Iran: Golestan Palast

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[Schwan, Palast mit Verkehr]

Was sich wie ein Schrei des Entsetzens anhören könnte, ist ganz harmlos: ein Schwan zieht auf dem Teich vor dem Golestan Palast seine Runden und spielt sich vor seinen Artgenossen auf. Der Gedanke an Entsetzen liegt allerdings buchstäblich nicht so weit entfernt, denn der Palast befindet sich direkt neben den Gerichtsgebäuden im Zentrum der Stadt, wo oft Urteile gesprochen werden, die mit Recht, geschweige denn Gerechtigkeit, wenig zu tun haben.

Die 99,9 Prozent der Besucher Teherans, die sich fragen, wo bitte ist denn hier der Orient?, sind hier richtig. Die anderen 0,1 Prozent, die ein wenig Erholung von den Menschenmassen, den Autolawinen, dem Lärm und der Schubserei suchen, auch.

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[Park]

Der Golestan Palast ist eine Oase der Ruhe, eine grüne Insel in Megapolis. Obwohl der Ort in keinem Reiseführer fehlt, verirren sich nur selten Touristen hier her. Pech gehabt.

Gebaut wurde die Anlage, die sich um einen kleinen Park gruppiert, Ende des 19. Jahrhunderts von Nasir ad-Din, einem Herrscher der Kadscharen-Dynastie, von dem vor allem die Erinnerung geblieben ist, den Britten die Rechte zur Ausplünderung des Landes abgetreten zu haben. Er tourte durch Europa und brachte den sehnlichen Wunsch mit nach Hause, auch so einen prächtigen Palast zu haben.

Seine Nachfolger haben weitergebaut, umgestaltet und wieder abgerissen. Der letzte Schah, Reza Pahlevi, soll wenig Gefallen an den historischen Gemäuern gehabt haben, ließ einen bedeutenden Teil abreißen und zog es vor, in seinem Sommerpalast zu leben. Auch die neuen Machthaber nach der „islamischen Revolution“ 1979 waren von dem „dekadenten Prunk“ alles andere als begeistert. Erst in den letzten Jahren hat sich die Regierung des kulturellen Erbes angenommen und versucht nun mit den ersten Restaurationen den schleichenden Verfall zu stoppen.

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[Eingangsbereich]

Was man besichtigen kann, hängt vom Fortschritt der Bauarbeiten ab. Der Gemälderaum im ältesten Gebäudeteil ist noch unberührt und die bärtigen Finsterlinge und idyllischen Landschaften, die auf Decke und Wände gemalt sind, sind unter der dicken Schutzschicht kaum zu erkennen. An vielen Stellen ist auch einfach der Putz abgebröckelt oder ein unbarmherziger Handwerker hat mitten in das Gesicht einer Mätresse ein Loch gebohrt, um einen Haken zu befestigen.

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[Gemäldegalerie]

Die Gemäldegalerie gleich nebenan ist in besserer Verfassung. Die Kadscharen stellen sich vor: Futhali Shah mit einem Bart wie ein Bienenschwarm und sein sechster Sohn auf Glas gemalt, was damals wohl en vogue war. Mohammad Shah trägt roten Nagellack.


Ein ganzer Raum ist Mohammad Ghaffari Kashani, dem berühmtesten iranischen Maler der vergangenen Jahrhundertwende, gewidmet, der erst vom Hof ausgehalten wurde und dann die Flucht ergriff, um im Intrigengespinst nicht unterzugehen. Hinterlassen hat er Bilder des Irans der damaligen Zeit: Landschaften, das alte Teheran, Bedienstete und Handwerker.

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[Emarat]

Wer sich nicht so brennend dafür interessiert, was Könige sich so gegenseitig schenken (königlichen Krempel), kann den Hase Khane (Pool-Raum) einfach überspringen. Der beste Teil ist allemal der Schams Al-Emarat, ein Gebäude mit zwei hohen Türmen, die gebaut wurden, damit der Schah auch mal über die Befestigungsmauern hinwegschauen konnte. Auf die Türme darf man nicht, aber das untere Erdgeschoss ist ein Musterstück persischer Innenarchitektur. Ein Spiegelsaal, Türen, durch deren bunte Glasfenster das Licht fällt, um sich in den Spiegeln zu brechen, ein gewölbeartiger Raum mit historischen Kaligraphien.

Die Außenwand ist mit Kacheln verziert, die sich zu bunten Ornamenten oder kleinen Miniaturen zusammenfügen. Die Farben tanzen, Edelmänner jagen mit Lanzen einen Jaguar, die Hofkapelle in schwarzer Kleidung und mit pausbäckigen Gesichtern.

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[Fotogalerie]

Schließlich im Keller daneben eine Ausstellung mit historischen Fotos, die ein Gefühl dafür vermitteln, wie es bei Schahs damals so zuging, und den Betrachter mit der Erkenntnis überraschen, dass Teheran vor rund 100 Jahren kaum größerer als ein Marktfleck war.

Der Souvenirladen und das ethologische Museum sind derzeit wegen Reparaturen geschlossen, und auch die Teestube war versperrt, obwohl sie eigentlich geöffnet haben sollte.

Macht nichts. Bleibt der Park, in dem zwar von dem Golestan, dem Blumengarten, nach dem die Anlage benannt ist, nicht viel zu sehen ist, aber er hat Bänke im Schatten, auf denen man darüber nachsinnen kann, ob schon der modernisierungsbesessene Schah Pahlevi oder erst die gegenwärtigen kunstfeindlichen religiösen Eiferer den Grundstein dafür gelegt haben, dass das Teheran auf der anderen Seite der Palastmauern so trostlos und grau geworden ist.

 

Länge 4:40

 

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© Martin Ebbing 2004