Katzen als Therapeuten


Der Leiter des Psychologischen Instituts der Universität Bonn, Professor Dr. Reinhard Bergler, ist in einer Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass das Zusammenleben mit Katzen zu einer besseren Bewältigung von Lebenskrisen beitragen kann.

Die Katzenbesitzer, so Bergler, entwickeln beim Durchleben von Krisen wie Dauerstress am Arbeitsplatz, Trennung, Partnerschaftskonflikten oder Dauerarbeitslosigkeit im Vergleich zu katzenlosen Mitmenschen einen aktiveren Verarbeitungsmechanismus und eine verstärkte positive Mentalität. Menschen ohne Heimtiere versuchten in einer Krise, die kritischen Ereignisse zu verdrängen. "Die Ausbildung einer resignativen und auch depressiven Mentalität ist die Folge." schreibt Bergler. Eine Katze vermag zwar das Eintreten der Krise nicht zu verhindern, aber "das Ausmass der Betroffenheit kann insgesamt gemildert werden."

Die psychologische Bedeutung der Katze nehme mit Beginn der Krise zu, und das Ausmass der spielerischen und kommunikativen Beschäftigung mit ihr steige überdurchschnittlich. Damit sei nach Berglers Ansicht die wesentliche Voraussetzung für die Katalysatorwirkung einer Katze bei der Bewältigung erfüllt: verhärtete Einstellungen würden durch die Intensität positiver Gefühle entkrampft und auf diese Weise wieder veränderungsfähig. "Die Katze wird zum zentralen Vermittler von Alltagsfreuden."

Als emanzipierte Heimtiere seien Katzen eher als andere Haustiere in der Lage, eine solche therapeutische Rolle zu übernehmen. Ihre Beziehung zum Menschen sei intimer und partnerschaftlicher als die anderer Tire, während beim Hund beispielsweise das Herrschaftsverhältnis dominiere.

Auch das System mitmenschlicher Beziehungen funktioniere bei Katzenbesitzern besser. Ihre Kontakthäufigkeit sei grösser als bei Menschen ohne Haustiere, die zudem in stärkerem Mass Hilfe und Unterstützung ausserhalb ihres privaten sozialen Netzwerkes bei Therapeuten, Geistlichen und in Selbsthilfegruppen suchten. Eine Katze fördere das persönlich entlastende Gespräch über eigene Gefühle und Empfindungen.

"Die Bewältigung einer Krisensituation ist primär und entscheidend von der körperlichen Anwesenheit eines Lebewesens und von dem Erleben einer sympathischen Zuwendung ohne Wenn und Aber abhängig", fasst Bergler das Ergebnis seiner Studie zusammen.


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© Martin Ebbing