Iran: Der DFB und die iranischen Frauen

Bei Rückfragen erreichen Sie mich telefonisch unter

[49] 0700.04045444

oder einfacher per Email



Vor acht Jahren gab es im Iran eine kleine Revolte, ausgelöst durch ein Fußballspiel.

O-TON 1:
Die iranische Nationalmannschaft gewann damals ein Spiel gegen Australien und qualifizierte sich damit für die Weltmeisterschaft in Frankreich. Es gab großen Jubel und ich bin zum Stadion gefahren, wo sich Tausende versammelt hatten. Die Polizei rief über Lautsprecher dazu auf, wieder nach Hause zu gehen. Viele Frauen waren da, die einfach das Stadium gestürmt haben. Es war das erste Mal seit der Revolution, dass sie dort hineingekommen sind. Es war ein Triumph – nicht nur wegen des gewonnen Spiels, sondern weil wir Frauen uns Zugang verschafft hatten.

Wovon Aresu erzählt, brachte damals das Regime leicht ins Wanken. Das Verbot für Frauen, Männersport im Stadium live zu verfolgen, hat aber bis heute überlebt. So wird das Länderspiel gegen Deutschland fast ausschließlich eine Männersache sein. Die Frauen müssen draußen bleiben.

Ausnahmen gibt es nur für weibliche iranische wie deutsche Journalisten, weibliche Mitglieder der DFB-Delegation und einige weibliche, europäische Fans, die in Teheran leben. Aber auch bei ihnen wurde die Ausgabe der Karten äußerst restriktiv gehandhabt. Anfragen mussten zuvor beim iranischen Fußballverband schriftlich unter Angabe der Reisepassnummer eingereicht werden.

Der DFB, der ansonsten gern sein sportpolitisches Engagement herausstreicht, scheint sich nicht daran zu stören, dass iranische Frauen dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft nicht zuschauen dürfen. DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder mochte sich gestern in Teheran nicht selbst zu dieser Frage äußern, sondern schickte Sprecher Harald Stenger vor.

O-TON 2:
Wir können zunächst mal nur sagen, dass wir die Sitten und Gebräuche hier im Iran selbstverständlich akzeptieren und dass wir uns nicht in interne Angelegenheiten und Regelungen des iranischen Verbandes einmischen, wie das hier mit dem Besuch ist. Für uns war es wichtig, dass die deutschen Frauen, die mitwollen, ins Stadium können.


Es ist mehr als eine Verzerrung, die Diskriminierung der Hälfte der Bevölkerung eines Landes als „Sitten und Gebräuche“ zu bezeichnen. Der Ausschluss des weiblichen Publikums widerspricht nicht nur jedem Sinn von Fairness, sondern verstößt klar gegen die Regeln des internationalen Sports, der jede Benachteiligung einer Bevölkerungsgruppe ausdrücklich verbietet.

Darauf zu beharren, dass die eigenen Frauen entgegen der „Sitten und Gebräuche“ Zutritt erhalten und die einheimischen Frauen zu ignorieren, macht die Angelegenheit eher schlimmer als besser.

O-TON 3:
Wir können nur sagen, wenn ich von Sitten und Kultur des Landes rede, dass wenn wir hier als Gast sind, uns auch als Gast benehmen. Wir werden hier – ich wiederhole mich da noch einmal - keine Stellungnahmen zu politischen oder sozialen Angelegenheiten innerhalb dieses Landes geben.

Aus Kreisen, die mit den bei Länderspielen üblichen vertraglichen Vereinbarungen vertraut sind, war zu erfahren, dass auch in dem Vertrag mit der iranischen Fußballföderation ein Passus enthalten ist, der ausdrücklich den freien Zugang für jedermann zu dem Spiel festlegt. Beim DFB wollte aber gestern niemand so recht etwas über die Existenz einer solchen Vereinbarung wissen. Bestritten wurde sie allerdings auch nicht.

Die iranischen Frauen, die auch im Sport versuchen, sich ihre Rechte zu erkämpfen, fühlen sich von der Haltung des DFB im Sich gelassen.

O-TON 4:
Ich denke, die deutschen Fußballfunktionäre interessieren sich nicht für die iranischen Frauen. Sie denken allein an ihre Beziehungen zum iranischen Fußballverband. Dabei hätten sie wirklich etwas tun können. Hätten sie gesagt, wir spielen nicht, wenn die Frauen nicht hineindürfen, dann hätte die Regierung mit Sicherheit nachgegeben.

Von den Möglichkeiten des Sport auch jenseits von Grenzen, sprach Teamchef Jürgen Klinsmann gestern auf der Pressekonferenz, als es um die Solidarität mit den Erdbebenopfern in Bam ging. Ein Teil der Einnahmen des Spiels soll für den Bau eines Sportzentrums in Bam eingesetzt werden.

Beim Thema Frauen hat der DFB diese Chance schon vergeben, bevor das Spiel angepfiffen wird.


 

Länge 4:06

 

[Angebote]


top

© Martin Ebbing 2004