Paca


Die Reportagen
Radio
Die Reise

Email


GüzelisDie Auswahl zwischen den verschiedenen Restaurants, wo ich zum Abendessen hingehen kann, ist nicht einfach. Es gibt in der Stadt Diyarbakir eine Vielzahl von Möglichkeiten, seinen Hunger zu stillen. Die Wahl reicht von den fliegenden Grillstuben, die aus nicht mehr als einer Feuerstelle und ein paar Hockern auf dem Bürgersteig bestehen, über die einfachen Restaurants mit ein paar Resopaltischen, die vor allem Suppen anbieten, bis hin zu den teueren Restaurants, wie sie in besseren Hotels zu finden sind. Alkohol zum Essen gibt es meist nur in der oberen Preisklasse.

Man kann für zwei bis drei Mark gut satt werden, aber die Preisskala ist nach oben hin offen. Ein Bier kostet leicht drei Mark und für ein ausgiebiges Essen im "Class Hotel" sollte man schon 40 DM in der Tasche haben.

Einfacher ist dagegen die Auswahl der Speisen. Das Angebot auf den Speisekarten dreht sich vor allem ums Fleisch, genauer: um Lammfleisch. Kebaps, meist Lamm, notfalls auch Huhn oder gemischt, sind Trumpf. Dazu gibt es dann einen Salat aus Gurken und Tomaten (aber ohne Dressing). Das ist das Standardangebot. Je nachdem gibt es noch eine kleinere oder grössere Auswahl an Vorspeisen.

Dies ist türkische Restaurant-Standardware, vergleichbar mit dem Wiener Schnitzel, das sowohl im "Hertie" in Flensburg wie bei "Karstadt" in München als Mittagsgericht angeboten wird. Ausländische Restaurants (chinesisch, italienisch) oder ausländische Einflüsse auf das Speisenangebot (Pizza - um ganz vorsichtig anzufangen) habe ich bislang nDie Zutatenicht gefunden.

Nun ist die Esskultur in den Restaurants nicht unbedingt identisch mit der Esskultur der Region. Das gilt besonders in ärmeren Ländern. Was wird also sonst noch in Diyarbakir gegessen?

Zum einen Meftune, eine Speise mit gedünsteten Auberginen und gegrilltem, kleingehacktem Lammfleisch, die ich bereits einmal probiert habe (siehe 25. Mai). Und dann gibt es Paca (ausgesprochen: Patscha), was angeblich in jedem kurdischen Haushalt gegessen wird.

"Güzelis" in Diyarbakir ist eines der wenigen Restaurants, die Paca anbieten. Warum das Gericht in dieser armen Region oft gegessen wird, aber nicht unbedingt beliebt ist, wird leicht verständlich. Grundbestandteil, so erklärt mir Masum, der Koch, ist ein enthäuteter Schafskopf. Natürlich kann man auch mehrere nehmen. Dazu kommt gesäuberter und kleingeschnittener Schafsmagen und andere Innereien wie Lunge, die sonst in der Küche kaum Verwendung finden. Wer will, kann auch noch ein paar zerhackte Knochen hinzufügen. Das ganze wird mit Wasser bedeckt und bei nicht allzu grosser Hitze gekocht. Wie man diesen Sud würzt, bleibt dem Geschmack des Koches überlassen. Masum belässt es bei Salz und ein wenig Pfeffer. Üblich sind noch Zwiebeln, Knoblauch oder Petersilie. Nach zwei Stunden ist das Werk vollbracht.


PacaPaca sieht nicht unbedingt appetitlich aus. Graues Fleisch schwimmt in einer fettigen Brühe. Das Gericht schmeckt sehr intensiv nach Lamm konzentriert, wobei die unterschiedlichen Bestandteile unterschiedliche Nuancen besitzen. Lunge ist schwammig und ein wenig süsslich, Magen dagegen zäh und fast geschmacklos. Das Hirn mit seinem etwas nussigen Eigengeschmack ist eine besondere Delikatesse, ebenso die Zunge.

Bei "Güzelis" kann man sich den Kopf auch auf einem Extra-Teller servieren lassen, wobei eine Hälfte als ganze Portion gilt. Für das Hirn wird dann ein Löffel gereicht.

 

Eyvallah / Xatirete.

 

[top] [vorheriger Tag] [Übersicht Diyarbakir] [nächster Tag]

 

 

© Martin Ebbing 2001