Srebrenica: Kultur der Verantwortungslosigkeit


Am 11. Juli 1995 überrannten serbische Truppen die von der UN zur Schutzzone erklärte bosnische Stadt Srebrenica. Geschätzte 8.000 moslemische Männer dieser Stadt sind seither verschwunden und wurden vermutlich ermordet. Srebrenica wurde damit der Schauplatz des grössten Massenmordes in Europa seit Ende des Zweiten Weltkrieges.

Anfang dieser Woche, mehr als vier Jahre später, veröffentlichte UN Generalsekretär Kofi Annan einen Bericht, der untersucht, wie diese Tragödie geschehen konnte. Fazit: "Aufgrund von Fehlern, falschen Einschätzungen und einer Unfähigkeit, das Ausmass des Bösen zu erkennen, mit dem wir konfrontiert waren, haben wir versagt, unseren Anteil zu leisten, um die Menschen von Srebrenica vor der serbischen Kampagne des Massenmordes zu schützen."

Keine der Personen, die für diese Fehler, Fehleinschätzungen und Unfähigkeiten verantwortlich ist, hat - mit der Ausnahme von Annan - bis heute öffentlich seine Mitschuld an den Ereignissen erklärt. Niemand hat persönliche Konsequenzen gezogen.

Bei den Vereinten Nationen wie in vielen anderen internationalen Institutionen herrscht eine Kultur der Verantwortungslosigkeit. Während nationale Minister den Hut nehmen müssen, wenn sie sexuell über die Stränge geschlagen sind, hat der Tod von bis zu 8.000 Menschen keine Folgen.


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© Martin Ebbing