Iran: DJ Maryam

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ATMO 1

[Musik]

Wenn man in diesen Tagen in Teheran in ein Taxi steigt, dann ist es schwer, dieser Musik aus dem Weg zu gehen.

[Musik aufziehen]

O-TON 1:

Seit einem Monat höre ich diese Musik in jedem Taxi - so Sanas - und ich habe einen Fahrer gefragt, was das ist. Er erzählte mir, die Sängerin sei DJ Maryam. Die CD sei in Teheran aufgenommen worden und Maryam sei inzwischen verhaftet.

Dass eine Frau wegen ihrer Musik verhaftet werden könnte, leuchtet jedem Iraner sofort ein, denn Frauen ist es verboten, vor einem gemischten Publikum zu singen. Eine weibliche Stimme könnte nach Auffassung der konservativen Moralhüter die Männerwelt zu sehr in Erregung versetzen.

Eine weibliche Sängerin, die dieses Verbot durchbricht, erweckt natürlich Interesse.

O-TON 2:

Ich mag diese Musik nicht, aber es ist natürlich interessant zu wissen, wo das herkommt und wer das ist. Weil bei uns in den Zeitungen oder im Fernsehen nichts dazu zu erfahren ist, habe ich überall bei Freunden rumgefragt.

Dass DJ Maryam verhaftet worden war, stellte sich als falsch heraus, aber die Sängerin selbst hielt sich versteckt. Wo es keine handfesten Informationen gibt, schießen die Gerüchte und Spekulationen ins Kraut.

Unabhängig davon, ob sie die Musik mochten oder nicht, galt Maryam den einen als mutige Vorkämpferin für die Rechte der Frauen, den anderen wie Laleh nur als eine von vielen, die schlicht Spass haben und sich nicht bevormunden lassen möchten.

O-TON 3:

Ich kenne sie natürlich nicht persönlich, aber ich habe ihre Musik auf vielen Parties gehört und ich würde sie sehr gern einmal kennen lernen.

Das Geheimnis um Maryam hat die Verbreitung ihrer Musik nur noch weiter angeheizt. Kaum ein einschlägiges Geschäft in der Stadt, das nicht unter dem Ladentisch Kopien verkauft. Von unzähligen Webseiten kann man sich die Titel herunterladen.

Und dann tauchte die große Unbekannte plötzlich auf. In einem Interview mit dem persischen Programm der BBC erklärte sie, sie seine sehr religiöse Person und eine Moludi , eine Sängerin, die nur bei Festlichkeiten und religiösen Anlässen vor Frauen auftrete. Ihre Musik sei gestohlen und von Unbekannten neu gemischt worden. Sie selbst habe mit all dem nichts zu tun.

Niemand mochte dies allerdings glauben. Das Regime – so ist auch Sanas überzeugt – habe sie zu diesen Aussagen gezwungen.

O-TON 4:

Das war alles mehr oder weniger nur zu ihrem eigenen Schutz, dass sie gesagt hat, die Eltern seien sehr religiös und so weiter. Selbst wenn die Musik gestohlen wäre, wäre es nie zu diesem Trubel um sie gekommen, wenn sie es nicht zumindest geduldet hätte.

Ihrer Popularität hat das Interview nicht unbedingt geschadet. Schließlich versteht im Iran jeder, dass man gelegentlich ein wenig lügen muss, um dem Druck der Wächter der Moral zu entkommen.

Allerdings hat das Bild von Maryam als selbstlose Brecherin eines Tabus ein wenig einen Sprung bekommen. Shadi ist Musikkritikerin und hat viele Kontakte in der iranischen Musikszene. Sie ist sich sicher, dass Maryam die ganze Aufregung selbst inszeniert hat, um ins Gespräch zu kommen und bekannt zu werden.

O-TON 5:

Es ist falsch zu glauben, dass sie sich für die Freiheit einsetzt. Sie sagt ja selbst über sich, dass sie eigentlich nur für sich selber singen will. Aber ob sie das nun wollte oder nicht, das Gesangsverbot für Frauen ist mit ihr zu einem Thema geworden und vielleicht gibt das den Anstoß, dass sich daran etwas ändert.

ATMO 2

[Musik]

Es wäre nicht das erste Mal im Iran, dass ein Verbot dadurch fällt, dass es einfach ignoriert wird. Es muss nur jemand den Anfang machen.


Länge 4:10

 

 

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© Martin Ebbing 2004