Iran: Kontroverse um das Atomprogramm

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Aus der Sicht des Irans wird dem Land von den westlichen Staaten ganz übel mitgespielt.

O-TON 1:
Es ist unser Recht, friedliche Atomenergie zu nutzen – so Präsident Khatami. Zur friedlichen Nutzung zählt auch die Technologie zur Anreicherung von Uran als Brennstoff in unserem Atomreaktor. Das ist unser Recht und wird uns durch den Atomwaffensperrvertrag garantiert.

Kein iranischer Politiker, der in diesen Tagen nicht auf dieses Recht hinweist, das dem Iran in der Tat mit der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags zugestanden wird. Unermüdlich erinnern sie wie Dr. Hossein Mousavian, Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates, daran, dass seit der Revolution 1979 die islamische Republik beim Bau seiner Atomanlagen behindert wird.

O-TON 2:
Das Spiel gegen die Rechte des Iran startete in Deutschland. Alle Mitglieder des Atomwaffensperrvertrages haben ein Recht auf nukleare Energie, aber Deutschland entschied, den Atomreaktor nicht fertig zu stellen.

Die Firma Siemens zog sich vom Bau des Reaktors in Bushehr zurück, der noch vom Schah in Auftrag gegeben worden war, als Ayatollah Khomeini die Macht übernahm. Inzwischen bauen Russen die Anlage weiter, die Ende 2006 in Betrieb genommen werden soll.

Die friedliche Nutzung von Atomenergie wäre vielleicht kein großes Problem, wenn nicht der Verdacht bestände, dass der Iran ein geheimes Atomwaffenprogramm betreibt. Beweise dafür gibt es nicht, aber eine Reihe von Hinweisen.

Im August 2002 wurden Satellitenaufnahmen bekannt, die zeigten, dass der Iran neben Bushehr weitere atomare Anlagen baut.

In Arak entsteht ein Forschungsreaktor, bei dessen Betrieb als Nebenprodukt ausreichend Material für ein Bombe abfallen würde.

In Natanz wird an einer großen unterirdischen Wiederaufbereitungsanlage gearbeitet, die Uran für zivile Reaktoren liefern soll, aber auch den Stoff für eine Bombe liefern könnte.

Der Atomenergiebehörde in Wien, die die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrages überwachen soll, war dies nicht gemeldet worden. Dr. Mousavian hat auch dafür eine Erklärung:

O-TON 3:
Es gab für den Iran keine andere Möglichkeit, weil der Westen nicht bereit war, mit uns zusammen zu arbeiten. Nur Embargos, Einschränkungen und Blockade jeder friedlichen Nukleartechnologie für den Iran. Wir konnten den Mitgliedern der Atombehörde und des Atomwaffensperrvertrages nicht vertrauen.

Die Atomenergiebehörde schickte Inspektoren. Die Kontrollen brachten keinen Beleg für ein Atomwaffenprogramm zu Tage, warfen aber neue Fragen auf. So wurden Spuren waffenfähigen Urans entdeckt, obwohl der Iran bestreitet, solches Material produziert zu haben. Pläne und Anlagenteile wurden gefunden, von denen Teheran eingestand, sie auf dem Schwarzmarkt gekauft zu haben. Lieferant war Abdul Kadir Khan, der Vater der pakistanischen Atombombe, der sich mit dem Verkauf von Plänen und Teilen privat etwas dazu verdiente.

Die USA sehen sich durch solche Vorfälle in dem Verdacht bestätigt, der Iran betreibe ein geheimes Atomwaffenprogramm und wollen die Angelegenheit an den UN Sicherheitsrat überweisen, der Strafmassnahmen beschließen kann. Die europäischen Staaten dagegen glauben, der bessere Weg sei es, Teheran durch Verhandlungen von eventuellen Atomplänen abzubringen.

Im Oktober letzten Jahres trafen die Außenminister Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands in Teheran eine Vereinbarung, nach der sie bereit sind, ein ziviles Atomprogramm zu unterstützen und den Handel auszuweiten. Der Iran versprach im Gegenzug, das Aufbereitungsprogramm auszusetzen.

Wenn die Aufbereitungsanlage in Natanz in Betrieb geht, dann wäre der Iran beim Bau einer Bombe nicht mehr von ausländischen Lieferanten abhängig. Das Land besitzt eigene Uranvorkommen, die hier zu waffenfähigem Material angereichert werden könnten.

Das Versprechen gegenüber den Europäern wurde aber nur wenige Wochen eingehalten. Dann begann der Iran mit dem Bau weiterer Anlagenteile und Teheran hat jetzt sogar den ersten Test für die kommenden Wochen angekündigt.

O-TON 4:
Die Gegenseite hat ihre Verpflichtungen nicht eingehalten – so Regierungssprecher Ramazansadeh. Die Aussetzung der Arbeit an der Aufbereitungsanlage war von unserer Seite ein Entgegenkommen und ein Zeichen unseres guten Willens. Wir müssen aber auch den guten Willen der Gegenseite sehen.

Auch bei den europäischen Regierungen scheint die Geduld mit dem Iran nun so langsam erschöpft zu sein. Sie wollen Teheran nun eine letzte Frist setzen, bis zum November alle Aktivitäten im Bereich Wiederaufbereitung einzustellen.

Im Moment wird noch weiter verhandelt, aber sollte Teheran tatsächlich eine Atombombe bauen wollen, dann wird die Zeit knapp.

O-TON 5:
Wir haben bereits ohne westlich Hilfe die Technologie zur Anreicherung. Wir haben die Minen, wir haben die Zentrifugen.

 

Länge 5:00

 

HINWEIS: Zur aktuellen Entwicklung in der Iran-Krise schreibe ich ein Weblog

 

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© Martin Ebbing 2004