Iran: Hungerstreik Akbar Ganji

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Ganji's Ehefrau, Masoumeh Shafiie, hatte ihren Mann am letzten Donnerstag das erste Mal seit Mitte März wieder gesehen. Der Anblick war erschreckend.

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Ich sah ihn gemeinsam mit seinem Anwalt. Er hatte mehr als 9 Kilo abgenommen. Seine Gesicht sah ganz gelb aus und er war sehr schwach. Er hatte viel von seiner Energie verloren und er hustete. Seine Medikamente hatte er abgesetzt, weil sei seine Krankheit nur noch verschlechtern. Er ist sehr krank und ich bin sehr um ihn besorgt.

Ganji hatte bei diesem Besuch seinen Hungerstreik gerade wieder aufgenommen. Am 20. Mai hatte er begonnen, alle feste Nahrung zu verweigern, dann aber aufgrund von Versprechungen der Gefängnisleitung eingelenkt.

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Sie hatten ihm gesagt, wenn du deinen Hungerstreik aufgibst, werden wir deinen Fall innerhalb von einer Woche klären. Gleichzeitig haben sie aber öffentlich erklärt, sein Hungerstreik sei weine Lüge und es wurde klar, dass sie nicht für ihn tun würden. Mein Mann hat einen starken Charakter und diesmal wird er es bis zum Ende durchführen.

Masoumeh Shafiie hat vor sich auf dem Tisch drei ärztliche Bescheinigungen liegen. Sie attestieren, dass der Journalist und Schriftsteller an schwerem Asthma, starkem Husten sowie einer Allergie leidet, die das Atmen behindert. Der Patient benötige eine Nasenoperation und müsse zur Heilung der Allergie für mehrere Monate in einer staubfreien Umgebung leben.

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Er ist in den Hungerstreik getreten, weil er nicht wie andere Gefangene behandelt wird. Wenn man im Gefängnis krank wird, wird man in der Regel zur medizinischen Behandlungen zeitweise aus dem Gefängnis entlassen. Meinem Mann wird diese zeitweise Entlassung verwehrt. Er hustet sehr stark und hat oft darum gebeten, in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden. Sie lehnen das ab. Es scheint, als wollten sie sich an ihm rächen und ihn unter Druck setzen.

Im Iran ist es üblich , dass Gefangenen ein Teil ihrer Strafe erlassen wird. Eine Reihe von politischen Gefangenen ist zudem im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen am 17. Juni begnadigt worden. Ganji hat man keine Vergünstigungen dieser Art gewährt.

Seine Frau, eine ehemalige Lehrerin, hat ihren Beruf inzwischen aufgegeben und ist zur Vollzeit-Führsprecherin ihres Mannes geworden. An unzählige Türen hat sie geklopft, Gespräche um Gespräche hat sie geführt und eine Flut von Anträgen gestellt.

Oft ist sie selbst in Ministerien und bei der Justiz mit Wohlwollen behandelt worden, aber geändert hat sich nichts.

Am Mittwoch letzter Woche hat sich erstmals auch Präsident Khatami, auf eine entsprechende Frage auf einer Pressekonferenz hin, für die Freilassung Ganjis ausgesprochen. Masoumeh Shafiie Ganji ist aber über den ehemaligen Mitstreiter ihres Mannes verbittert.

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Der Präsident hätte sehr schnell etwas bewirken können. Ich habe viele Male um ein Treffen mit ihm gebeten, aber er hat es abgelehnt. Mein Mann und er waren Kollegen. Er kennt meinen Mann sehr gut, aber er hat nichts unternommen. Seine letzten Äußerungen kommen zu spät.

Akbar Ganji ist ein Mann, der für seine Prinzipien einsteht – wie hoch der Preis auch immer dafür sein mag. Er hat brisantes Material über führende Politiker des Landes veröffentlicht, obwohl er das Risiko kannte. Er hat sich mit Gewalt in den Gerichtssaal schleppen lassen, weil er die Rechtmäßigkeit des Gerichtes nicht anerkannte. Seine Frau weiß, dass er auch dieses Mal nicht klein beigeben wird.

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Wenn man ihn unter Druck setzt, dann wird er nur noch entschlossener. Das Regime kennt ihn und sie sollten etwas tun. Mir gefällt dieser Hungerstreik nicht. Ich habe Angst um ihn.

 

Länge 5:37

 

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© Martin Ebbing 2005