolieren versucht haben, nun zu einem noch wichtigeren Akteur in der Region geworden ist.

 

Länge 3:59

 

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© Martin Ebbing 2005