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Sind Tiere Verhaltensmaschinen?

Der Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle für Ethologie in Grünau, der Zoologe Kurt Kotrschal, wendet sich gegen die Vorstellung, Tiere seien reine Verhaltensmaschinen, die zwar Emotionen zeigen, sie aber nicht fühlen. Schliesslich setzt das Fühlen eine Selbsterfahrung, ein Bewusstsein seiner selbst voraus, das aber allein den Menschen vorbehalten zu sein scheint.

Es sei nicht in Frage zu stellen, dass wir nicht wissen können, ob und wie Tiere Gefühle erleben. Mit den klassischen naturwissenschaftlichen Arbeitsmethoden, in der nur Gemessenes, Gezähltes und Gewogenes zähle, lasse sich ein individueller Gefühlszustand nicht erfassen. Auch mit den modernsten Verfahren zur Abbildung von Gehirnaktivitäten lässt sich kein Aufschluss finden, wie Emotionen erlebt werden - weder bei Menschen noch bei Tieren. Dennoch wäre es aber töricht, Tieren ein Gefühlsleben abzusprechen.

Zum einen spreche die Plausibilität dagegen. Wenn man anerkenne, dass verschiedene Menschen ihre Emotionen ähmlich erleben, dann gebe es eigentlich keinen Grund, die Welt der Gefühle ausschliesslich für den Menschen in Anspruch zu nehmen. Das evolutionäre Kontinuum verlange geradezu danach, dass der für den Menschen erstellte Schluss von der emotionalen Selbsterfahrung - abgestuft nach dem Verwandtschaftsgrad - auch auf unsere tierlichen Vettern auszudehnen. Je näher uns die Tiere abstammungsgeschichtlich stehen, um so wahrscheinlicher erscheine es, dass sie so fühlen wie wir.

Zum anderen sei es auch plausibel, dass Tiere von den selben Mechanismen in ihrem sozialen Verhalten gesteürt werden wie Menschen. Wenn Zuneigung (Liebe) bei Menschen die Bindung schafft, auf der die Zusammenarbeit mit einem Partner basiert, und Scham oder Verantwortungsgefühl sozial verantwortliches Veralten garantieren, warum solle es bei Tieren anders sein?

[Link zu Artikel in der NZZ (Die menschliche Kreatur - eine blosse Verhaltensmaschine? NZZ 16. Oktober 1999)] [Link zur Konrad-Lorenz-Forschungsstelle]nis.


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