Iran: Die europäische Wirtschaft und die Wahlen

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An der Teheraner Börse sitzt der Schrecken über einen möglichen Wahlsieg von Mahmud Ahmadinejad tief. Das Zitat macht die Runde, dass der erzkonservative gegenwärtige Bürgermeister von Teheran, der bei der Stichwahl gegen den als wirtschaftsfreundlich geltenden Ali-Akbar Haschemi Rafsanjani antritt, die Börse schließen wolle, weil sie dem Glücksspiel ähnele, das laut Koran verboten ist.

Selbst wenn es dazu nicht kommen würde, gilt Ahmadinejad aber als ein Mann, der die wirtschaftlichen Reformen der vergangenen Jahre, die Öffnung der Märkte und ausländischen Investitionen, wieder rückgängig machen will.

Betroffen wäre von solchen Entscheidungen auch die europäische Wirtschaft, die sich in den letzten Jahren zunehmend im Iran engagiert hat. In den Jahren von 200 bis 2004 hat sich allein der Handel von Deutschland in den Iran verdoppelt.

Der Iran ist, so der unabhängige Wirtschaftsberater Amir Ali Nourbakhsh, derzeit der attraktivste Wirtschaftsstandort im Mittleren Osten.

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Der Iran ist ein aufstrebender Markt. Mit 68 Million Einwohnern ist er sehr bevölkerungsreich und eines der jüngsten Länder der Welt. Die Wasser- und Landgrenzen zusammengenommen hat der Iran 15 Nachbarländer. Es ist ein sehr sicheres Land im Sinne von Terrorismus, und besonders nach dem Fall der Taliban und von Saddam Hussein sind die östliche und westliche Grenze sehr sicher geworden.

Hinzu kommt, dass US Firmen aufgrund der amerikanischen Sanktionen kaum als Konkurrenten auftreten.

Die Firma BASF ist seit Schah-Zeiten kontinuierlich im Iran vertreten, eine Entscheidung, die sich nach Auffassung von Kurt-Henning Sthamer, Geschäftsführer von BASF Iran, auszahlt.

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Für die BASF ist der Iran durchaus ein Wachstumsmarkt, ein wichtiger Markt für unser Geschäft, und das kann man sehen an der Tatsache, dass das Wachstum in Europa doch relativ gering ist und hier reden wir über circa 6 Prozent Wachstum, was von uns nicht nur genutzt wurde, sondern überproportional haben wir uns an diesem Wachstum hier beteiligt.

Ein anderes Beispiel ist DaimlerChrysler. Der Konzern wird in wenigen Monaten zusammen mit einem iranischen Partner die ersten PKWs anbieten, die im Lande montiert wurden. Das Hauptgeschäft für den Autobauer sind aber LKWs und Busse. Jürgen Kurz, Geschäftsführer von DaimlerChrysler Iran:

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Der Iran hat kein gutes Eisenbahnnetz, der Iran hat ein überlastetes Flugzeugnetz, Luftverkehrsnetz, keine Schifffahrt und damit bleibt nichts anderes übrig, als die Waren auf der Strasse zu transportieren und da sind wir einer der größten Anbieter von LKWs.

Die größte ausländische Investition im Iran seit der islamischen Revolution tätigt derzeit Renault. Ab Frühjahr nächsten Jahres sollen hier, so Andreas Gabriel, Geschäftsführer von Renault Pars, jährlich bis zu 300.000 Stück des Kleinwagens Logan produziert sind. Das wären mehr Fahrzeuge als Renault in Deutschland – seinem bislang wichtigsten Automarkt – absetzt.

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Renault hat ein strategisches Ziel. Das ist im Jahre 2010 4 Million Fahrzeuge zu bauen und dazu muss man eben in Länder gehen, wo es Wachstum gibt. Europa wächst nicht mehr sonderlich. In den Vereinigten Staaten oder im nordamerika Kontinent sind wir nicht, und in Asien – außer China – das wächst auch nicht mehr sehr stark. Das heißt, man muss sich fokalisieren auf Länder, wo es wirklich sehr große Wachstumszahlen gibt. Der Markt ist hier seit fünf, sechs Jahren mit Wachstumszahlen über 20, 25 Prozent im Automobilbereich und das ist natürlich schon sehr interessant.

Wenn so viel Geld auf dem Spiel steht, dann ist ein möglicher Richtungswechsel in der Wirtschaftspolitik nicht ohne Bedeutung. Bei den gegenwärtigen Wahlen geht es aus der Sicht von Wirtschaftsberater Nourbakhsh um einen grundsätzlichen Kurs.

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Es macht einen großen Unterschied, ob Rafasnajani gewählt wird, der eine offene wirtschaftspolitische Auffassung besitzt, oder Ahmadinejad, der eine staatlich kontrollierte Wirtschaft bevorzugt.

Die Wirtschaftsvertreter im Iran geben sich wie Andreas Gabriel von Renault – zumindest nach außen – dennoch gelassen.

O-TON 6

Wahlen gibt es in jedem Land. Hier ist es natürlich vielleicht manchmal ein wenig dramatischer, aber wir konzentrieren uns auf die langfristige Arbeit.

Was bleibt der europäischen Wirtschaft auch anders üblich, als eine gute Miene aufzusetzen? Es wäre unklug, es sich mit einem zukünftigen Wahlsieger zu verderben und wieder einpacken lässt sich eine Autofabrik auch nicht so einfach.

 

Länge 4:59

 

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© Martin Ebbing 2005