Iran: Darband

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[Darband Fuss]

Wenn man es in Rom so macht wie die Römer, dann sollte man auch in Teheran den Berg hinaufklettern.

Wie eine Mauer steht im Norden das Elbrus-Gebirge hinter der Stadt, im Winter schneebedeckt, im Sommer nichts als nackter Stein. An zwei Stellen haben Gebirgsbäche in den Fels eine Schlucht gegraben, die vom Fuß bis fast zur Spitze reicht.

Die Berge bedeuten für die Teheraner Freiheit. In aller erster Linie Freiheit von der drückenden, stickigen Hitze und den Autoabgasen, die den größten Teil des Jahres das Leben in der Stadt zu einem Belastungstest machen.

Also nichts als ab in die Berge, wo die Luft frischer und kühler ist.

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[Autos]

Es wäre nicht der Iran, wenn man die Flucht vor den Abgasen nicht im Auto antreten würde. Der Weg ist zwar steil, aber selbst dort , wo er nicht mehr asphaltiert ist, zwängen sich die kleinen Peugots und iranischen Paykans die Gasse hinauf.

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[Ausrufer an einem Stand]

Der untere Teil von Darband, einer der beiden Schluchten, gleicht einem Jahrmarkt ohne Karussells. Links und rechts sind kleine Stände aufgebaut, die vor allem Rotes anbieten: Brombeeren, Granat, Rote Beete – mal als Frucht pur in kleinen Plastikschalen, dann als Saft oder auch als Paste zwischen Zellophan gepresst. Dazwischen große Aluminiumteller mit warmen Bohnen und Einmachgläser, in denen unreife Walnüsse in einer Lauge schwimmen – beides Geschmacksrichtungen, an die man sich nicht unbedingt gewöhnen muss.

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[Restaurant]

Der untere Teil ist die Essecke. Grosse Restaurants, die über verschiedene Terrassen die Felswände hochkraxeln und in der Dunkelheit bunt leuchten, bieten Speisen für Ausflügler. Das übliche: Huhn am Spieß, Lamm am Spieß, Geflügelleber am Spieß, Nieren am Spieß. Die Leber soll besonders stärkend sein, was sich beim weiteren Aufstieg noch als sehr hilfreich erweisen kann.

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[Fluss]

Der Weg führt an dem kleinen Fluss entlang, dem die Schlucht zu verdanken ist. Die Verkaufsstände und Restaurants werden immer kleiner und die Speisekarten immer simpler. Verständlich, denn wer mag schon kistenweise Hühnernieren den Berg hinaufschleppen?

Wer aus der Puste kommt, kann Tee trinken oder auch Wasserpfeife rauchen, wenn er eben ein „Er“, heißt: männlich ist. Frauen ist das Saugen an den blubbernden Vasen in der Öffentlichkeit verboten worden, weil es nach Ansicht religiöser Autoritäten irgendwie nicht islamisch-weiblich ist.

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[junge Leute]

Die Schar der Ausflügler hat sich spätestens hier sortiert. Wer schon etwas gesetzter ist, Probleme mit den Knien oder mit der über viele Lebensjahre erworbenen Leibesfülle hat, hat schon vorher aufgegeben. Das Publikum ist – von den sehnigen Naturfreunden, die in jeder Altersgruppe vorkommen, mal abgesehen – überwiegend unter dreißig.

Sie treibt nicht allein der sportliche Ergeiz den Berg hinauf, sondern sie wollen die Aufpasser und Sittenwächter hinter sich lassen - Herren gesetzten Alters mit meist kurzem Atem.

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[Schritte, Schnaufen]

Wenn man sich von den steilen Stufen nicht schrecken lässt und weiterkraxelt, kann es vorkommen, dass ein Windhauch den süßlichen Geruch von Haschisch heranträgt. Gruppen junger Männer oder vereinzelte Paare sitzen hinter einer Biegung und benehmen sich ganz auffällig unauffällig.

Die Männer geben der Freundin die Hand, um ihr den Felsen heraufzuhelfen, und lassen dann nicht mehr los.

Ganz Kühne stecken sogar die Köpfe eng zusammen und man könnte fast den Eindruck haben, sie würden sich zärtlich küssen – was natürlich nicht sein kann, weil es im Iran in der Öffentlichkeit streng verboten ist.

Sicher ist aber, dass sie über eine ausgezeichnete Kondition verfügen müssen.


 

Länge 3:59

 

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© Martin Ebbing 2004